ANGELA DIE WILLKÜRLICHE                                                   30.07.2017


    Wenn man die Nachrichten, die von den deutschen Medien während der letzten Wochen verkündet wurden, analysiert, kann man zu dem Schluss kommen, dass das wichtigste und gleichzeitig umstrittenste politische Ereignis des Sommers in Deutschland, die mehr oder weniger unerwarteten Gewaltexzesse der linken Demonstranten, die den G 20 Gipfel  in Hamburg begleitet hatten, waren.
Es wurde heftig debattiert, ob Hamburg der richtige Ort für die Beherbergung des Gipfels war und ob die Sicherheitsbehörden einen angemessenen Plan zur Eindämmung der möglichen Gewaltexzesse der linken Szene gehabt haben. Weil die Bundestagswahlen sich nähern, haben auch Politiker der zwei Lager der Regierungskoalition versucht, aus den Gewaltexzessen der linken Autonomen politisches Kapital zu erzielen. Mehrere Politiker der Union warfen der SPD , den Grünen und der Linke vor, Linksextremismus verharmlost  zu haben und einige verlangten sogar, den Rücktritt des SPD - Oberbürgermeisters von Hamburg, weil dieser angeblich die Verantwortung für die zögerliche Reaktion der Polizei auf die Gewaltexzesse tragen würde. Die Antwort der SPD kam prompt und der Außenminister höchstpersönlich meinte, dass Angela Merkel, die Kanzlerin und die wichtigste Politikerin der Union, in großem Maß die Verantwortung für das entstandene Chaos trägt, weil sie die Warnungen vor möglichen linken Ausschreitungen ignoriert und Druck ausgeübt hatte, dass der G 20 Gipfel in Hamburg stattfindet. Gabriel warf der Kanzlerin vor, damit das „heimliche Ziel“ der Selbstinszenierung kurz vor der Bundestagswahl verfolgt zu haben.
„Die Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte im Wahljahr 2017 in ihrer Heimatstadt Hamburg den G-20-Gipfel nutzen, um mit attraktiven Bildern ihr Image aufzupolieren.“https://www.welt.de/politik/deutschland/article166534934/Gabriel-macht-Merkel-nach-G-20-schwere-Vorwuerfe.html. Die Kanzlerin machte einen eleganten Zug, indem sie verkündete, dass sie solidarisch mit dem SPD - Oberbürgermeisters ist und dass sie die Verantwortung für die Wahl der Hansestadt als Gastgeber des G 20 Gipfels mit ihm zusammen trägt.

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    Meiner Ansicht nach, haben es die Medien (absichtlich?!) unterlassen, das mögliche Verhältnis zwischen den gewaltigen Protesten der linken Szene in Hamburg und einem vollkommen anderen wichtigen Ereignis, das nur wenige Tage davor auf merkwürdige Weise auf der politischen deutschen Szene durchgeboxt worden war, zu erörtern. Am 25 Juni hat Frau Merkel scheinheilig und eigenmächtig eine – meiner Ansicht nach sehr wichtige – Vereinbarung der regierenden Koalition außer Kraft gesetzt. Ihre Verkündung, dass sie zum Schluss gekommen sei, dass der Koalitionszwang bezüglich der Legalisierung der vollkommenen Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit der Ehe aufgehoben werden sollte und dass die Abgeordneten der Koalition das Recht bekommen sollten, nach ihren Gewissen in dieser Sache zu stimmen, hat de facto die Vereinbarung, dass in der laufenden Legislatur der Bundestag kein Gesetz zur Gleichstellung der homosexuellen Partnerschaften mit der Ehe verabschieden wird, annulliert. Man sollte erwähnen, dass die Kanzlerin ihre Meinungsänderung damit begründet hat, da sie zum Schluss gekommen sei, dass eine vollständige Gleichstellung der homosexuellen Partnerschaften mit der Ehe dem Wohl der von homosexuellen Paaren  adoptierten Kindern diene.
    Die plötzlich verkündete radikale Meinungsänderung war eine öffentliche Einladung an die Befürworter der Gleichstellung der homosexuellen Partnerschaften mit der Ehe, diese Gleichstellung im Eilverfahren im Gesetz zu verankern und nur vier Tage später verabschiedete der Bundestag mit überwältigender Mehrheit das Gleichstellungsgesetz. Scheinbar merkwürdig: Frau Merkel hat gegen das Gesetz gestimmt.
    Es besteht ein krasser Widerspruch zwischen der Aussage, dass eine vollständige Gleichstellung der homosexuellen Partnerschaften mit der Ehe dem Wohl der von homosexuellen Paaren  adoptierten Kindern diene, die die Kanzlerin am 25.Juni gemacht hatte, als sie den Stein der Gleichstellung ins Rollen gebracht hatte und der Tatsache dass sie im Bundestag gegen das Gleichstellungsgesetz gestimmt hat, weil sie als Christin angeblich überzeugt ist, dass die Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau möglich sei.
    Die Tatsache, dass Frau Merkel gegen das Gleichstellungsgesetz gestimmt hat, könnte man als Beweis eines schizophrenen Denkens ihrerseits deuten, ich bin mir aber sicher, dass es sich nicht um geistige Instabilität sondern um schmutziges politisches Kalkül handelt. Nachdem sie einen entscheidenden Beitrag bei der Umsetzung der politisch korrekten antichristlichen vollkommenen Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit der Ehe in Praxis geleistet hat, will sie nun weiterhin als wahre und wichtigste Vertreterin der christlichen Werte in der deutschen Politik angesehen werden.
    Ich bin überzeugt, dass es kein Zufall war, dass mit entscheidender Hilfe der Kanzlerin, das Gleichstellungsgesetz im Blitzverfahren sehr kurz vor dem G 20 Gipfel in Hamburg verabschiedet wurde. Ich wage es zu behaupten, dass man die Proteste der linken Chaoten absichtlich in Kauf genommen hatte, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von der Merkwürdigen und inakzeptablen Art und Weise, wie das Gleichstellungsgesetz verabschiedet wurde, zu lenken.
    Die gewaltigen Proteste der Linksautonomen in Hamburg haben für die absehbare Zukunft den Geist des öffentlichen Protests gegen die Politik in Verruf gebracht. Darum ist es ganz normal, dass niemand gegen das Gleichstellungsgesetz und die Art und Weise wie dieses verabschiedet wurde, auf die Straße geht.             
    In Deutschland werden die politischen Entscheidungen hinter den Kulissen gefällt, die Kanzlerin verkündet dann, ohne mit der Wimper zu zucken, ihre angeblichen Offenbarungen, die radikale politische Wandlungen beinhalten und das von den Medien verblödete Volk muss sich diese Wandlungen aneignen.    
    Im September 2015 hat die Kanzlerin eigenmächtig das Dubliner Übereinkommen ausser Kraft gesetzt und vertritt seither eine extrem linke Stellung in der Einwanderungspolitik, indem sie sich konsequent weigert, eine Quote für die Einwanderung nach Deutschland zu akzeptieren; im Juni 2017 hat sie die entscheidende Rolle in der Einführung des Gleichstellungsgesetzes gespielt.
Ich bin gespannt was die Zukunft noch bringt, wie weit die Union sich nach links bewegen wird und welche Überraschungen Frau Merkel den Deutschen noch vorbereitet – ich kann mir gut vorstellen, dass sie die angebliche Notwendigkeit der militärischen Unterstützung der Ukraine gegen die sogenannte russische Aggression mit sehr ernster Miene erklären könnte.  
Während des Kongresses der Christlichen Union, der dessen Start in den Wahlkampf für die vergangenen Bundestagswahlen markierte, benutzte Frau Merkel den berühmten, schlichten Wahlspruch, der aus heutiger Sicht extrem frech und verlogen scheint: „Sie kennen mich!“
    Durch die zwei radikalen Kehrtwenden, die sie in den letzten zwei Jahren auf den Ebenen der Einwanderungs- und Familienpolitik verkündet hatte, wurde die Union gezwungen, eine extrem liberale Politik auf diesen Ebenen mitzutragen. Diese zwei wichtigen von der Kanzlerin vollzogenen Kehrtwenden in der Politik der Union, die auch auf europäischer Ebene eine entscheidende Wirkung haben, haben bewiesen, dass Frau Merkel extrem unberechenbar ist und dass sie die Verleihung des Namens „Angela die Willkürliche“ vollkommen verdient.
     Manche Bürger, (ehemalige) Wähler der Union, die trotz der von den Medien durchgeführten postmodernen Indoktrinierung auf ihre christlich-konservative Weltanschauung nicht verzichten wollen, könnten heute folgende Antwort auf den Wahlspruch, den Frau Merkel vier Jahre davor benutzt hatte, geben: „Ja, Frau Merkel, wir (er)kennen Sie! Sie sind ein bösartiges Krebsgeschwür der Christdemokratie“.
                                                    Gheorghe Cionoiu – Schriftsteller, Gegner der ehemaligen kommunistischen Regierung in Rumänien