DIE FIRMA HOLZINDUSTRIE SCHWEIGHOFER UND DER SUMPF DER KORRUPTION IN RUMÄNIEN

(Bericht erstellt im Auftrag des FSC – August 2015)


 

DER ZWECK DIESES BERICHTS

 

In letzter Zeit erhielt FSC eine Reihe von Informationen über schwerwiegende Anschuldigungen, die gegenüber der Tätigkeit der Firma Holzindustrie Schweighofer in Rumänien erhoben wurden. Solche Anschuldigungen wurden zuerst in den rumänischen Medien veröffentlicht und basierten auf Recherchen einiger wenigen rumänischen Umweltschützer, Stellungsnahmen besorgter Bürger und Informationen, die die Polizei und Justiz veröffentlicht hatte. Später wurden solche Anschuldigungen auch in der internationalen Presse erhoben und eine bekannte internationale Umweltschutz-NGO (EIA – Environmental Investigation Agency) führte eigene Recherchen, die die Glaubwürdigkeit der schwerwiegendsten Anschuldigung – die, dass Schweighofer bewusst auch illegal geschlagenes Holz kaufen würde – bestätigten.

Weil Holzindustrie Schweighofer einige FSC Zertifikate besitzt, beschloss die Leitung der FSC eine eigene Untersuchung der gesamten Anschuldigungen, die gegen diese Firma erhoben wurden, in Auftrag zu geben. Diese Untersuchung hat folgende Ziele:

- zu erklären, wie die Korruption in der rumänischen Forstwirtschaft funktioniert und inwiefern HS davon profitiert oder sie sogar fördert

- zu bewerten, ob es glaubwürdige Anschuldigungen gegen HS gibt

- alle glaubwürdigen Anschuldigungen aufzuzählen

- zu begründen, warum jede dieser Anschuldigungen als glaubwürdig eingestuft / bewertet wurde

- zu bewerten, ob es glaubwürdige Anschuldigungen gibt, die gegen (die) Prinzipien des FSC zur Zertifizierung von Forstbetrieben verstoßen.

Auf Basis dieser Untersuchung wird FSC entscheiden, welche die am besten geeigneten Schritte in diesem Fall sind.

 

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DIE KONSOLIDIERUNG DER RUMÄNISCHEN FORSTMAFIA


Bis kurz vor der Jahrtausendwende wurde in Rumänien die überwiegende Mehrheit der Wälder noch korrekt bewirtschaftet. Nur selten hörte man von Holzdiebstahl, aber auch dann handelte es sich um relativ geringe Mengen und die Kontrollbehörden der Forstverwaltung erfüllten in der Regel ihre Pflicht. Bis 1998 war die durch massiven illegalen oder scheinlegalen Holzschlag verursachte Zerstörung der Bestände ein äußerst seltenes, so gut wie unbekanntes Phänomen. Die Lage änderte sich schlagartig als das Gesetz zur vollständigen Rückerstattung der von der kommunistischen Regierung nationalisierten Wälder verabschiedet wurde. Mit oder ohne Zustimmung der Eigentümer (oft Menschen, die hunderte km weit weg von dem zurückerstatteten Wald wohnten oder Erben von Mitgliedern von Eigentums-Genossenschaften) begann eine regelrechte Plünderung dieser Wälder. Zu wahren Herren der zurückerstatteten Wälder wurden eigentlich diejenigen, die mit ihrer Verwaltung beauftragt waren. In ihrem Auftrag oder zumindest mit ihrer Einverständnis wurden zunehmend Hiebsarbeiten durchgeführt, die Forsteinrichtungspläne und Regeln der nachhaltigen Forstwirtschaft missachteten. Die wahren Eigentümern erhielten in der Regel nur einen geringer Anteil vom Gewinn, das durch den Verkauf des geernteten Holzes erzielt wurde oder man lieferte ihnen jährlich ein paar Kubikmeter Holz, den Großteil des Gewinns schaufelten sich die korrupten Forstverwalter in die eigenen Taschen. Um dieses schmutzige Geschäft reibungslos führen zu können, bestachen die korrupten Forstverwalter Politiker, Vertreter der Kontrollbehörden des Umweltministeriums, die mit der Überprüfung der Einhaltung der Bestimmungen der Forsteinrichtungspläne und Umweltschutz-Bestimmungen beauftragt waren, Polizei- und Justizbeamte, die beauftragt waren, Klagen einiger geschädigter Waldbesitzer, die den Raub bemerkten und nicht akzeptieren wollten, zu untersuchen.

Sehr bald wurde auch die Staatsforstverwaltung von dieser Korruption angesteckt. Einerseits konnten es viele Vertreter der staatlichen Staatsverwaltung kaum erwarten, dem für die eigene Tasche sehr erfolgreichen Beispiel der neu-modisch betriebenen Forstwirtschaft, zu folgen; andererseits wurde die Besetzung der höheren Ämter in der Staatsverwaltung zunehmend politisiert und die Vertreter der eigenen Kontrollorgane der Staatsforstverwaltung, die Vertreter der Kontrollbehörden des Umweltministeriums, die mit der Überprüfung der Einhaltung der Bestimmungen der Forsteinrichtungspläne und der Umweltschutzbestimmungen beauftragt waren, die Vertreter der Polizei- und Justizbehörden drückten zunehmend beide Augen zu, wenn es darum ging Missstände, die in den Staatsforsten gemeldet wurden, zu untersuchen.

Das Mafiasystem der rumänischen Staatsforstverwaltung war voll funktionsfähig als HS als willkommener Global Player 2003 die erste Produktionsanlage in Betrieb nahm und ihr die Regierung zehnjährige Verträge zu günstigen Konditionen mit den meisten Kreisforstämtern bescherte.

Der Aufstieg korrupter Forstbeamten in die Leitung des Forstamtes Retezat und des Nationalparks Retezat

 

Von Frühling 1992 bis 1997 habe ich als Diplomforstwirt in Rumänien bei der Fertigung von Forsteinrichtungsplänen für mehrere Forstämter mitgearbeitet.

1996 habe ich bei den Forsteinrichtungsarbeiten im Forstamt Retezat teilgenommen und viele Bestände dieses Forstamtes besichtigt. Ich habe festgestellt, dass alle beispielhaft bewirtschaftet waren. Der Forstamtsleiter, Herr Dipl. Forstwirt Guido Toniutti, der aus der Gegend stammte, hatte bis dann schon über drei Jahrzehnte seines Lebens dem Schutz und der Pflege der Wälder dieses Forstamtes gewidmet und hatte sich die Anerkennung vieler Kollegen, die den Beruf ebenfalls aus Berufung ausübten, gesichert. Leider habe ich aber auch bemerkt, dass viele seiner untergeordneten Mitarbeiter aus einem anderen Holz geschnitzt waren, die Ehrlichkeit und Tüchtigkeit ihres Chefs nicht schätzten und es kaum erwarten konnten, dass dieser in Rente geht, damit sie sich ein schöneres Leben machen können – ein bisschen (mehr) illegales Holz und ein paar (dutzende) Weihnachtsbäume zu verkaufen, den Bekannten – oft örtliche VIP's, ohne ihnen amtliche Gebühr zu verlangen, das Angeln und/oder die Übernachtung in den Gebäuden des Forstamtes zu erlauben u. a.

2002 ging Herr Toniutti aus Protest in Frührente, weil ein klarer Fall von Wilderei von der Polizei und Justizbehörden vertuscht wurde. Ein lokaler VIP, Adam Cristian, der eine Spirituosenfabrik besaß, wurde von einigen ehrlichen Förstern des Forstamtes Retezat gestellt, als er ein Wildschwein illegal erschossen hat. Es war das zweite mal, dass dieser VIP bei der Wilderei erwischt wurde. Das erste mal wurde er zusammen mit einem Kumpel von zwei Förstern (Lăzăroni Violin und Culda Gheorghe) erwischt als sie auf illegaler Fuchs-, Hasen- und Fasanenjagd waren. Die Polizei und die Staatsanwartschaft ermittelten aber nicht gegen die Wilderer sondern durchsuchten gründlich, ein paar Tage nachdem diese bei der Wilderei erwischt wurde, das Haus des Försters Lăzăroni Violin, der sich erlaubt hatte, dem VIP durch die Anzeige Unannehmlichkeiten zu machen. Dies geschah in Folge einer anonymen Anzeige, die gegen den Förster gemacht wurde und in der behauptet wurde, dass dieser illegal Jagdwaffen besitzt und wildert. Bei der Durchsuchung seines Anwesens wurden keine illegalen Waffen gefunden.

Das zweite mal, an einem Abend, gingen drei Förster auf die Lauer in einem Gebiet, in dem davor öfter Schüsse gehört wurden. Als die Förster bemerkten, dass ein Geländewagen in das beobachtete Gelände fuhr, verständigten sie telefonisch die Polizei und nach kurzer Zeit kamen drei Polizisten um sie zu unterstützen. Einer der Förster war Lăzăroni Violin, ein anderer Toniutti Apolo, der Sohn des Forstamtsleiters. Es wurden drei Mannschaften gebildet, jede aus einem Förster und einem Polizisten. Die drei Mannschaften nahmen verschiedene Stellungen im Gelände ein. Nach einiger Zeit fiel ein Schuss und die drei Förster zusammen mit den drei Polizisten kamen aus der Deckung. Sie stellten drei Männer (einer war der lokale VIP) jeder mit einer Jagdwaffe und fanden noch eine vierte Jagdwaffe in der Nähe des VIP's. Nicht weit entfernt lag das erschossene Wildschwein. Als die Förster versuchten den drei Männern die Jagdwaffen wegzunehmen, protestierte der VIP heftig und unterstrich, dass sie (er und seine Freunde) nur den Anweisungen der Polizei Folge leisten werden. Die Polizisten führten sie sehr höflich ab und die Förster fuhren mit dem erschossenen Wildschwein zum Forstamtssitz.

Ein paar Tage später wurden die drei Förster zur Polizei bestellt und überredet eine nicht ganz wahrheitsgemäße Erklärung zu unterschreiben. In dem Text, der ihnen zum Unterschreiben vorgelegt wurde, stand, dass nur drei Förster und zwei Polizisten bei der Aktion teilgenommen hätten, dass zwei Mannschaften aus je einem Förster und einem Polizisten gebildet wurden und der dritte Förster – der Sohn des Forstamtsleiters – alleine auf der Lauer gewesen wäre. Man begründete diese Abweichung mit der Tatsache, dass der dritte Polizist in Urlaub (geschickt worden) ist und die gemeinsame Erklärung nicht unterschreiben könnte. Als der Forstamtsleiter dies erfuhr, weigerte er sich die Kugel mit der das Wildschwein abgeschossen wurde der Polizei für die ballistische Expertise zu geben, da diese von einer Waffe vom selben Typ wie die, die seinem Sohn gehörte, abgefeuert worden war und er befürchtete, dass man versuchen wird die Schuld für das Erschießen des Wildschweins ihm zu geben. Nach einem heftigen Streit mit der Polizeileitung, wurde die nicht (ganz) wahrheitsgemäße Erklärung vernichtet und eine neue, die die Fakten genau wiedergab verfasst und unterschrieben. Die Kugel wurde der Polizei übergeben und die ballistische Expertise konnte diese angeblich keiner der vier von der Polizei einbehaltenen Jagdgewehre zuordnen. Es ist gut möglich, dass auf dem Weg vom Tatort zur Polizeiwache oder von der Polizeiwache zur Expertise die Tatwaffe ausgetauscht wurde. Die Ermittlungen der Polizei wurden abgeschlossen und angeblich aus Mangel an Beweisen wurde von der Staatsanwartschaft gegen den lokalen VIP und seine zwei ebenfalls gestellten Kumpel keine Anklage erhoben.

Nachdem Herr Toniutti in Rente ging, wurde einer seiner ehemaligen Mitarbeiter, der Diplomforstwirt Ursu Adrian, der für seine Vorliebe für Alkohol bekannt war, zum Forstamtsleiter ernannt. Dieser genehmigte sehr schnell die Rückerstattung der Wälder, die von den Erben der Grafen Kendeffi beantragt wurde und deren Rechtmäßigkeit sehr zweifelhaft ist und die ebenfalls rechtlich bedenkliche Rückerstattung einiger Wälder, die einigen ehemaligen Eigentumsgenossenschaften gehört hatten. Die Rückerstattungen wurden auf Druck des Bürgermeisters durchgeführt. Der Bürgermeister setze sich ebenfalls für die Gründung eines privaten Forstamtes für die zurückerstatteten Wälder ein. Kurz nachdem dieses private Forstamt gegründet wurde, fing man an die zurückerstatteten Bestände der ehemaligen Eigentumsgenossenschaften zu plündern. Man muss unterstreichen, dass das Becken des Flusses Bodu, das nun vom privaten Forstamt verwaltet wird, bis dahin geschlossen gewesen war und dass, einige Bestände aus diesem Flussbecken vom Institut für Forstwirtschaftliche Forschung und Forsteinrichtung als urwaldähnlich und besonders schützenswert eingestuft worden waren und dass, das meiste Holz, das hier geschlagen wurde an HS verkauft wurde.

In der Zeitspanne 2000-2004 war Adrian Năstase Ministerpräsident Rumäniens. Dieser, der später wegen seiner Verstrickung in mehrere Korruptionsskandale ins Gefängnis gehen musste und dessen Vorliebe für die Jagd bekannt war, wurde auch beschuldigt während seiner Amtszeit ohne Gebühr einige Bären gejagt zu haben. Dieses Verhalten, das an dieselbe schlechte Angewohnheit des ehemaligen kommunistischen Herrschers Ceauşescu erinnerte, schien nicht alle Forstbeamten zu empören. Der Diplomforstwirt Ursu Adrian lies 2003 im Nationalpark Retezat, wo eigentlich die Jagd verboten ist, eine beheizte Wildbeobachtungs- und -abschießhütte bauen obwohl die Jagd in den Nationalparks verboten ist. Die Leitung der Verwaltung des Nationalparks leistete keinen ernstzunehmenden Widerstand, da ihr Direktor, der Diplomforstwirt Acimov Zoran ein Saufkumpel von Ursu Adrian ist. Danach wurden in der Nähe der Hütte, eine Salzstelle und eine Futterstelle, wo man regelmäßig Heu und Mais hin brachte um Rotwild, Rehwild und Wildschweine anzulocken, errichtet. Zumindest ein lokaler VIP hat mindestens einmal dort erfolgreich gejagt, behaupten Wächter vom Haus der Rumänischen Akademie, die weniger als ein km von der Hütte entfernt steht.

Noch bevor das private Forstamt gegründet wurde, hatte Ursu Adrian ein kleines Sägewerk auf dem Grundstück eines Verwandten bauen lassen. Dieses wurde von einem Förster bedient, der eigentlich für das Beschützen des Staatswaldes, bezahlt wurde. Man behauptet, dass das kleine Sägewerk regelmäßig von einer Firma, die Hiebsarbeiten für HS durchführte, beliefert wurde. Die Belieferung des Sägewerkes des Forstamtsleiters war eine Art Zoll für die Erlaubnis sich teilweise selbst die Bäume, die gefällt wurden, auszusuchen. Es war offensichtlich, dass nicht die gesamte geerntete Holzmenge ordnungsgemäß registriert wurde und dass viel Holz illegal oder scheinlegal aus dem Wald entnommen wurde.

Ohne diese Anschuldigungen zu kennen, machte ich zusammen mit meinem großen Sohn im Sommer 2007 eine mehrtägige Wanderung (mit Übernachtung auf dem Berg, im eigenen Zelt). Als wir durch einige Bestände aus dem Flussbecken Lăpuşnicul Mic, die bis vor ein paar Jahren sehr korrekt bewirtschaftet worden waren, wanderten, stellte ich fest, dass hier vor kurzer Zeit Hiebsarbeiten, die die Forstwirtschaftsregeln grob missachtet haben, durchgeführt wurden. Es war offensichtlich, dass der Wald mutwillig zerstört wird, damit ein schneller aber unverantwortlicher Gewinn erzielt wird – es wurde nur Wertholz (vorherrschende und herrschende Bäume) geerntet, riesige Mengen Hiebsreste lagen kreuz und quer, sehr viele stehengebliebene Bäume wurden während der Hiebsarbeiten verletzt und es wurde ein dichtes Netz von Rückewegen auf steilen Hängen, die sich oberhalb und in unmittelbarer Nähe des Stausees Gura Apei befanden, gebaut, obwohl dort gar keine Rückegassen gebaut werden dürften. Ich informierte über diese Zustände Herrn Dr. Ing. Ioan Seceleanu, Leiter der Abteilung „Forsteinrichtung“ der nationalen Staatsforstverwaltung (Romsilva) und mehrere Professoren meiner ehemaligen Forstwirtschaftsfakultät.

 

Ähnliche unannehmbaren Zustände wurden auch in andere Betriebseinheiten von anderen Bürgern, die sich für den Umweltschutz interessierten, bemerkt und den Kontrollbehörden gemeldet. Eine wesentliche Rolle spielte dabei Herr Toniutti Guido, der mehrere Bekannte gebeten hat, sich solche Zustände anzuschauen und darüber zu berichten.

Ende 2007, nach Überprüfung dieser Anschuldigungen, kam der damalige Generaldirektor der Kreisforstdirektion Hunedoara, der Diplomforstwirt Lucian Stratulat, der sich allgemein bemühte die zunehmende Korruption seiner Untergebenen einzudämmen, zu dem Schluss, dass Ursu Adrian bewiesen hat, dass er für die Stelle des Forstamtsleiters nicht geeignet ist. Gemäß dem Prinzips des Waschens der schmutzigen Wäsche in der Familie, wurde dieser nur von der Stelle des Forstamtsleiters entfernt und blieb Angestellter des Forstamtes. Mit Unterstützung seines Saufkumpels Acimov Zoran, erhielt er einige Monate später eine bequeme Stelle in der Leitung der Verwaltung des Nationalparks Retezat.

Zu selber Zeit wurden Korruptionsanschuldigungen auch gegen den Leiter des Forstamtes Haţeg, der Diplomforstwirt Viorel Dumitrescu, erhoben. Nachdem diese Korruptionsanschuldigungen überprüft wurden, beschloss Lucian Stratulat auch diesen von der Stelle des Forstamtsleiters zu entfernen und auf eine niedrigere Stelle ins benachbarte Forstamt Baru zu versetzen. Dumitrescu, der mächtige Freunde hatte, zog vor Gericht und behauptete, dass diese Entscheidung nicht rechtmäßig gewesen wäre.

Während des Prozesses wurden die Forstämter Retezat und Haţeg, die beide durch die Rückerstattung vieler nationalisierten Wälder viel Fläche verloren hatten, vereint. Das entstandene Forstamt erhielt den Namen Retezat, sein Sitz wurde aber der Sitz des ehemaligen Forstamtes Haţeg.

In erster Instanz verlor Viorel Dumitrescu den Prozess gegen die Leitung der Kreisforstdirektion. Vor der Berufung hatten aber Wahlen stattgefunden und diese wurden von der ehemaligen Opposition gewonnen. Kurz danach wurden, wie in Rumänien üblich, die Führungskräfte der zentralen Staatsforstverwaltung und der Kreisforstdirektion, ausgetauscht. Lucian Stratulat verlor seinen Posten und als die Berufung des Prozesses gegen Dumitrescu stattfand, schickte die Kreisforstdirektion keinen Vertreter zum Gericht. Das Berufungsgericht beschloss, dass Dumitrescu widerrechtlich aus seiner Führungsstelle entfernt wurde. Die Kreisforstdirektion wurde verpflichtet, ihm eine Entschädigung zu zahlen und ihn wieder als Forstamtsleiter einzusetzen. Somit konnte er erhobenen Hauptes die Leitung des vor kurzer Zeit neu geschaffenen Forstamtes Retezat übernehmen.

 

 

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DER FALL RETEZAT – REPRÄSENTATIVES BEISPIEL WIE IN RUMÄNIEN UNTER AUFSICHT DER FORSTMAFIA DER WALD GEPLÜNDERT UND ZERSTÖRT WURDE, UM UNMENGEN WERTHOLZ FÜR HS ZU BESORGEN

 

Anfang Juli 2011 war ich für ein paar Tage mit meinem Freund und ehemaligen Studienkollegen Dr. Ing. Constantin Banu in Nationalpark Retezat um Informationen über Unregelmäßigkeiten und Rechtswidrigkeiten, die dort passieren, zu überprüfen. Wir begingen mehrere Einrichtungseinheiten der Betriebseinheit III Râul Şes und stellten fest, dass dort der Wald mutwillig zerstört wird, um möglichst viel Wertholz zu ernten.

Da das Ausmaß der Zerstörung besorgniserregend war und da es offensichtlich war, dass diese von den Behörden geduldet wurde, beschloss ich alles zu tun um den Fall der breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen. Mein Freund, Dr. Ing. Constantin Banu, betonte aber, dass er in dieser Angelegenheit nicht im Vordergrund auftreten möchte, weil er mögliche Repressalien seitens der Behörden befürchtete.

Da ich gleich zurück nach Deutschland fahren musste, informierte ich sofort einige Bekannten über die unakzeptable festgestellte Lage und bat sie, sich zu bemühen, die Medien darüber zu informieren. Zwei pensionierte Diplomforstwirte – der ehemalige Forstamtsleiter (Ing. Guido Toniutti) und ein bekannter Forstwissenschaftsforscher (Dr., Ing. Radu Stelian) erklärten sich bereit, sich selbst jene Bestände anzuschauen und begleiteten einige Tage später ein Fernsehteam im Gelände. In der landesweit ausgestrahlten Reportagen zeigten sich diese empört über die festgestellten Zustände.

http://observator.a1.ro/campanii-observator/Defrisari-masive-la-limita-Parcului-National-Retez_40790.html

Zur selben Zeit schrieb ich einen umfassenden Bericht über die festgestellte Lage und verfasste ihn als offenen Brief an den Herrn Generalsekretär der Rumänischen Akademie. Dieser wurde auf meine Homepage und auf mehreren Blogs veröffentlicht und einige Zeitungen berichten darüber.

http://alinbena.blogspot.ro/2011/07/mafia-padurilor-isi-face-de-cap-in.html

OFFENER BRIEF AN HERRN ACADEMICIAN PĂUN ION OTIMAN, GENERALSEKRETÄR DER RUMÄNISCHEN AKADEMIE

 

Sehr geehrter Herr Academician,

der Unterzeichnende, Cionoiu George, Diplomforstwirt mit Wohnsitz in Deutschland, möchte Ihre Aufmerksamkeit auf Folgendes richten:
Anfang Juli war ich für ein paar Tage mit meinem Freund und ehemaligen Studienkollegen Dr. Ing. Constantin Banu in Nationalpark Retezat um Informationen über Unregelmäßigkeiten und Rechtswidrigkeiten, die dort passieren, zu überprüfen... Ich weise darauf hin, dass im Jahr 1996 das Unternehmen von Herrn Banu die Forsteinrichtungspläne für das Forstamt Retezat angefertigt hat, so dass wir jetzt die damals erstellten Forsteinrichtungskarten zur Verfügung hatten...

Zusammen mit Herrn Banu beging ich die Einrichtungseinheit 88A der Betriebseinheit III Râul Şes und wir stellten folgendes fest :

1. Obwohl die Steigung sehr hoch ist (39 Grad nach dem Forsteinrichtungsplan von 1997) wurde ein übertrieben dichtes Netz von Rückegassen gebaut.

2. Obwohl es in unmittelbarer Nähe zu den kürzlich benutzen Rückegassen zahlreiche vertrocknete Bäume gab, die schon vor langer Zeit markiert worden waren, wurden diese nicht geerntet.

3. Bisher wurden nur gesunde Bäume mit großem Durchmesser geerntet.

4. Die Hiebsarbeiten wurden in der Nähe der Forststraße begonnen und die Beschirmung sinkt zunehmend innerhalb der gesamten Einrichtungseinheit in Folge der wiederholten Hiebsarbeiten, die in den letzten paar Jahren durchgeführt wurden, ohne dass es einen Ansatz gibt, der auf die Verjüngung abzielt.

Fazit: Die Art und Intensität der Arbeiten verstößt schamlos gegen die Bestimmungen des Forsteinrichtungsplans, der am 1. Januar 1997 in Kraft getreten ist. Dieser schrieb als Vorgehensweise für die Bewirtschaftung dieser Einrichtungseinheit die Gruppenplenterung vor, der für die Extraktion vorgesehene Prozentsatz liegt bei 4% des gesamten Holzvolumens, eingeschlossen Hygiene (vertrocknete Bäume oder schwere Verletzungen welche durch Windbruch oder Schnee verursacht wurden). Grund hierfür ist die Einordnung des Bestandes als funktioneller Typ-II (Funktionstyp mit hohen Einschränkungen) welcher verschiedene Aufgaben hat, einerseits für den Bodenschutz (funktionale Kategorie 2A - Neigung von mehr als 35 Grad) andererseits für die Erhaltung der biologischen Vielfalt (Funktionsklasse 5L – Pufferzone Nationalpark Retezat). Der Bau des Netzes an Rückegassen ist völlig ungerechtfertigt, da die Gruppenplenterung nur kleinräumige Extraktionen vorsieht, welche die natürliche Verjüngung fördern sollen.

Ich wage zu behaupten, dass die, in der Einrichtungseinheit 88A beobachtete Situation, leider repräsentativ für die neue und unverschämte Art ist, wie Hiebsarbeiten in der Pufferzone des Nationalparks Retezat seit einigen Jahren durchgeführt werden – genauer gesagt seit der Pensionierung von Herr Diplomforstwirt Guido Toniutti, ehemaliger Leiter des Forstamtes Retezat. Ähnliche Beispiele finden sich in den Parzellen 26, 27, 28, usw. des ehemaligen Betriebseinheit III Râul Şes.

Es ist bekannt, dass eine Analyse von Hiebsarbeiten sowohl technische als auch wirtschaftliche Gesichtspunkte berücksichtigen muss.

I. Die Analyse des rein technischen Aspekts der Hiebsarbeiten, die wir in der Einrichtungseinheit 88A beobachtet haben, kann auf folgende Schlussfolgerungen reduziert werden:

1. Die aktuell durchgeführten Hiebsarbeiten widersprechen den technischen Regeln der Waldbewirtschaftung, deren Hauptzweck der Umweltschutz ist (vor allem in diesem Fall) und zu einem geringeren Anteil der Wertschöpfung durch Holz.

2. Der Aufbau eines übermäßig dichten Rückegassennetzes im Gelände mit einer hohen Steigung führt zu Bodenerosion und behindert dadurch die Verjüngung.

3. Die Verringerung der Beschirmung des Baumbestandes zusammen mit der fehlenden Extraktion des Käferholzes und der angeschlagenen Bäume, welche eine Infektionsquelle für die Ausbreitung des Borkenkäfers darstellen, führen in einer alarmierenden Geschwindigkeit zur Verschlechterung des Gesundheitszustandes des Bestandes.

Ich denke, dass diese Ergebnisse ausreichen, um die Behauptung zuzulassen, dass die Vertreter von Institutionen, die diese Hiebsarbeiten zugelassen haben oder ihre Ausführung beaufsichtigen sollten, sich der groben Fahrlässigkeit schuldig gemacht haben.

(PSEUDO) II. Eine oberflächliche und fehlerhafte rein ökonomische Analyse der Hiebsarbeiten, die in einem öffentlichen Diskurs verwendet werden könnte, die den Ernst der Aggression gegenüber den Beständen und dem Boden dieser Einrichtungseinheit zu minimieren versuchen, könnte zu folgenden falschen Schlussfolgerungen führen:

1. Das zu dichte Rückewegenetz wurde nur gebaut um die Extraktion einiger Bäume zu erleichtern ohne die geringste Betrugsabsicht.

2. Die vorhandenen trockenen Bäume wurden nur aus verantwortungslosen, unmittelbaren wirtschaftlichen Überlegungen nicht extrahiert, da die Rentabilität ihrer Fällung sehr gering ist.

Solche Schlussfolgerungen könnten jedoch noch immer nicht die Behauptung widerlegen, dass Vertreter von Institutionen, die die Hiebsarbeiten genehmigt haben oder deren Ausführung nicht beaufsichtigen haben, sich grober Fahrlässigkeit schuldig gemacht haben.

II. Eine ernsthafte technische und wirtschaftliche Analyse sollte jedoch die folgenden Aspekte berücksichtigen:

1a. Der Bau von Rückegassen führt zu einer niedrigeren Beschirmung des Bestandes.

1b. Der Bau von Rückegassen bedingt das Verschwinden der Baumstümpfe auf ihren Spuren.

1a. + b. Wenn diese Aspekte bei der Analyse der Hiebsarbeiten ignoriert werden, kann ein möglicher Betrug verschleiert werden, da es möglich ist, bei der Bestimmung des Holzvolumens welches gefällt werden sollte, die Oberfläche der Baumkronen über den Rückegassen bzw. das durch die Ernte dieser Bäume entstehende Holzvolumen, nicht berücksichtigt wird.

2. Unter dem Deckmantel der zufälligen Nutzungen werden die wertvollsten Bäume geerntet, da sie einen schnellen Gewinn in kurzer Zeit durch Herabstufung des Holzes bringen, d.h. das Holz welches nicht für die legale Fällung im Rahmen der Forsteinrichtung vorgesehen ist, wird als zufällige Nutzung gewertet, welche (nach den gesetzlichen Tarifen) zu einem Preis deutlich unter dem tatsächlicher Wert verkauft werden kann (ein Teil der Preisdifferenz wird als Kommission kassiert (genauer genommen Schmiergeld).

3. Da die nicht-Extraktion trockener Bäume die Voraussetzung für die Verschlechterung der Pflanzengesundheit des Bestandes darstellt, kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Verschlechterung in krimineller Weise gewollt ist. Somit kann im Namen des Kampfes gegen diese Verschlechterung in Zukunft die Fortsetzung der Hiebsarbeiten gerechtfertigt werden, deren eigentliches Ziel nur die kurzfristige Gewinnmaximierung ist, welche jedoch letztlich zum Verschwinden des Bestandes mit alarmierender Geschwindigkeit führt.

Ganz offensichtlich führt die Art der Durchführung der Hiebsarbeiten und die Tatsache, dass die Vertreter von Institutionen, die diese zugelassen haben oder sie hätten überwachen müssen, nichts unternommen haben, um sie zu stoppen, zu der Annahme, dass es eine Absprache gab, zwischen denen die den Wald ausgebeutet haben und denjenigen die ihn laut Gesetz schützen müssten – ich beziehe mich ausdrücklich auf die Vertreter des Forstamtes Retezat, Forstkreisdirektion Deva, ITRSV (Regionale Inspektion für Forstwirtschaft und Jagd) Deva und die Verwaltung des Nationalparks Retezat. Es ist offensichtlich, dass die Vertreter dieser Institutionen unter keinen Umständen zugeben werden, dass sie Verbrechen gegen die Natur in den Wäldern, die sie schützen sollten, toleriert haben.

Meiner Meinung nach ist dies ein typisches Beispiel für organisierten Kriminalität und da der Nationalpark Retezat als das grünes Herz Rumänien angesehen ist, halte ich es für notwendig, eine gründliche Untersuchung durchzuführen, welche die Schlussfolgerungen, die der Unterzeichnende zuvor gezogen hat, bestätigen oder entkräften soll. Ich glaube, dass diese Untersuchung nicht objektiv sein kann, wenn sie nur von Romsilva (die Verwaltung der Staatsforsten Rumäniens) und Vertreter des Umweltministeriums durchgeführt wird. Ich denke, es ist offensichtlich, dass diese Institutionen Interesse an der Vertuschung des Falls haben, was durch die Tatsache bestätigt wird, dass der Ingenieur Adrian Ursu, ehemaliger Chef der Forstverwaltung Retezat im Zeitraum 2003-2007, in der Verwaltung des Nationalparks Retezat eingestellt wurde, nachdem er aus dem Amt des Chefs der Forstamtes entfernt worden war, weil er illegale oder pseudolegale Hiebsarbeiten gedeckt hatte.

Ich glaube, dass eine ernsthafte Untersuchung nur möglich ist , wenn die Gegebenheiten im Gelände von einer bedeutenden Anzahl von Spezialisten der Forstwirtschaft analysiert werden, die nicht dem Ministerium für Umwelt und Romsilva unterstehen – ich meine damit auf Forstwirtschaft spezialisierte Vertreter der Akademie, aus dem Lehrkörper forstwirtschaftlicher Fakultäten, Vertreter von Forsteinrichtungsunternehmen, Forstingenieure deren berufliche Ehrlichkeit und Fähigkeit anerkannt ist (ich nominiere hiermit in erster Linie Herrn Ingenieur Toniutti), sowie Vertreter der Zivilgesellschaft insofern sie nachweisen können dass sie das notwendige Wissen besitzen, um an dieser Unternehmung teilzunehmen.

Die Untersuchung sollte die folgenden Aspekte berücksichtigen:

1. ob die Arbeiten in Übereinstimmung mit den geltenden Bestimmungen der Forsteinrichtung durchgeführt werden;

2. ob die geltende Forsteinrichtung unter Einhaltung der Nutzungsnormen erarbeitet wurde;

3. eine möglichst realistische Einschätzung der Menge und Qualität des gefällten Holzes

4. ob die geschlagenen Holzmengen sich in den von ITRSV Deva genehmigten Dokumenten zum Verkauf wiederfinden;

5. ob die geschlagenen Holzmengen der Menge in den Dokumenten zum Verkauf entspricht;

6. ob in dieser Betriebseinheit, für die betroffenen Bestände, wie gesetzlich vorgeschrieben, Kalamitätsmeldungen erstellt und an die übergeordneten Behörden weitergeleitet wurden. Ob die Extraktion der zufälligen Nutzungen (die nicht in dem Forsteinrichtungsplan vorgesehen waren) auf Basis der Genehmigung der Übergeordneten Behörde erfolgte;

7. ob, und in welcher Form sich die Menge des extrahierten Holzes in Dokumenten der Transportunternehmen, welche die Hiebsarbeiten durchgeführt haben, wiederfinden

Ich glaube, dass diese Untersuchung durch eine neutrale Institution, die das notwendige Prestige hat geleitet werden sollte und ich denke, dass dies, nur die Rumänische Akademie sein kann.

Mit freundlichen Grüßen Weidhausen, den 14.07.2011

Ing. George Cionoiu

 

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Nachdem Mitte Juli 2011 sowohl die Reportagen ausgestrahlt, als auch mein offener Brief veröffentlicht wurde und mehrere Lokalzeitungen über die merkwürdigen Hiebsarbeiten, die im Nationalpark Retezat durchgeführt wurden, berichtet hatten, begannen Vertreter aller zuständigen Behörden diese zu rechtfertigen. Es wurden Kontrollteams aller zuständigen Behörden ins Gelände geschickt und alle betonten, dass die in den Medien verbreiteten Anschuldigungen überhaupt nicht der Wahrheit entsprechen würden. Es wurde nur eine lächerliche Strafe gegen die Firma, die die Hiebsarbeiten durchgeführt hatte, erhoben. Weil aber die Zerstörung der Wälder in Rumänien ein sehr aktuell diskutiertes Problem war und weil der Nationalpark Retezat der älteste Nationalpark Rumäniens ist, war dies ein brisantes Thema. Um die Öffentlichkeit zu beruhigen, betonten die Vertreter des Nationalparks Retezat und der Kreisforstdirektion Hunedoara, dass man beschlossen hat, vorläufig alle Hiebsarbeiten in der Betriebseinheit III Râul Şes des Forstamtes Retezat zu stoppen.

Nach der Ausstrahlung der Reportagen, die die aggressiven Hiebsarbeiten angeprangert hatten, bemühten sich Vertreter der Behörden zwei Bürger, die in jenen Reportagen ihre Meinung gesagt hatten, einzuschüchtern.

Gegen den Sohn und die Schwiegertochter des ehemaligen Forstamtsleiters, die im Forstamt als Förster bzw. Buchhalterin angestellt waren, wurde Terror ausgeübt und nach ein paar Wochen erreichte man das erwünschte Ergebnis. Der ehemalige Forstamtsleiter informierte mich, dass er sich in Zukunft nicht mehr seine Meinung über die Zustände im Wald sagen wird, weil er großen Streit in der Familie gehabt hatte und er beschlossen hat seine Verwandten zu schützen.

Ein anderer Bürger, der in den Reportagen seine Meinung gesagt hatte und der auch wesentlich daran beteiligt gewesen war, überhaupt das Fernsehteam von der Notwendigkeit der Durchführung der Reportage zu überzeugen, war Herr Doru Lasc, Generalverwalter der Güter der Rumänischen Akademie im Gebiet Retezat. Im Nationalpark Retezat besitzt die Rumänische Akademie mehrere Hütten, die berühmteste ist die Hütte Gemenele, die sich im Rezervat, in 1700 Meter Höhe befindet und die nur nach einem dreistündigen Fußmarsch erreichbar ist. In der Nähe der Hütte wurde nach einem Sturm im Herbst des Jahres 2010 eine Fichte mit einem Durchmesser von 54 Zentimeter entwurzelt und als diese umfiel hat sie zwei dünne Fichten (Durchmesser 18 und 14 Zentimeter abgebrochen). Die Wächter, die Herrn Lasc unterstellt sind, haben diese beschädigten Bäume abgesägt, um etwas Brennholz für die Hütte und für die Reparatur einiger Brücken, die über die Bäche aus der Gegend gebaut sind zu besorgen, ohne dafür die erforderliche Genehmigung vom Forstamt und von der Verwaltung des Nationalparks zu beantragen – fast das ganze benötigte Brennholz für die Hütte wird sonst jährlich von außerhalb des Reservates mit einem Hubschrauber hin geflogen. Jemand von der Verwaltung des Nationalparks – höchstwahrscheinlich Ursu Adrian, der oft in der Gegend unterwegs war um illegal im Gemenele-See zu angeln, hatte wahrscheinlich schon im vergangenen Herbst die drei Stümpfe bemerkt. Obwohl es offensichtlich war, das der große Stumpf entwurzelt war, wurde Herr Lasc wegen illegalen Holzschlags angeklagt. Sogar der Direktor der Umweltwache für das gesamte Südwest-Gebiet Rumäniens (Silviu Megan) ist bis Gemenele marschiert, um sich das angebliche Verbrechen anzusehen.

Zur selben Zeit gab es in der Betriebseinheit III Râul Şes hunderte unmarkierte Baumstümpfe von Bäumen mit Durchmessern von mehr als 50 Zentimetern aber kein Vertreter der Behörden wollte diese sehen. Kurze Zeit nachdem der Direktor der Umweltwache für das gesamte Südwest-Gebiet Rumäniens sich im Rezervat das angebliche Verbrechen, das Herrn Doru Lasc zur Last gelegt wurde, betrachtet hatte, traf ihn auf einer Tagung mein Freund, Dr. Ing. Banu Constantin. Mein Freund fragte ihn, ob er nicht neugierig gewesen war, sich auch ein Bild von der Lage in den Beständen der Betriebseinheit Râul Şes zu machen, da diese sich auch in der Nähe befanden. Er bekam eine ehrliche aber gleichzeitig ernüchternde Antwort: „Dort bin ich nicht hin gegangen, weil dort Vişoius Revier ist!“. Aristotel Vişoiu ist der Chef der Regionalen Inspektion für Nachhaltige Forstwirtschaft und Jagd. Offiziell sollte selbstverständlich die Umweltwache auch Anschuldigungen bezüglich dubioser Machenschaften, die in allen Wäldern durchgeführt werden, untersuchen. Die Wirklichkeit sieht aber in der Regel ganz anders aus. Wenn eine Kontrollbehörde einen Skandal vertuscht, helfen die anderen mit oder schauen einfach weg.

Obwohl angeblich seit August alle Hiebsarbeiten in der Betriebseinheit III Râul Şes des Forstamtes Retezat gestoppt wurden, wurde ich Mitte September informiert, dass dort weiterhin fleißig Holz geerntet wird. Am 20. September begleitete ich ein Fernsehteam des Senders Antena 1 im Gelände und wir konnten feststellen dass in anderen Beständen der Betriebseinheit III Râul Şes, die sich weiter Flussaufwärts befanden, die Hiebsarbeiten genau nach demselben System, das in meinem vor zwei Monate verfassten offenen Brief an den Herrn Generalsekretär der Rumänischen Akademie beschrieben hatte, durchgeführt werden.

In Begleitung des Kameramanns ging ich bis zu dem Punkt wo gerade einige gesunde riesige Fichten in unmittelbarer Nähe eines vor kurzer Zeit gebauten Rückeweges gefällt wurden. Als ich dem Kameramann zeigte, dass viele der Stümpfe nicht markiert waren, verließen die Waldarbeiter fluchtartig die Arbeitsstelle.

Nachdem die neue Reportage ausgestrahlt wurde, wurden erneut Kontrollteams aller Behörden ins Gelände geschickt und alle betonten wieder, dass die in den Medien verbreiteten Anschuldigungen überhaupt nicht der Wahrheit entsprechen würden. Sogar der Generaldirektor der Nationalen Verwaltung der Staatsforsten, Diplomforstwirt Valerian Solovăstru, besichtigte persönlich einige Bestände der Betriebseinheit III Râul Şes und betonte, dass dort alles in Ordnung sei, das man nur von Borkenkäfern befallene Bäume ernten würde. Zum selben Schluss kamen auch die Vertreter des Umweltministeriums, die auch vor Ort gewesen waren.

Da diese Erklärungen aber den Bildern der Reportagen, die im Juli und September ausgestrahlt wurden, widersprachen, – diese zeigten eindeutig, dass nur gesunde, grüne Bäume gefällt wurden, - zweifelten immer mehr Umweltschutz NGO´s die Glaubwürdigkeit der Erklärungen der Behörden an und forderten die Bildung einer selbstständigen Kommission, die die Lage vor Ort untersuchen soll.

 

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AUSZÜGE AUS DEM UNTERSUCHUNGSBERICHT „FESTSTELLUNGEN BEZÜGLICH DER FORSTARBEITEN IM NATIONALPARK RETEZAT (BETRIEBSEINHEIT III RÂUL ŞES)“. BERICHTERSTATTUNG IM AUFTRAG DER RUMÄNISCHEN AKADEMIE UND DER AKADEMIE FÜR LANDWIRTSCHAFTLICHE UND FORSTWIRTSCHAFTLICHE WISSENSCHAFTEN

 

 

„(11 Dezember 2011)

 

FESTSTELLUNGSBERICHT

 

Ziel: Prüfung des Wahrheitsgehaltes der negativen Berichte, die von Medien und Umweltschutz-NGOs bezüglich der Art der Bewirtschaftung einiger Bestände der Betriebseinheit III Râul Şes, Forstamt Retezat, ( Teil des Nationalparks Retezat), in Umlauf gebracht wurden.

 

Anfang Juli diesen Jahres haben Diplomforstwirte aus dem In- und Ausland, die zur Zeit außerhalb der rumänischen Forstwirtschaft tätig sind, davor gewarnt, dass grobe Missstände in der Art der Durchführung der Forstarbeiten in einigen Bestände der Betriebseinheit III Râul Şes vorliegen. Sie behaupten, dass dadurch eine unwiederbringliche Schädigung des Bodens und der Bestände verursacht wird, die mit dem Status eines Naturschutzgebietes von nationaler Bedeutung unvereinbar ist. Auf diese Missstände wurde in den Nachrichten der Fernsehsender ANTENA 1 und PRO TV und in einem offenen Brief des Diplomforstwirtes Gheorghe Cionoiu an Herrn Academician Păun Otiman, Generalsekretär der Rumänischen Akademie, hingewiesen.

 

Die gesendeten Informationen haben zahlreiche Umweltschutz-NGO's sensibilisiert, sodass diese Anfang August [2011, Anmerkung des Übersetzers] beantragt haben, dass die Rumänische Akademie aufgrund ihrer Zuständigkeit bezüglich der Naturschutzgebiete Rumäniens dazu Stellung nimmt. In der Antwort der Rumänischen Akademie wurde die Bildung einer Expertenkommission empfohlen, welche die Art der Bewirtschaftung jener Bestände objektiv untersuchen soll.

 

… Die Rumänische Akademie hat ein Forscherteam gebildet, das aus Herrn Academician V. Giurgiu, Prof. Dr. D. Munteanu ( Präsident des Ausschusses für Naturdenkmäler), Diplomforstwirt C. Dolocan ( Stiftung „Patrimoniu(m)“), Dr. Ing. N. Olenici (Wissenschaftsforscher I. am Institut für Forstwirtschaftliche Forschung und Forsteinrichtung), Dr. Ing. L. Duduman ( Universität „Stefan cel Mare“ Suceava) bestand. Die Akademie für Landwirtschaftliche und Forstwirtschaftliche Wissenschaften hat Dr. Ing. I. Seceleanu beauftragt, an der Untersuchung teilzunehmen.

…....................

Die zur Beurteilung der oben genannten Umstände benötigten Informationen bestehen aus den Unterlagen, die der Verwaltung des Nationalparks Retezat und dem Forstamt Retezat vorliegen, sowie Erkenntnissen aus der Besichtigung einiger Bestände der Betriebseinheit III Râul Şes, in denen während der letzten vier Jahre der Umsetzung der Forsteinrichtung Hiebsmaßnahmen durchgeführt wurden. Ziele der vor Ort durchgeführten Untersuchung waren hauptsächlich die Überprüfungen der Art der Umsetzung der Forsteinrichtung, die Art der Durchführung der Hiebsmaßnahmen durch Gruppenplenterung und vor allem die Überprüfung des Wahrheitsgehaltes der Informationen, die die Rumänische Akademie bezüglich des katastrophalen Zustandes der Bestände, in denen Hiebsmaßnahmen durchgeführt wurden, auf verschiedenen Wegen erreicht hatten. Dazu wurden drei Standorte ausgewählt, in denen dieses Jahr (2011) (Einrichtungseinheiten 79 A und 80 C) und vor 2-4 Jahren (Einrichtungseinheiten 88 A, 88 B, 89 B und 99 B) Hiebsmaßnahmen durch Gruppenplenterung durchgeführt wurden. Bei der Besichtigung der Bestände haben die Diplomforstwirte Walter Frank und Gheorghe Cionoiu, als Vertreter der Gruppe, die im Juli auf die negativen Aspekte bezüglich der Bewirtschaftung der Wälder des Nationalparks hingewiesen hatte, teilgenommen. (Walter Frank = pensionierter Diplomforstwirt und ehemaliger Leiter des Forstamtes Rusca Montană, der sowohl für die beispielhafte Art, wie er Jahrzehnte lang die Wälder seines Forstamtes geführt und gepflegt hatte als auch für seinen erbitterten Kampf gegen die verantwortungslose Zerstörung der Wälder Rumäniens in der postkommunistische Zeit bekannt war).

 

Auf Grund dieser Informationen wurden folgende Schlüsse gezogen:

....................

 

11. … in den Einrichtungseinheiten 79 A und 80 C (in denen Gruppenplenterung durchgeführt wurde) wurden die zum Fällen bestimmten Bäume nicht richtig ausgewählt. Man hat vorwiegend herrschendes und vorherrschendes Wertholz ausgewählt, ohne den Zweck der Gruppenplenterung (Ziel der Verbesserung von Stufigkeit und Stabilität des Bestandes) zu berücksichtigen. In den anderen Einrichtungseinheiten, die untersucht wurden, konnte dieser Aspekt nicht geprüft werden, weil in diesen im Nachhinein wiederholt Hiebsmaßnahmen zum Ernten der zufälligen Nutzungen (angebliches oder tatsächliches Käferholz – Anmerkung des Übersetzers) durchgeführt wurden.

 

12. Die Firma, die die Hiebsmaßnahmen durchgeführt hat, hat eine Hiebstechnologie verwendet, die ausschließlich auf die Verwendung der gegliederten Forsttraktoren (Radharvester) basiert, deren Einsatz auf Hängen mit über 35° Neigung nicht ratsam ist. Die Dichte der Rückegassen, die Auswahl der Strecken, die zahlreichen Abzweigungen der Rückegassen, die manchmal ohne erkennbaren technologischen Nutzen gebaut wurden, gehen über die Empfehlungen, die solche Arbeiten erlauben, hinaus; die Maße dieser Rückegassen erreichen die Maße der Forststraßen, an manchen Stellen haben sie Breiten von über 6 m und Böschungshöhen von 2-3 m. Die Arbeiten an diesen Rückegassen beeinträchtigen dauerhaft die Widerstandsfähigkeit der Bestände (durch die vollständige Entfernung der Bäume und durch die Schaffung günstiger Bedingungen für die Entwicklung der Borkenkäfer) und – umso schlimmer - des Bodens, durch das Auslösen der Erosion (an der Oberfläche und in der Tiefe – das Entstehen von Furchen und Querrinnen).

 

13. Die Firma, die die Hiebsmaßnahmen durchgeführt hat, hat die Bäume überwiegend nach Wertkriterien geerntet, die weniger wertvollen (beherrschten und ganz unterständigen Bäume) blieben stehen... Im Gelände blieben sowohl die unterdrückten Bäume als auch erhebliche Mengen Hiebsreste (überwiegend Fichte). Somit wurde die massenhafte Vermehrung der Borkenkäferpopulationen begünstigt, die sich vor Beginn dieser Hiebsarbeiten in einem Zustand des Gleichgewichts mit der Umwelt befunden hatten.

 

14. Für die untersuchte Zeitspanne wurde eine nahezu vollständig unterlassene Überwachung sowohl der durchgeführten Hiebsarbeiten als auch des Gesundheitszustandes der Bestände seitens der Verwaltungen (Forstamt Retezat und Nationalpark Retezat) festgestellt.

 

15. In Folge dieser Ursachen wurden Borkenkäferbefälle ausgelöst. Diese verbreiteten sich auf Grund der davor genannten begünstigenden Faktoren sehr schnell und vorwiegend in den Beständen in denen (angeblich) der Gruppenplenterung entsprechende Hiebsmaßnahmen durchgeführt wurden. Einige Maßnahmen wurden zu spät getroffen (die Auswahl der befallenen Bäume, die als zufälligen Nutzungen (Käferholz) hätten schnell entfernt werden sollen), andere waren unzureichend (geringe Anzahl an aufgestellte Pheromonfallen in Bezug zur Größe, Zahl und Lage der Herde, keine Verwendung von Fangbäumen), sodass die Intensität des Borkenkäferbefalls zugenommen hat und dieser auf einige umliegende Bestände übergriff.

 

16. Weil das Volumen der befallenen Bäume, die herausgenommen werden sollten, das durch die Forsteinrichtung vorgesehene Volumen überschritt, beantragte man außerordentliche (von dem Forsteinrichtungsplan abweichende) Genehmigungen, um Hiebsmaßnahmen für diese zufälligen Nutzungen durchzuführen. Die extrem bürokratischen Verfahren, die notwendig sind, um von den zentralen Umwelt- und Forstwirtschaftsbehörden die benötigten außerordentlichen Genehmigungen zu erhalten, haben dazu geführt, dass die Herausnahme der befallenen Bäume mit großer Verspätung durchgeführt wurde, als es im Bestand schon zahlreiche neu befallene Bäume gab. Somit entstand eine dauerhafte Differenz zwischen den herausgenommenen Bäumen und den vom Borkenkäfer befallenen Bäumen zur Zeit der Durchführung der Hiebsarbeiten für die genehmigten zufälligen Nutzungen. Unter Berücksichtigung der Zeit, die seit der Durchführung (der angeblich) der Gruppenplenterung entsprechenden Hiebsmaßnahmen in den drei Bestandsklassen vergangen ist und der Anzahl der den zufälligen Nutzungen geschuldeten Hiebsmaßnahmen, variiert zur Zeit der Beschirmungsgrad der Bestände zwischen 10% (in den Beständen, in denen vor vier Jahren die ersten Hiebsarbeiten durchgeführt wurden) und 70-80% (in jenen, in denen in diesem Jahr als Gruppenplenterung bezeichnete Hiebsmaßnahmen durchgeführt wurden).

 

17. Das Aussehen der Bestände, in denen diese Hiebsarbeiten durchgeführt wurden, ist nicht sachgerecht und nicht akzeptabel für die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder, die Teile eines Schutzgebietes vom Rang eines Nationalparks sind. Bei den Missständen handelt es sich um große Flächen ohne Bestand, zahlreiche stehen gebliebene dürre oder sterbende – offensichtlich vom Borkenkäfer befallene – Bäume, das Abtragen des Bodens durch den Bau von überzähligen und überdimensionierten Rückegassen, das nahezu gänzliche Fehlen der Verjüngung...

 

18. Zur beschriebenen Lage kam es wegen der Nichteinhaltung der Dienstverpflichtungen des Fachpersonals des Forstamts Retezat und des Nationalparks Retezat. Auch nachdem die Medien über die erwähnten Missstände berichtet hatten, haben die zwei Strukturen die Wirklichkeit geleugnet und haben „beruhigende“ Informationen, auf deren Basis die Leitungen des Umweltministeriums und der Verwaltung der Nationalen Staatsforsten wirklichkeitsfremde Erklärungen gegeben haben, weitergeleitet. Die rechtzeitige (Selbst)Einschaltung des Wissenschaftsrates des Nationalparks und des Ausschusses für Naturdenkmäler wäre notwendig gewesen.

 

19. Unbegreiflich ist die Haltung einiger Mitglieder des Wissenschaftsrates des Nationalparks Retezat, die, von Anfang Juli bis Mitte Oktober, obwohl sie Kenntnis von den kritischen Medienberichten hatten, den wahren Zustand der angeprangerten Bestände im Gelände nicht geprüft haben. Stattdessen haben sie Stellungsnahmen, in denen sie die in den Medien veröffentlichten Behauptungen leugneten, bekannt gemacht. In einem Mailwechsel mit dem Diplomforstwirten Gheorghe Cionoiu, behauptete (Erika Stanciu) die Präsidentin des Wissenschaftsrates des Nationalparks Retezat am 3. Oktober (2,5 Monate nach der Sendung der Reportage im Fernsehen) dass, obwohl sie nicht die nötige Zeit gehabt hat, die bemängelten Aspekte zu prüfen, hofft, dass „die Behauptungen, dass wegen den Hiebsarbeiten im Nationalpark Retezat ein Desaster verursacht wurde, sich als übertrieben erweisen werden“. Verblüffend wirkt die Tatsache, dass nach der Dienstreise zur Besichtigung der Bestände, die Mitte Oktober (als bekannt war, dass das Vorgehen zur Bildung einer selbstständigen Untersuchungskommission im Gang war) stattgefunden hatte, der Wissenschaftsrat des Nationalparks durch eine Stellungsnahme die Öffentlichkeit informierte, dass man beschlossen hat, die Zonierung des Nationalparks zu ändern und die Bestände der Betriebseinheit III Râul Şes (auch diejenigen, die von Hiebsarbeiten betroffen waren) von der Pufferzone in die Kernzone zu verschieben und in einigen Beständen Arbeiten zum ökologischen Wiederaufbau durchzuführen. Davon abgesehen, dass für diese Entscheidung jegliche wissenschaftliche Grundlage fehlt, muss man unterstreichen, dass in der Stellungsnahme der Zweck der Untersuchung – das Feststellen des Zustandes der Bestände, in denen (angeblich) Gruppenplenterung durchgeführt wurde – komplett ignoriert wurde.

Wir weisen darauf hin, dass für eine neue Zonierung des Nationalparks Retezat die Anfertigung einer wissenschaftlich begründeten Fachstudie erforderlich ist...“

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Die Analyse der Vertreter der zwei Institutionen hat folgende Aspekte nicht untersucht:

- das Übereinstimmen zwischen den Holzmengen, die in den Unterlagen der Forstbehörden als geerntet vermerkt sind und die tatsächlichen Holzmengen, die aus den Beständen entnommen wurden;

- das Einhalten der forstwirtschaftlichen Vorschriften und der spezifischen Vorschriften zur Überwachung der Hiebsarbeiten und des Gesundheitszustandes der Bestände, in denen Gruppenplenterung durchgeführt wurde;

….

 

Die Rumänischen Akademie Die Akademie für Landwirtschaftliche und

Forstwirtschaftliche Wissenschaften

 

Ing. Costel DOLOCAN Dr. Ing. Ioan SECELEANU“

 

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WAS IN DEM BERICHT DER SELBSTSTÄNDIGEN KOMMISSION DER RUMÄNISCHEN AKADEMIE UND DER AKADEMIE FÜR LANDWIRTSCHAFTLICHE UND FORSTWIRTSCHAFTLICHE WISSENSCHAFTEN VERSCHWIEGEN UND FALSCH BEHAUPTET WIRD

 

Am ersten November begleitete ich zusammen mit Herrn Walter Frank die selbstständige Kommission im Gelände, in den Beständen, deren unakzeptablen Zustand ich im Juli und September festgestellt hatte. Ich habe den Anwesenden zahlreiche unmarkierte Stümpfe gezeigt und wir diskutierten auch über das irrsinnig dichte Netz von Rückegassen. Die Mitglieder der Kommission haben zugegeben, dass diese viel zu dichten und zu breiten Rückegassen gebaut wurden, um teilweise den Holzdiebstahl zu verschleiern – im Bericht werden aber diese Aspekte nicht genannt. Um ihr Gesicht zu wahren, hat die Kommission das Problem des Holzdiebstahls einfach ausgeklammert und im Bericht betont, dass dieses Problem nicht Ziel der Untersuchung gewesen war.

Jemand mit Forstwirtschaftskenntnissen, der überhaupt das Ausmaß der Korruption in Rumänien kennt, könnte aus dem Bericht schlussfolgern, dass die viel zu dichten und zu breiten Rückegassen gebaut wurden, um teilweise den Holzdiebstahl zu verschleiern, muss das aber nicht tun.

Ein ähnliches Täuschungsmanöver wurde auch beim Vergleich der Hiebsarbeiten mit den Vorschriften des Forsteinrichtungsplanes benutzt. Es wird zwar behauptet, dass diese eingehalten wurden und dass Gruppenplenterung durchgeführt wurde. Danach wird aber betont, dass „die zum Fällen bestimmten Bäume nicht richtig ausgewählt wurden. Man hat vorwiegend herrschendes und vorherrschendes Wertholz ausgewählt, ohne den Zweck der Gruppenplenterung (Ziel der Verbesserung von Stufigkeit und Stabilität des Bestandes) zu berücksichtigen“. Aus dieser Aussage kann man schlussfolgern, dass die angebliche Gruppenplenterung gar keine echte war und es sich hier um einen Fall von beabsichtigter grober Verletzung der Dienstvorschriften handelt.

Folgende Behauptung ist halb gelogen: „Auch nachdem die Medien über die erwähnten Missstände berichtet hatten, haben die zwei Strukturen (das Fachpersonal des Forstamts Retezat und des Nationalparks Retezat) die Wirklichkeit geleugnet und haben „beruhigende“ Informationen, auf deren Basis die Leitungen des Umweltministeriums und die Verwaltung der Nationalen Staatsforsten wirklichkeitsfremde Erklärungen gegeben haben, weitergeleitet.“

Den Mitgliedern der Kommission war sehr wohl bekannt, dass sowohl die Verwaltung der Nationalen Staatsforsten als auch das Umweltministerium je zwei mal Kontrollteams aus Bukarest ins Gelände geschickt hatten und dass diese in Kenntnis der Lage der Öffentlichkeit falsche Informationen präsentiert haben – ich habe bereits erwähnt, dass sogar der Generaldirektor der Verwaltung der Nationalen Staatsforsten, der Diplomforstwirt Valerian Solovăstru die Bestände betrachtet hatte und danach schamlos die Medien belogen hat.

Ein sehr wichtiger Aspekt, der im Bericht nicht angesprochen wird ist der, dass eine grundsätzliche Forstwirtschaftsregel vorschreibt, dass man in gesunden Beständen die Hiebsarbeiten zum ernten der Hauptnutzungen gestoppt werden müssen, wenn in benachbarten Beständen riesige Mengen an zufälligen Nutzungen (in diesem Fall Käferholz) geerntet werden müssen. Als Herr Walter Frank und ich die Kommission im Gelände begleitet haben, haben wir diesen Aspekt erwähnt. Die Mitglieder der Kommission haben uns gesagt, dass sie bereits diesen Aspekt mit der Leitung der Forstdirektion Hunedoara diskutiert hatten und dass man ihnen gesagt hat, dass das Ernten der Hauptnutzungen nicht gestoppt wurde, weil die Direktion vertraglich verpflichtet ist, eine bestimmte Menge Wertholz an die Firma Schweighofer zu liefern.

Diese Information wurde später (Ende November 2011) auch von dem Generaldirektor der Verwaltung der Staatsforsten während eines Symposiums öffentlich gemacht als Rechtfertigung für die unakzeptablen Hiebsarbeiten, die in den Beständen der Betriebseinheit III. Râul Şes durchgeführt wurden, als ich diese angeprangert hatte.

 

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DIE HALTUNG VON VERTRETERN EINIGER MEHR – ODER WENIGER RENOMMIERTEN UMWELT-NGO'S HINSICHTLICH DES PROBLEMS DER WALDZERSTÖRUNG IN RUMÄNIEN

 

Eine notwendige Bedingung zur Beendigung der Reihe von Verbrechen in Waldgebieten durch den illegalen oder pseudolegalen Holzeinschlag ist die Aufdeckung von konkreten und offensichtlichen Fällen von Korruption, die von den rumänischen Behörden vertuscht werden – Fälle wie im Einzugsgebiet des Râul Şes. Damit solche Fälle festgestellt, nachgewiesen und öffentlich gemacht werden können, sind ehrlich Förster, ehrlich Vertreter der Gesellschaft und Journalisten, die Berufsethik respektieren, von Nöten. Die Vertreter der Forstwirtschaft wagen, fast ausnahmslos, nicht, ihr Missfallen über die Missbräuche zu äußern, da viele von ihnen die berechtigte Angst haben, verfolgt zu werden, wenn sie das Gesetz des Schweigens brechen.

 

Umwelt-NGO's werden manchmal von Menschen vertreten, die keine Ahnung von den elementarsten Konzepten von Forstwirtschaft haben, sich aber auch nicht von den wenigen ehrlichen Forstwirten, die über die Perversion der Forstwirtschaft heutzutage in Rumänien empört sind, beraten zu lassen. Andere Menschen trauen sich nicht den Stier bei den Hörnern zu packen und wieder andere Menschen pflegen geradezu freundschaftliche Beziehungen zur mafiösen Forstverwaltung und treten bei Bedarf als verdeckte Sprecher zu Gunsten von Romsilva auf und versuchen potentielle Korruptionsskandale zu vertuschen, welche auf illegalen oder pseudolegalen Holzeinschlag basieren. Am schwerwiegendsten ist der letzte Fall, vor allem, wenn es um einen Diplomforstwirt geht, der Mitglied in einer angesehenen Umweltorganisation ist. Leider wurde im vergangenen Jahr, während des Skandals um Râul Şes klar, dass sowohl Frau Ing. Erika Stanciu und Frau Ing. Maria Mihul, zu dieser Kategorie gehören, beide waren zu der Zeit zudem prominente Mitglieder des WWF Rumänien. Letztendlich ist Frau Stanciu als Präsident des Wissenschaftsrates des Nationalparks Retezat zurückgetreten, aber Frau Mihul wurde Beraterin von Herrn Victor Ponta, Rumäniens Premierminister. Ich weiß nicht, ob die beiden fachkundigen Forstwirtschaftlerinnen derzeit noch Mitglieder des WWF sind.

 

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Seit drei Jahren wird in den Medien und in Internetforen zum Thema Umweltschutz folgende Nachricht ständig wiederholt:
„Der Greenpeace Bericht / Karte vom Mai 2012, spricht davon dass pro Stunde 3 Hektar Wald in Rumänien abgeholzt werden.“

Dem Greenpeace Bericht, welcher diese Geschichte zu Grunde liegt, basiert auf folgender Definition:

*** Reduzierung von Waldgebieten (von Wald bedeckt): Jeder Bereich, in dem der Wald (der zu Beginn des Analysezeitraums existierte) durch jegliche Nichtwaldflächen ersetzt wurde; oder der Wald signifikant durch selektiven Holzeinschlag oder andere natürliche oder anthropogene Prozesse fragmentiert wurde; oder anderen Bereiche die von anderen Arten holziger Vegetation bedeckt waren und nun unbewaldet sind. Die Mindestfläche war auf 1 ha beschränkt. ***

http://www.greenpeace.org/romania/Global/romania/paduri/Despaduririle%20din%20Romania/Evolutia%20suprafetelor%20forestiere%20din%20Romania%202000-2011.pdf

Über diese Definition kann ein jeder der Grundkenntnisse der Forstwirtschaft besitzt nur lachen, da aus der Stellungnahme der "Experten der Forstwirtschaft" von Greenpeace Rumänien hervorgeht, dass jede forstwirtschaftliche Maßnahme welche eine Holzernte impliziert, selbst wenn sie lehrbuchgemäß (Vorschriftsmäßig) durchgeführt wird, eine Vernichtung von Beständen bedeutet oder sogar die Verkleinerung von Waldflächen. Wahrscheinlich halten die Herrschaften die Forstwirtschaft für eine Pseudowissenschaft, nur weil sie noch nie eine korrekt durchgeführte Behandlung eines Bestandes gesehen haben, nach der sich der Bestand vollständig natürlich verjüngt. Anders ist nicht zu erklären warum die Termen "Verringerung der Waldfläche" und "Der Wald wurde nach der selektiven Abholzung erheblich fragmentiert" gleichgestellt werden. Und der schlechteste Absolvent der Forstwirtschaft sollte verstanden haben, dass, in einem Wald der das Hiebsalter erreicht hat, zum Zweck der Waldverjüngung eine Fragmentierung durch mehr oder weniger deutliche, selektive Abholzung von Nöten ist.

Ich unterstreiche, dass zur Beurteilung der Richtigkeit der Durchführung einiger Forstarbeiten die Geländebegehung erforderlich macht und nicht nur durch Spektralanalyse von Satellitenbildern erfolgen kann, wie mache Vertreter von Greenpeace Rumänien es sich vorstellen.

Die Existenz und exponentielle Ausbreitung der Korruption in der Forstwirtschaft sind eine unbestreitbare Realität in Rumänien heute. Ich glaube aber, dass die zutiefst fehlerhaften alarmierenden Nachrichten, welche von Personen in Umlauf gebracht werden, die behaupten, Spezialisten der Ökologie zu sein, sowohl die Idee der Naturschutzes untergraben, als auch die renommierten Organisationen, die sie vertreten.

Es muss absolut klar sein, dass ein wesentlicher Unterschied sowohl zwischen den Begriffen der Verringerung der Waldfläche und der Zerstörung von Wälder als auch zwischen den Konzepten der illegalen und pseudolegalen Hiebsarbeiten und dem Waldbau entsprechend der Forstwirtschaftlichen Grundsätze besteht.

 

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AGENT GREEN UND DIE HIEBSARBEITEN IM NATIONALPARK RETEZAT

 

Agent Green (Herr Gabriel Păun) wurde seit Ende 2014 auch in Kreisen der ausländischen Umweltschützern bekannt, nach der Veröffentlichung eines kurzen Dokumentarfilms, in dem er einen angeblichen illegalen Holztransport aus dem Nationalpark Retezat zur Produktionsanlage der Firma HS in Sebeş zeigt.

https://www.youtube.com/watch?v=H9vgZjMjAmk

Es ist viel weniger bekannt, dass im Sommer des Jahres 2011 Agent Green einige Wochen wie ein wahrer Pressesprecher der Verwaltung des Nationalparks Retezat und der Nationalen Verwaltung der Staatsforsten agiert hat. In den Diskussionen, die von der Internetseite conservarea_biodiversitatii@yahoo_groups.com beherbergt wurden:

1. hat Agent Green erst mal er versucht die in den Beständen der Betriebseinheit III. Râul Şes durchgeführten Hiebsarbeiten zu rechtfertigen.

2. als offensichtlich wurde, dass der Skandal dieser Hiebsarbeiten immer weitere Kreise zieht, hat Agent Green erneut sein beliebtes Thema – die Kritik an die geplante Modernisierung der Nationalstraße 66A, die den südlichen Teil des Nationalparks berührt – als alternatives angeblich schwerwiegendes Problem vorgelegt.

3. als bekannt wurde, dass eine unabhängige Kommission der Rumänischen Akademien diese Hiebsarbeiten untersuchen wird und der in Panik geratene Wissenschaftliche Rat des Nationalparks als Entschuldigungsmaßnahme für das bisherige Wegsehen von der Zerstörung der Bestände vorgeschlagen hatte, alle Bestände der Betriebseinheit III. Râul Şes in die Kernzone zu verschieben, hat Agent Green diese aus forstwirtschaftlicher Sicht irrsinnige Maßnahme herzlich begrüßt.

Zufällig konnte ich im Sommer des selben Jahres im Herzen des Nationalparks Retezat, am Ufer des Bucura Sees die Erklärung für das merkwürdige Verhalten des Agent Green finden. Die Verwaltung des Nationalparks, die damals der Nationalen Staatsforstverwaltung untergeordnet war, hatte ihn bezahlt um Informationstafeln im Nationalpark aufzustellen. Auf einem Informationsschild des sogenannten Wolfspfades stand fett geschrieben: "Proiect implementat de Asociaţia Agent Green şi RNP Romsilva - Administraţia Parcului Naţional Retezat R.A." = "Dieses Projekt wurde von dem NGO Agent Green und der Nationalen Staatsforstverwaltung Romsilva - der Verwaltung des Nationalparks Retezat umgesetzt".
Seit einem Jahr sind die Verwaltungen der Schutzgebiete (Nationalparks) nicht mehr der Nationalen Staatsforstverwaltung sondern direkt dem Umweltministerium untergeordnet. Seither versuchen manche Vertreter der Verwaltungen der Schutzgebiete die volle Herrschaft über die gesamte Fläche der Schutzgebiete zu erlangen. Wenn man sich die anderen Filme von Agent Green anschaut, merkt man, dass er immer für die vollständige Unterbindung der Hiebsarbeiten in den Nationalparks plädiert - obwohl laut Gesetz in den Pufferzonen Hiebsarbeiten, die mit den Prinzipien der nachhaltigen Forstwirtschaft im Einklang sind, erlaubt sind.

Wenn man den kurzen Dokumentarfilm, durch den Agent Green auf internationaler Ebene bekannt wurde, schaut, kann man feststellen, dass aus den Beständen, die bis 2011 zerstört und geplündert wurden, 2014 als gefilmt wurde, eigentlich nur Käferholz geerntet wurde und obwohl bis vor drei Jahre dort ein irrsinnig dichtes Netz von Rückegassen gebaut wurde, nun dort keine gegliederte Traktoren sondern nur Pferde zum Rücken des Holzes benutzt werden – nach dem Skandal von 2011 hat die Leitung der Kreisforstdirektion, die nach den Wahlen von 2012 neu besetzt wurde, dass man dort keine Traktoren mehr benutzen darf, um zu verhindern, dass dort eventuell neue Rückegassen gebaut werden.

Das Agent Green unehrlich ist, kann man auch aus eine falsche Behauptung, die er in einem in englischer Sprache im Internet veröffentlichten Artikel gemacht hat:

„Retezat Forest National Park is a protected natural reservation; wood cutting is allowed only in the range of 10,000 cubic meters/per year and only to prevent insect infestation.”

http://www.ihb.de/wood/news/Illegal_logging_Romania_Retezat_Schweighofer_Agent_39876.html

Es ist schlicht gelogen, dass in der Pufferzone des Nationalparks keine Hauptnutzungen geerntet werden dürfen. Diese Lüge beweist ebenfalls, dass Agent Green eigentlich nicht die Einhaltung der Forstwirtschaftsregeln in allen Wäldern Rumäniens, sondern das vollständige Verbot des Erntens von Holz in den Nationalparks durchsetzen möchte.

Anmerkung: Am 24. Juli habe ich Herrn Păun gebeten, mir das Ergebnis der Untersuchung der Polizei, die nach der Veröffentlichung seines Dokumentarfilms stattgefunden hatte, zur Verfügung zu stellen, da ich diese für die Erforschung der Medienberichte bezüglich der Aktivität der Firma HS, die ich im Auftrag des FSC mache, bräuchte. Er antwortete mir am 25. Juli, dass er zur Zeit in einer Expedition sei und mir die angeforderte Mail am 13 August schicken wird. Ich habe ihn sofort informiert, dass ich meinen Bericht spätestens am 15 August abgegeben muss. Heute ist es so weit und ich warte noch, dass Herr Păun mir das Ergebnis der polizeilichen Untersuchung doch noch sendet.

 

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DIE DREI WICHTIGSTEN ZULIEFERER DER FIRMA HS

 

Übersetzte Auszüge aus dem Artikel:

http://stirile.rol.ro/reteaua-schweighofer-cine-a-taiat-si-cat-a-castigat-956340.html

1. Auf dem ersten Platz befindet sich mit Abstand die Nationale Verwaltung der Staatsforsten. Wie ehrlich die Vertreter dieser Behörde sind, konnte man sich bereits in einem vorherigen Kapitel eine Meinung bilden. Es ist aber hilfreich zu erwähnen, dass der derzeitige Generaldirektor von Romsilva, Adam Craciunescu, derzeit wegen Beihilfe zu illegalen Wald-Restitutionen vor Gericht steht.

2. Auf Platz zwei befindet sich der Geschäftsmann Sorin Beniamin Docea. Durch seine Firmen verkaufte dieser 2013 an HS Holz in Wert 48 Millionen Lei (11 Millionen Euro) und steigerte die Menge 2013, als er 62,8 Millionen Lei kassierte. Nur Alredia, seine Vorzeigefirma, hat den Österreichern Holz In Wert von 46,7 Millionen Lei verkauft .

Der Geschäftsmann erntet selbst riesige Holzmengen, vermittelt aber auch Holz von seinen eigenen Zulieferern...

Der Name der Firma Alredia kursierte vor kurzem in einer Akte zur Steuerhinterziehung, die von der Staatsanwaltschaft Alba untersucht wurde... Letztes Jahr ließen die Staatsanwälte in Alba einen Mann namens Petru Cernat verhaften, welcher durch eine Firma fiktive Ausgaben aus Holzkäufen anmeldete. Er kaufte Holzstämme von acht Geister-Unternehmen und verkaufte diese weiter an das Unternehmen Alrelia, wie die Ermittlungen ergaben. Die Staatsanwälte schätzten die Schäden in diesem Fall auf 766 000 Lei. Das angeblich gekaufte Holz wurde in Wirklichkeit von den Komplizen des Geschäftsmanns Petru Cernat illegal geerntet. Das Unternehmen mit welchem Petru Cernat, die Alredia-Schweighofer Verbindung betrieb, heißt Trans Monica und ist wiederum direkter Zulieferer der Österreicher, von denen in den letzten zwei Jahren alleine 4,7 Millionen Lei kassiert wurden.

Sorin Benjamin Docea leugnet die finanzielle Beziehung mit Petru Cernat nicht und gibt zu, dass er wiederholt Baumstämme von ihm gekauft hat. In diesem Fall war der sogenannte „Wälder Radar“ nicht effizient: "Sein Unternehmen hat mir [Holz] geliefert, aber die Papiere waren in Ordnung, mit Lieferbeglaubigung und Code, aber es gab keine Möglichkeit für mich zu überprüfen, welche Herkunft das Holz hat. Ich kann nicht in seine Buchhaltung schauen oder in den Wald gehen, um zu sehen was er macht. Ich habe weder das Recht noch die Pflicht zu überprüfen, woher das Holz kommt oder von welchen Unternehmen er es kauft. So bald das Holz an mein Werkstor geliefert wird, so kann ich nur folgendes überprüfen: Die Frachtpapiere und den Online-Code".

Erklärung: Steuer hat die Firma Trans Monica hinterzogen, die illegales Holz geerntet und an die Firma Alredia verkauft haben soll. Um die Quelle des illegalen Holzes zu verschleiern, hat der Eigentümern der Firma Trans Monica fiktive Dokumente erstellt, die beweisen sollten, dass er das Holz von anderen Firmen (eigentlich aber Geister-Unternehmen) gekauft hatte. Der Eigentümer der Firma Alredia gibt zu, dass er illegales Holz gekauft hat, betont aber, dass er nicht wissen konnte, dass die Herkunftspapiere dieses Holzes gefälscht worden waren.

Im Artikel wird unterstrichen, dass beide Firmen Holz an HS verkaufen und es wird angedeutet, dass das illegale Holz dort angekommen sei.

 

Larionesi und das Korruptionsnetzwerk

3. Auf dem dritten Platz der Top-Lieferanten Schweighofers findet sich die Firma „Frasinul“ aus Bistrita wieder. Lieferungen dieses Unternehmens an die Österreicher betrugen 35 Millionen Lei im Jahr 2013 und 50 Millionen Lei im Jahr 2014.

Die Firma gehört dem Geschäftsmann Traian Larionesi und erntet Holz in den Landkreisen Bistrita, Mures, Suceava und Maramures, wo diese mehrere von Romsilva und privaten Forstämtern organisierte Versteigerungen gewonnen hatte.

Mit der Polizei zur DNA (Antikorruptionsbehörde)

Traian Larionesi ist so einflussreich im Kreis, dass die ganze Polizei bis vor kurzem seine Befehle durchführte, wie eine DNA-Untersuchung zeigt. Der Bericht der Staatsanwaltschaft zeigt, wie mehrere hochrangige Polizeibeamte die illegalen Aktivitäten des Geschäftsmanns geschützt haben, indem sie ihren Unterstellten verboten die Lastkraftwagen zu kontrollieren, welche auf Larionesis Firmen zugelassen waren.

In Fällen, in denen sie Rechtsverstöße feststellten, wurden die Polizisten daran gehindert Strafen zu erteilen. Ausschlaggebend ist, dass Traian Larionesi den Kommissar Ioan Muresan telefonisch bat, Polizeistreifen in sein Jagdgebiet zu schicken, um einige Wilderer, welche sein Wild gehetzt hatten festzunehmen. Die DNA-Untersuchung führten zur Festnahme von Polizeichefs in Bistrita.
Anfang diesen Monats, wurde auf den Name Traian Larionesi, ein neues Strafverfahren durch die DNA eröffnet. Der Geschäftsmann soll die Unterstützung des Direktors der Kreisforstdirektion Bistrita-Nasaud, Gheorghe Ivan, gehabt haben, mehrere Versteigerungen zum Holzeinschlag zu gewinnen.

Die Staatsanwälte der DNA behaupten, dass der Direktor der Kreisforstdirektion bestochen wurde um Larionesi zu begünstigen. In diesem Fall betrug der Schaden für Romsilva 3 Millionen Lei.

Die Staatsanwälte untersuchen auch eine Vereinbarung zwischen Traian Larionesi und Karl Schmidt – einem der Direktoren des österreichischen Unternehmens [HS].

Erklärung: Es gibt Berichte, dass der Direktor der Kreisforstdirektion Gheorghe Ivan von Larionesi bestochen wurde, um die Firma Frasinul zu begünstigen. Es wird ebenfalls berichtet, dass mehr Holz als geplant geerntet wurde und dieses teilweise der Firma Frasinul verkauft wurde. Die DNA (Nationale Antikorruptions Direktion) ermittelt gegen den Direktor und andere Beamte der Kreisforstdirektion Bistriţa Năsăud. Diese Informationen sind im folgenden Bericht beinhaltet:

http://www.mediafax.ro/social/dosarul-defrisarilor-ilegale-o-parte-din-lemnul-vandut-de-firma-lui-traian-larionesi-ajungea-la-holzindustrie-schweighofer-documente-14263903

In dem Bericht wird auch folgende Behauptung veröffentlicht:

„În documentele anchetatorilor se mai arată că SC Holzindustrie Schweighofer SRL a achiziţionat material lemnos de la SC Frasinul SRL Anieş, pe fondul înţelegerilor directe dintre omul de afaceri Traian Larionesi şi Karl Schmidt, director în cadrul firmei cu capital austriac.“

Übersetzung des oben stehenden Zitats: „In den Dokumenten der Ermittler wird ebenfalls angeführt, dass SC Holzindustrie Schweighofer SRL Holz von der Firma Frasinul SRL Anieş auf Basis direkter (persönlicher) Vereinbarungen zwischen dem Geschäftsmann Traian Larionesi und Karl Schmidt, Direktor des österreichischen Firma, gekauft hat.“

Hinweis: Mediafax ist das wichtigste Nachrichtenportal in Rumänien. Grundinformationen aus dem Bericht der Mediafax wurden in zahlreichen andere Zeitschriften übernommen oder wiederholt.

 

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AUSLÄNDISCHE UND RUMÄNISCHEN GESCHÄFTSLEUTE, DIE FORSTMAFIA UND HS

 

Das hier gezeigte Beispiel ist vollständig in den gerichtlichen Unterlagen der Gerichte Brezoi (Akte 75/P/2005, vom 03.12.2009) und Sibiu (Akte 984/198/2010, vom 18.01.2011) dokumentiert. Der 2009 in Brezoi gefasste Beschluss wurde vom Hauptangeklagten angefochten, wodurch das Verfahren zustande kam welches die Akte in Sibiu 2011 zur Folge hatte.

Beide Akten sind sich in der Feststellung der Tatbestände einig, unterscheiden sich jedoch deutlich bei der Verteilung der Schuld auf die Beteiligten. Zum Tatbestand:

Die Vorfälle fanden im Zeitraum 2004/2005 im Forstamt Voineasa statt. Es wird Festgestellt, dass unter dem Forstamtsleiter Gheorghe Deaconeasa mehrere Privatpersonen diesen mit der Rückerlangung der Besitzrechte der ehemals enteigneten Waldstücke beauftragten. Weiterhin wurde er von diesen Personen damit beauftragt, die Forstwirtschaftlichen Flächen zu nutzen (d.h. Holzeinschlag, Verkauf und Neubepflanzung unter den gesetzlichen Vorschriften zu betreiben). Dies fand oft durch mündliche Absprachen statt, wird jedoch von allen Beteiligten bei Befragungen durch die Polizei bestätigt. (Teil-) Erlöse aus dem Holzverkauf wurden an die Eigentümer bezahlt.

Es wird darauf hingewiesen, dass der Forstamtsleiter Gheorghe Deaconeasa gleichzeitig Verwalter der Firma SC Soficarm SRL war, wodurch er in seiner Position als Forstamtsleiter den Einschlag von Holz erlauben musste, welches von der von ihm verwalteten Firma gekauft wurde. Dies stellte jedoch keine Verletzung von Vorschriften oder einen Interessenkonflikt dar.

Als Art der Bewirtschaftung war Streifenkahlschlag vorgesehen, d.h. die Mitarbeiter des Forstamts markieren Waldstreifen welche komplett abgeholzt werden, zwischen denen alte Waldbestände stehen bleiben. Diese markierten Bereiche werden den Holzeinschalgsfirmen übergeben, welche alle eindeutig markierten Bereiche verwerten können. Bei Unklarheiten muss die Forstverwaltung befragt werden.

Die Hiebsarbeiten wurden von Holzindustrie Schweighofer (HS), vertreten durch Konrad Industries und SC Almera Comp SRL durchgeführt. Als im Dezember 2004 die Witterungsbedingungen weitere Arbeiten durch diese Unternehmen nicht mehr zuließen, war der Auftrag der SC Almera Comp SRL noch nicht abgeschlossen. Des weiteren wurde auch der Auftrag erteilt, die durch Wind umgestürzten Bäume, welche von der Firma SC Soficarm SRL (des Forstamtsleiters) aufgekauft worden waren zu verwerten – für diese lagen jedoch im Dezember 2004 keine Genehmigungen vor. Dennoch wurde durch den Forstamtsleiter Gheorghe Deaconeasa der Firma S.C. Rodank Industries SRL die Erlaubnis erteilt mit ihren leistungsfähigeren Arbeitsgeräten die Fällarbeiten in diesem Gebiet zu beginnen.

Bei der Firma S.C. Rodank Industries SRL handelt es sich um ein Unternehmen welches auf Bogdan Filipoiu und Larissa Serban angemeldet ist, jedoch von den dänischen Brüdern Dennis Boggild Rasmussen und Kenny Boggild Rasmussen und dem Ehemann (von Larissa) Eusebio Mihail Serban geführt wurde – diese drei waren auch für die Koordinierung und Durchführung der oben genannten Arbeiten verantwortlich. Bogdan Filipoiu hatte die Verbindung zwischen den dänischen Brüdern und Eusebio Mihail Serban aufgebaut, dessen Vater schon seit längerem im rumänischen Holzgeschäft tätig war. Mittlerweile wurde die Firma S.C. Rodank Industries SRL aufgelöst.

Am 10.02.2005 erstattet der Forstamtsleiter Gheorghe Deaconeasa Anzeige gegen S.C. Rodank Industries SRL, welche ohne seine Genehmigung (im Zeitraum 03.12.2004 – 31.12.2004) 1132 m³ aus seinem Besitz (Obarsia Lotrului, Punkt Miru) entwendet und an HS in Sebes verkauft hätten -(dies hatte die Akte 75/P/2005 bei Gericht Brezoi zur Folge). Davor war bei Begehungen im Januar 2005 festgestellt worden, dass durch S.C. Rodank Industries SRL ca. 10 ha Waldfläche illegal gefällt wurde.

Ein Bericht der Forst- und Jagdinspektion Ramnicu Valcea aus dem Jahr 2005 (2500/16.09.2005) stellte folgende illegalen Hiebsarbeiten in den Produktionsbereichen Obarsia Lotrului und Latorita fest:

Währen der gesamten Hiebsarbeiten wurden 5275 m³ Holz auf einer Fläche von 13,6 ha illegal geschlagen. Der Wert dieses Holzes betrug 806 577 RON. Ein Großteil dieser Holzmenge (4594 m³) wurde an HS verkauft. Zum Teil wurden Vorschüsse von über 50% von HS bezahlt. Ursprünglich war die Lieferung von 1400 m³ Holz durch S.C. Rodank Industries SRL an HS bis zum 31.12.2004 vereinbart. Trotz der Untersuchungen im Januar 2005 schloss HS einen zweiten Vertrag über die Lieferung von weiteren 600 m³ Holz am 09.03.2005 ab. Letztlich wurde mehr als die doppelte Menge geliefert – 4594 m³ anstatt der vereinbarten 2000 m³. Es ist offensichtlich, dass HS durch die Zahlung von Vorschüssen den illegalen Holzeinschlag in diesem Gebiet gefördert hat.

Während des (aufgrund der Anzeige des Forstamtleiters Gheorghe Deaconeasa) beim (lokalen) Gericht Brezoi eröffneten Verfahrens, wurden die einzelnen Fälle - welche zu dem gesamten oben beschriebenen Schaden führten - gebündelt. Als einziger wurde jedoch Dennis Boggild Rasmussen für schuldig befunden und weitere Untersuchungen gegen ihn eingeleitet. Die Übrigen beteiligten wurden mit verschiedenen Begründungen nicht weiter gerichtlich verfolgt:

Gheorghe Deaconeasa (Forstamtsleiter): Die von ihm durchgeführten Verkäufe waren im Auftrag der Privatpersonen geschehen. Es wurde (vorerst) keine offensichtliche Beteiligung an den Gewinnen aus den illegalen Holzverkäufen festgestellt.

Eusebio Mihail Serban: Dieser wies sämtliche Schuld von sich und erklärte dass Dennis Boggild Rasmussen für die Koordinierung und Druchführung der Arbeiten verantwortlich war.

Kenny Boggild Rasmussen: Dieser war nur für das führen einer Forstmaschine verantwortlich und handelte nach den Anweisungen seines Bruders.

Gegen diesen Beschluss legte Dennis Boggild Rasmussen Widerspruch ein, dieser wurde beim regionalen Gericht in Sinaia verhandelt. Dort wurde der frühere Beschluss aus Brezoi widerrufen und die Untersuchung von Gheorghe Deaconeasa und Eusebio Mihail Serban mit folgenden Begründungen angeordnet:

Gheorghe Deaconeasa (Forstamtsleiter): Es ist festzustellen ob dieser an Fälschungen beteiligt war, welche im Zusammenhang mit der Zulassung der Hiebsarbeiten stehen. Es ist zu klären in welchem Interessenkonflikt seine Position als Forstamtsleiter (welcher Hiebsarbeiten genehmigt) mit den Holzverkäufen durch seine Firma SC Soficarm SRL steht. Es gibt in den Akten keine Unterlagen welche die Beteiligung von Gheorghe Deaconeasa an den illegalen Arbeiten der S.C. Rodank Industries SRL ausschließen, es muss daher auch in diese Richtung ermittelt werden.

Eusebio Mihail Serban: Die Unkenntnis des Gesetztes Schützt nicht vor einer Bestrafung durch dieses und er kann nicht allein aufgrund seiner Aussage, er wäre unbeteiligt gewesen, freigesprochen werden.

Der Fall von Dennis Boggild Rasmussen wird ebenso weiter untersucht.

Die hier beschriebene Entwicklung lässt erkennen, dass bei dem lokalen Gericht in Brezoi eine zu milde Behandlung der lokalen Verdächtigen stattgefunden hat, welches wichtige (vom Gericht in Sibiu bemerkt) Grundsätze der Rechtsprechung missachtete. Ob eine Kooperation zwischen der Lokalen Justiz und den zu Unrecht nicht weiter verfolgten Personen bestand, bleibt vorerst offen.

Es sagt einiges über die rumänische Justitz die Tatsache aus, dass der Prozess in dem die zwei dänischen Brüder angeklagt sind, über einen Zeitraum von mehr als vier Jahre vertagt wurde, weil angeblich mehrmals kein Dolmetscher für Dänisch – Rumänisch gefunden werden konnte.

 

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Neben dem Umstand, dass HS durch die Zahlung von Vorschüssen illegale Handlungen gefördert hat (zusätzliche Motivation und finanzielle Mittel) hätte spätestens nach den Untersuchungen der Justiz in diesem Zusammenhang (im Jahr 2005) HS verstehen müssen, dass ein Großteil des gelieferten Holzes aus illegalem Holzeinschlag kommt und entsprechende Maßnahmen ergreifen müssen. Die Zahlung von Vorschüssen bis zur eindeutigen Dokumentation der Herkunft des Holzes hätte unterbunden werden müssen und die Unterlagen mit denen das Holz geliefert wurde, hätten einer gründlichen Prüfung unterzogen werden müssen. Alle illegalen Lieferungen hätten abgelehnt und angezeigt werden müssen. Somit hätte HS als Unternehmen die legale Nutzung von Wäldern in Rumänien unterstützt und konform der FSC Richtlinien gehandelt. Wie jedoch dieser und spätere Fälle zeigen, lernte HS genau das Gegenteil aus den Vorfällen 2004/2005 in Voineasa, nämlich, dass es in Rumänien einfach möglich ist illegales Holz zur Erhöhung der Produktion zu beschaffen und oberflächlich die Verantwortung an die Zulieferer abgetreten werden kann.

In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Brezoi steht folgendes:

„...Die Angeklagten RASMUNSSEN DENNIS BOGGILD... RASMUNSSEN KENNY BOGGILD... ŞERBAN EUSEBIO MIHAl... haben ohne Berechtigung, neben den markierten Bäume, 6.688 unmarkierte Bäume mit einem Volumen von 5.222,728 Kubikmeter, mit einem Gesamtwert von 959.817,69 Lei geerntet und sich angeeignet. Das Holz wurde an S.C. HOLZINDUSTRIES SCHWEIGHOFER S.R.L... und an S.C. EURALU IMPEX S.R.L. geliefert und verkauft.“

(„...Învinuiţii RASMUNSSEN DENNIS BOGGILD... RASMUNSSEN KENNY BOGGILD... ŞERBAN EUSEBIO MIHAl... au tăiat şi şi-au însuşit fără drept, pe lângă arborii marcaţi, un număr de 6.688 arbori nemarcaţi cu un volum de 5.222,728 mc, în valoare totală de 959.817,69 lei, masă lemnoasă pe care au livrat-o şi comercializat-o la S.C. HOLZINDUSTRIES SCHWEIGHOFER S.R.L. Sebeș, judetul Alba și S.C. EURALU IMPEX S.R.L. Blejoi, judetul Prahova.“)

 

http://csmc.ro/crima_organizata/schweighofer/Dosar%2075%20P%202005%20-%20Rechizitoriu%203.12.2009%20-%20Parchetul%20de%20pe%20langa%20Judecatoria%20Brezoi.pdf

 

Sowohl in der Akte des Prozesses als auch in der Akte des Berufungsprozesses, wird betont, dass an HS eigentlich nur 4593,74 Kubikmeter illegales Holz geliefert wurden, weil der Rest einen anderen Empfänger gehabt hatte – die Firma des Vaters des Angeklagten ŞERBAN EUSEBIO MIHAl . In beiden Akten unterstreicht man aber auch die Tatsache, dass die drei davor genannten Angeklagten, den illegalen Holzeinschlag mit der Notwendigkeit, ihre Vertraglichen Verpflichtungen gegenüber der Firma HS zu erfüllen, begründet haben.

 

http://csmc.ro/crima_organizata/deaconeasa/Dosar%20984%20198%202010%20-%20Judecatoria%20Sibiu%20-%20incheiere%2018%20ianuarie%202011%20-%20punere%20in%20miscare%20actiune%20penala%20inculpat%20Deaconeasa%20GICU.pdf

 

 

 

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ES IST NICHT RATSAM, SICH MIT DER FORSTMAFIA ANZULEGEN

 

Auszug aus dem Artikel „Ein Paradies wird abgeholzt“: http://www.handelsblatt.com/politik/international/rumaeniens-urwaelder-ein-paradies-wird-abgeholzt/11783114.html

Der frühere Polizist Florin Cadar ist nur um die Neujahrszeit zu Hause im siebenbürgischen Toplita anzutreffen. Das liegt daran, dass er in einem Schlachthof im fernen Norddeutschland arbeiten muss. Es ist der bittere Preis dafür, dass er sich früher als Polizist mit der Holz-Mafia anlegte, wie er sagt. Er habe nämlich konsequent alle illegalen Wald-Rodungen in seinem Revier angezeigt - etwa zehn bis 20 Fälle im Jahr. Das brachte ihm Ärger mit den Vorgesetzten ein. Diese arbeiteten mit den Holzdieben zusammen, sagt Cadar. Ein Bericht des Umweltaktivisten Hans Hedrich gibt ihm recht.

2010 wurde Cadar wegen Diebstahls von sechs Baumstämmen zu zwei Jahren Haft verurteilt. Aufgrund gekaufter Zeugenaussagen, wie er sagt. Als er ein Jahr abgesessen hatte, bescheinigte ihm die Forstverwaltung, dass es den betreffenden Diebstahl gar nicht gegeben habe. Seine Ehefrau legte das entsprechende Dokument bei Gericht vor. Daraufhin bekam sie Drohanrufe von Unbekannten, die verlangten, sie solle das Papier wieder zurückziehen. Sie tat es nicht. Einen Tag später brannte Cadars Garage samt Auto. Wer die Brandstifter waren, blieb unklar.

Cadar kam zwar vorzeitig frei, seinen Job bei der Polizei bekam er aber nicht zurück. „Ich habe gesehen, wie das Schmiergeld in weißen Bastsäcken gebracht wurde. Polizisten und Förster sind reich geworden. Früher hatten sie nicht einmal Geld für Zigaretten, heute fahren sie BMWs“, sagt er.

 

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WIE MAN IN RUMÄNIEN 578 HEKTAR WALD ILLEGAL KAUFT

 

Ein weiterer Fall zeigt, wie der illegale Erwerb von Waldflächen durch Gerald Schweighofer von einer historischen Eigentümergemeinschaft von statten ging. Bei Gericht wurde die Aufhebung des Kaufvertrags über 578 Hektar Waldfläche verhandelt, welche Cascade Empire [eine Tochterfirma von HS] von der Eigentümergemeinschaft „Obstea Mosnenilor Izvorani“ gekauft hatte. Geklagt hatte eine andere Eigentümergemeinschaft („Asociatia Ceata Mosnenilor Izvorani“) welche ebenfalls Eigentumsrechte auf das Gebiet beanspruchte.

Die Klage war aus folgenden Gründen berechtigt:

1. Die verkaufende Eigetümergemeinschaft befand sich zum Zeitpunkt des Verkaufs im Rechtsstreit um die Eigentumsrechte mit der klagenden Eigentümergemeinschaft. Das heißt, die Waldfläche gehörte zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht unangefochten den Verkäufern.

2. Die Satzung der verkaufenden Eigentümergemeinschaft schrieb eindeutig vor, dass ein Verkauf der Waldfläche (auch von Teilen) nicht erlaubt sei. Selbst mit der Zustimmung aller Mitglieder.

3. Der Kaufvertrag war allein von zwei Mitgliedern der verkaufenden Eigentümergemeinschaft abgeschlossen worden, die Zustimmung der anderen Mitglieder war nicht ersichtlich.

In erster Instanz wurde der Klage stattgegeben und der Vertrag wurde aufgehoben. Bis zum Berufungsverfahren wurden von der Klägergemeinschaft eine außerordentliche Versammlung einberufen und ein neuer Vorsitzender gewählt. Daraufhin wurde am ersten Tag des Berufungsverfahrens auf weitere Verhandlungen verzichtet (d.h. der Verkauf durch die angeklagte Gemeinschaft wurde anerkannt). Kurz darauf verstarb der neu gewählte Vorsitzende (Gheorghe Ionescu) der ursprünglich klagenden Eigentümergemeinschaft und die Beweggründe für den Verzicht auf die Weiterverhandlung der ursprünglichen Klage blieben ungeklärt.

 

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HS UND DIE RUMÄNISCHE ART GEWERBEFLÄCHEN ZU ERWERBEN

 

Die Art und Weise wie HS die Grundstücke für die Produktionsanlagen in Rădăuţi und Reci besorgt hatte, beweist dass die österreichische Firma, die rumänische Art Gewerbeflächen zu erwerben, kennt und gut heißt. In einem zivilisierten Land entscheidet der Gemeinderat über die Umwandlung von Agrarflächen in Bauland (Wohnflächen und/oder Gewerbeflächen). Zuerst wird beschlossen wo Bauland entsteht und die Eigentümern der dort enthaltenen Grundstücke werden informiert, was beschlossen wurde. Wenn ein Großinvestor Interesse hat, irgendwo Gewerbefläche oder Wohnfläche zu erwerben, meldet er öffentlich sein Interesse für eine bestimmte Agrarfläche an oder kauft eine bereits existierendes Bauland. Die Beschaffung ist transparent und sowohl die Eigentümer der Agrarflächen als auch die Gemeinde verdienen gutes und sauberes Geld wenn das Geschäft abgeschlossen wird. Der Großinvestor zahlt den üblichen Preis für Gewerbefläche.

In Rumänien ist das in der Regel grundsätzlich anders. Der Großinvestor bedient sich der Mithilfe eines Vermittlers, eines sogenannten Geschäftsmanns, der als Zwischenhändler agiert und die erwünschte Fläche von den Eigentümern mit Hilfe eines gemeinen Tricks erwirbt. Von diesem Trick müssen zumindest der Bürgermeister der Gemeinde, eventuell auch ein paar Mitglieder des Gemeinderates, Kenntnis haben.

Der Zwischenhändler macht bekannt, dass er auf der erwünschten Fläche in großem Maßstab intensive Landwirtschaft betreiben will. Der Kauf der benötigten Fläche wird immer mit der erforderlichen Sicherung der angeblichen Investition begründet. Es wird immer den Eigentümern vorgegaukelt, dass man die Gründung einer Obstplantage beabsichtigt und dass deswegen man bereit sei, einen wesentlich höheren Preis als der ortsüblicher Preis für Grundstücke mit landwirtschaftliche Nutzung zu bezahlen. Es kann sein, dass manche der angesprochenen Eigentümern von der Glaubwürdigkeit der Erklärung, dass man auf ihre Felder Obstbaumplantagen aufbauen will, nicht überzeugt sind und vermuten, dass man eigentlich beabsichtigt diese nach dem Verkauf in Bauland umzuwandeln. Falls diese Bürger den Bürgermeister fragen, ob es vielleicht beabsichtigt wird, das Gelände, das ihre Felder beinhaltet in Bauland zu umwandeln, wird dieser schwören, dass solange er in Amt sein wird, keinesfalls eine solche Umwandlung genehmigen wird.

Nachdem der Zwischenhändler die gesamte erwünschte Fläche oder zumindest einen Großteil davon gekauft hatte, verkauft er sie an dem Großinvestor und dieser beantragt offiziell erst jetzt ihre Umwandlung in Baufläche. Die wenigen Eigentümer, die ihre Flächen nicht davor dem Zwischenhändler verkauft hatten, können diese jetzt für einen viel höheren Preis dem Großinvestor verkaufen – allerdings nur dann wenn sie nicht illegal enteignet worden waren und der Zwischenhändler ihr Eigentum mit Hilfe von Mafiamethoden bereits ergattert hatte.

HS hat die Grundstücke für die Produktionsanlagen in Rădăuţi und Reci gemäß der davor beschriebenen Methode besorgt.

In Rădăuţi wurde ein Vertrag mit einem Zwischenhändler, der sich verpflichtet hatte, ein Grundstück von 180 Hektar zu besorgen, abgeschlossen. Dieser hatte den Eigentümern der Flächen aus denen das erwünschte Grundstück bestand gesagt, dass man beabsichtigt, auf diese eine Birnbaumplantage aufzubauen. Mit Hilfe dieser Lüge konnte der Zwischenhändler 135 Hektar legal kaufen. Da er die restlichen 45 Hektar nicht legal kaufen konnte und da er von HS bedrängt wurde rechtzeitig die im Vertrag genannte Gesamtfläche zu besorgen, bestach er einige Justizbeamten und es wurden illegale Prozesse gegen die Eigentümern der 45 Hektar organisiert. In Folge dieser Prozesse wurde ihm der Besitz aller erwünschten Flächen zugesprochen und er konnte die gesamte Fläche an HS verkaufen. Die illegalen Prozesse wurden später von der DNA (die Nationale Antikorruption Direktion) untersucht und gegen den Zwischenhändler und die korrupten Justizbeamten wurde Anklage erhoben. In der Anklageschrift wird präzisiert, dass der Zwischenhändler und die korrupten Justizbeamten auch andere Dritten, die mit dem Geschäft mit HS nichts zu tun hatten, geschädigt haben. Ein von diesem gewünschtes Haus in der Kreishauptstadt Botoşani wurde ebenfalls durch ein illegales Prozess den rechtmäßigen Eigentümern geraubt. Die DNA betrachtete die Firma HS als anständigen Käufer.

Bei der Beschaffung des Grundstücks für die Produktionsanlage in Reci wurde als Zwischenhändler eine Firma benutzt, derer Sitz sich in der Wohnung eines korrupten Senators befand. Es ist erwiesen, dass dieser große Summen Bestechungsgeld verlangt hatte, um einigen Unternehmern den Kauf von Energie mit einem begünstigten Preis von Staatsunternehmen zu vermitteln. Die Firma, die die von HS erwünschten Grundstücke von ihren ursprünglichen Besitzern gekauft hat, hat ebenfalls den Verkäufern vorgegaukelt, dass man ihre Felder für den Aufbau einer Obstplantagen benötigt. Da die Produktionsanlage in Reci in einem Gebiet, wo es schon viele kleine Sägewerke gab, errichtet wurde, kann man vermuten, dass HS durch die Hilfe des einflussreichen korrupten Politikers einen offensichtlich ungleichen Konkurrenzkamf gegen diese starten konnte. Es ist zwar nicht bewiesen, dass der korrupte Senator und die Lokalpolitiker, die im Eilverfahren den Bau der Produktionsanlage der HS genehmigt haben, Schmiergeld von dem österreichischen Unternehmen kassiert haben, es wäre aber lächerlich auszuschließen, dass kein Schmiergeld geflossen sei.

 

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AUFZÄHLUNG UND KURZGEFASSTE BEGRÜNDUNG DER ALS GLAUBWÜRDIG ANGESEHENEN RELEVANTEN ANSCHULDIGUNGEN

 

In Folge der Analyse mehrerer Quellen, die Anschuldigungen gegen die Firma Holzindustrie Schweighofer (HS) enthalten, konnte man feststellen, dass folgende Anschuldigungen nicht geleugnet werden können:

 

 

1. Die riesige Nachfrage nach Holz der HS ist eine Hauptursache der Zerstörung der Wälder in Rumänien. HS hat riesige Mengen Holz, das scheinlegal und illegal geschlagen wurde, verarbeitet.

1.1. - Es ist erwiesen, dass in mehreren Fällen korrupte Forstverwaltungsbeamte skrupellosen Vertretern mehrerer Holzeinschlagfirmen erlaubt haben, zahlreiche Bestände nach kolonialer Art zu plündern, um Unmengen Wertholz an HS liefern zu können. Diese Verbrechen gegen die Umwelt wurden sehr oft von korrupten Vertretern aller Kontrollbehörden des Staates gedeckt, sodass auf riesigen Flächen der Wald verschwunden ist und der Boden degradiert wurde, ohne dass jemand zur Rechenschaft gezogen wurde. Riesige Mengen Holz wurden scheinlegal (durch grobe Verletzung der Forsteinrichtungsbestimmungen und der Grundregeln der nachhaltigen Forstwirtschaft aber gemäß korrekter Inventur) geschlagen, damit man möglichst viel Wertholz an HS liefern kann.

1.2. - Sehr viel Holz wurde aber auch illegal geschlagen – einfach gestohlen. Es ist erwiesen, dass große Mengen Holz, die illegal geschlagen wurden, von gefälschten Dokumenten begleitet, an HS geliefert wurden.

 

2. HS fördert den illegalen Holzeinschlag

2.1. - Es ist erwiesen, dass die Behörden in der Verarbeitungsanlage in Rădăuţi eine große Menge illegalen Holzes – dessen Herkunft HS nicht belegen konnte – gefunden haben.

2.2. - Personen aus der Leitung der HS haben einem verdeckter Ermittler der EIA, der sich als Vertreter einer Holzeinschlagfirma vorgestellt hatte, zugesichert, dass HS illegales Holz akzeptieren und sogar eine Prämie für die Beschaffung solchen Holzes zahlen würde, um den Nachschub für seine Produktionsstätten in Rumänien zu erhöhen

 

3. HS hat die allgegenwärtige Korruption in Rumänien direkt und indirekt gefördert.

3a. direkt:

3a.1. - Personen aus der Leitung der HS haben dem verdeckter Ermittler der EIA zugesichert, dass HS illegales Holz akzeptieren und sogar eine Prämie für die Beschaffung solchen Holzes zahlen würde. Aus dem mit versteckter Kamera gedrehten Film kann man schließen, dass der potenzielle Lieferant ermutigt wird, illegales Holz zu besorgen.

3a.2. - HS hat beim Kauf der Grundstücke für den Bau von zwei Verarbeitungsanlagen illegalen und pseudolegalen Machenschaften Dritter, die von HS mit der Beschaffung dieser Immobilien beauftragt worden waren, profitiert.

3a.3. - HS hat gesetzwidrig 578,4 ha Wald von einer Eigentum-Genossenschaft gekauft

3b. indirekt :

3b.1. - Es ist erwiesen, dass man durch Mafiamethoden versucht hat, mehrere Bürger einzuschüchtern, weil diese den Mut gehabt hatten, öffentlich die Zerstörung einiger Wälder zu kritisieren, in denen nach kolonialer Art Wertholz geschlagen wurde, das für HS bestimmt war.

3b.2. - Es ist offensichtlich, dass die nach kolonialer Manier durchgeführte Plünderung vieler Bestände von allen Behörden geduldet wurde

3b.3. - Es ist erwiesen, dass illegale Handlungen, die von Zulieferern von HS begangen wurden, von den korrupten Behörden gedeckt wurden

 

4. HS ist mit Schuld, dass zahlreiche Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung aus einigen Bergregionen und aus der Möbelindustrie verschwunden sind.

4.1. - Da in Rumänien der Stundenlohn gering ist, ist der Anteil des Rohholzpreises ausschlaggebend für den Endpreis des verarbeiteten Holzes. Da die Produktivität der modernen Produktionsanlagen der Firma HS sehr hoch ist und weil das meiste von HS nur primär bearbeitete Holz in Ländern mit hoher Kaufkraft verkauft wird, kann sich die Firma leisten, einen hohen Preis für den benötigten Rohstoff zu bezahlen. Kleine Sägewerke, deren Produktionsanlagen eine viel niedrigere Produktivität haben, haben keine Chance in diesem ungleichen Konkurrenzkampf. Riesige Probleme haben aber auch die Handwerker und Möbelfabriken, die den für rumänische Verhältnisse unangemessen hohen Preis für hochwertiges Schnittholz kaum bezahlen können.

4.2. - Für die Bevölkerung, die in der Bergregion im Herzen Siebenbürgers beheimatet ist, wurde vor langer Zeit ein Gesetz erlassen, dass jeder Familie erlaubt, jährlich 15 Kubikmeter Rohholz von den Staatsforsten zu kaufen. Seit einigen Jahren wird dieses Gesetz von korrupten Vertretern der Forstverwaltung zunehmend missachtet. Wenn überhaupt, bekommen die Menschen nur noch mit Verspätung schlechtes Holz. Das Wertholz aus den umliegenden Wäldern ihrer Ortschaften wird an HS geliefert.

 

5. HS übt Druck auf die rumänischen Behörden aus, um Forstgesetze zu beeinflussen.

5.1. - Auf Druck der Politik, wurden 2003 fast alle (staatlichen) Kreisforstverwaltungsdirektionen verpflichtet zehnjährige Verträge mit HS abzuschließen. Durch diese Verträge wurden der HS riesige Wertholzmengen zu einem günstigen Preis zugesichert.

5.2. - HS macht Lobby für die Senkung des Hiebsalters, damit landesweit der jährliche Hiebssatz wächst und mehr Holz geschlagen werden darf.

5.3. - HS übt Druck auf die Behörden aus, damit das Antimonopolgesetz abgeschafft wird, das einen Prozentsatz für die Holzmenge vorschreibt, die HS vom landesweiten jährlichen Hiebssatz kaufen darf.

 

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BEWERTUNG DER GLAUBWÜRDIGEN ANSCHULDIGUNGEN IN BEZUG ZU EINIGEN PRINZIPIEN DES FSC

 

Die bestätigten Anschuldigungen verstoßen grob gegen drei Prinzipien des FSC:

a) Der illegale Holzeinschlag oder der Handel mit illegalem Holz sind verboten

- es ist offensichtlich, dass HS diese verbotenen Tätigkeiten fördert

b) Die Verletzung der Menschenrechte und die Minderung des sozialen und ökonomischen Wohlergehen der lokalen Bevölkerung sind unakzeptabel

- Das mafiaartige Vorgehen korrupter Beamten gegen Menschen, die gegen die Zerstörung der Wälder aus denen pseudolegal und illegal Holz, das für HS bestimmt war, geerntet wurde, muss als klare Menschenrechtsverletzung angeprangert werden.

- es ist offensichtlich, dass seit 2003, seitdem das Wertholz aus den staatlichen Wäldern fast ausschließlich an HS geliefert wird, eine deutliche Minderung des sozialen und ökonomischen Wohlergehens der lokalen Bevölkerung stattfindet

c) Die Vernichtung von Wäldern mit hohem Schutzwert durch Forstwirtschaftliche Aktivitäten ist nicht annehmbar

- Es ist bewiesen, dass durch aggressive Hiebsarbeiten deren Zweck das Ernten vom Wertholz für HS war, viele urwaldähnliche Bestände zerstört wurden

 

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ABSCHLIEßENDE BEMERKUNG

 

Es muss erwähnt werden, dass neben den eindeutig illegalen Abholzungen auch die pseudolegalen Hiebsarbeiten, die alleine in der Verantwortung der Forstbehörden stehen, ebenfalls erheblich zur Zerstörung der Rumänischen Wälder führen. Doch auch das pseudolegale Holz kam letztlich größtenteils bei HS an.

Während die illegal und pseudolegal arbeitenden Zulieferer und ihre korrupten Helfer sich mitunter untereinander schon bestehlen und dann in juristischen Verfahren eine mehr oder minder angemessene Strafe erhalten, tritt HS die Verantwortung an diese ab. HS wird nicht für die mangelnden Kontrollen hinsichtlich der Zulieferer und ihrer Papiere und Aussagen zur Rechenschaft gezogen (entgegen anders lautender eigener Aussagen) und kann weiter aus einem breiten Spektrum an illegalen Zulieferern wählen. Diese Zulieferer werden von HS zusätzlich mit Vorauszahlungen motiviert und somit ermuntert ihre illegalen Geschäfte in großem Stil durchzuführen. Dieses Verhalten ist (wenn auch juristisch schwer nachweisbar) nicht konform mit den FSC Richtlinien, welche die Förderung der Korruption und Ausbeutung der Natur verbieten.

Ebenso können die Bemühungen von HS das Anti-Monopol-Gesetz in Rumänien zu kippen, welches eine Lieferbeschränkung auf maximal 30% der Jahresproduktion pro Unternehmen vorsieht, nicht als Einsicht der negativen Auswirkungen ihres Handelns auf die rumänische Forstwirtschaft und Teile der Bevölkerung angesehen werden.

 

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ANHANG

 



 

AUFZÄHLUNG UND KURZGEFASSTE BEGRÜNDUNG DER ALS GLAUBWÜRDIG ANGESEHENEN ABER NICHT RELEVANTEN ANSCHULDIGUNGEN

 

1. HS hat Wälder, deren Besitzer diese illegal erworben hatten, gekauft.

Es ist erwiesen, dass „Cascade Empire“ zwei Kaufverträge, zum Erwerb von 183 ha Wald, bzw. 194 ha Wald geschlossen hat. Die Verkäufer dieser Wälder waren mit Hilfe von Betrüger – die Zugang zu korrupten Entscheidungsträgern in den Behörden, die mit der Rückgabe der von der kommunistischen Regierung enteigneten Flächen beauftragt waren, hatten – in Besitz von insgesamt 344,7 ha Wald bzw. 201,3 ha Wald gelangt. Man hat durch Betrug „bewiesen“, dass die Personen, denen der Besitz dieser Flächen zugesprochen wurde, Erben von angeblichen ehemaligen Eigentümern dieser Flächen waren. In Wirklichkeit wurden im Grundbuchamt die Grundbücher gefälscht, indem man zum Besitz der Erblasser diese Flächen hinzufügte. Gefälschte Bestätigungen für den angeblichen Besitz der Erblasser wurden durch Bestechung auch vom Archiv des Forstamtes erzielt.

„Cascade Empire“ hat zwar Teile der illegal erworbenen Wälder gekauft, man kann aber nicht behaupten, dass der Käufer gewusst hatte, dass diese illegal erworben wurden.

2. Herr Bergner Jürgen Wolfgang, Mitglied im Vorstand der HS verwaltet 9710 ha Wald die den Erben de Grafen Kendeffi zurückerstattet worden waren. Man kann aber nicht wissen, ob die Rückerstattung illegal war, weil der Prozess, in dem über die Rechtmäßigkeit dieser Rückerstattung entschieden wird, noch im Gange ist. Man kann nicht behaupten, dass HS die möglich illegale Rückerstattung der 9710 ha Wald an die Erben des Grafen Ludovic Kendeffi unterstützt hat.