Protest gegen die Hirnwäsche (August 2003)

Offener Brief zum Thema Schulpsychologie (07.07.2003)

Ein billiges Theater (15. 01. 2003)

Über Ehe und andere Lebensgemeinschaften (26. 07. 2002)

Gedanken zur Notwendigkeit der Gründung der Initiative gegen die Schändung der Ehe (21. 07. 2002)

Familie oder Ganztagsschulen? (20.04.2002)

Offener Brief an den deutschen Außenminister (28.02.2002)

 

 

Protest gegen die Hirnwäsche

August 2003

Eine wichtige Nachricht der letzten Tage war, dass der Vatikan ein umstrittenes Dokument zum Thema Umgang mit der (beabsichtigten) Gleichstellung der homosexuellen Lebensgemeinschaften mit der Ehe veröffentlicht hatte. Am 1. August 03 wurde in den Zeitungen über den Inhalt des Dokumentes – meist unter Titeln vom Typ Papst fordert Kampf gegen Homo-Ehe folgendes berichtet: Der Vatikan hat katholische Politiker und Gläubige weltweit zum Widerstand gegen die Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften aufgerufen.

Die allgemein vertretene Meinung der deutschen Journalisten, die den Inhalt des Dokumentes auch erörtert haben, lässt sich in folgenden Sätzen zusammenfassen: ...Es ist nicht die Aufgabe eines Gesetzes, exklusiv das Sittenbild einer Glaubensgemeinschaft zu transportieren, denn wir sind ein säkularer Staat... Die katholische Kirche kann von ihren Gläubigen vieles verlangen, von den Bürgern dieses Staates nicht...

Die Aussage widerspiegelt die Haltung der angeblich fortschrittlichen Parteien – Grünen, SPD, FDP und der angeblich vernünftigen prominenten Mitglieder der Union. Es stellt sich aber die Frage, ob diese Haltung – die in den deutschen Medien als politisch korrekt dargestellt und den Bürgern vorgeschrieben wird – tatsächlich politisch vernünftig ist und tiefgründiges Demokratieverständnis bescheinigt, oder ob sie eher als totalitärer Propagandatrick bewertet werden kann.

Meiner Ansicht nach, wurde das politisch korrekte Urteil am genauesten von den Grünen gesprochen: wenn Rom einen Kreuzzug gegen die Bürgerrechte der Lesben und Schwulen startet, ist das ein bedenklicher Schritt zur Selbstisolierung der katholischen Kirche. Ich behaupte, daß diese Aussage ein typischer Propagandaslogan ist, weil sowohl die fortschrittlichen Politiker als auch die Medien es unterlassen, die deutschen Bürger aufzuklären, worin die Bürgerrechte der Lesben und Schwulen bestehen und wer, wie darüber zu bestimmen hat.

Der nordrhein-westfälische Landeschef der CDU, Jürgen Rüttgers wiederholte im Grunde den selben Propagandaslogan als er sagte: Ich bin praktizierender Katholik. Aber es ist nicht meine Aufgabe als Politiker den Leuten zu sagen, wie sie zu leben haben – das Dokument aus dem Vatikan verlangt etwas ganz anderes.

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 17. Juli 2002, das mit einer Senatsmehrheit von 5:3 das Gesetz zur Beendigung der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Gemeinschaften: Lebenspartnerschaften für verfassungsgemäß erklärt hat, basiert auf der Aussage, dass eine Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau geschlossen werden kann. Das Bundesverfassungsgericht betont zwar, dass eine homosexuelle Lebensgemeinschaft keine Ehe ist, aber der Richter Papier unterstreicht in seiner abweichenden Meinung, dass: Die Senatsmehrheit setzt keinerlei Grenzen für eine substantielle Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe.

Ich bin überzeugt, dass das Dokument des Vatikans auf dieses Problem aufmerksam macht – es betont vor allem, dass man homosexuellen Paaren nicht das Recht, Kinder zu adoptieren, gewähren sollte. Wenn man berücksichtigt, dass vor einem Jahr – gleich nachdem das Bundesverfassungsgericht das Lebenspartnerschaftsgesetz für verfassungsgemäß erklärt hatte – die Grünen, die SPD und die FDP angekündigt haben, dass sie genau die substantielle Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe anstreben, muß man zugeben, dass der Appell des Vatikans sehr aktuell ist.

Vor einem Jahr habe ich (in der Broschüre Über Ehe und andere Lebensgemeinschaften) folgendes geschrieben: Weil nur heterosexuelle Paare, Kinder – die den Fortbestand der Gesellschaft sichern – zeugen können, befindet sich die Ehe auf einer qualitativ höheren Ebene als alle anderen möglichen Lebenspartnerschaften. Wenn der Staat die Ehe als einzige Institution, die gleichzeitig Kinder zeugt und die die soziale Verantwortung der biologischen Eltern für das gemeinsame Kind unterstreicht, gegenüber den Ledigen privilegiert, wird keine andere mögliche Lebenspartnerschaft diskriminiert, weil keine andere mögliche Lebenspartnerschaft diese Aufgaben erfüllen kann. Diese ist meine Überzeugung und obwohl ich kein Katholik bin, glaube ich, dass die Bürger, die diese Überzeugung teilen, politisch aktiv werden müssen, um zu verhindern, dass die substantielle Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe Wirklichkeit wird. Dadurch wird kein Kreuzzug gegen die Bürgerrechte der Lesben und Schwulen gestartet, es wird lediglich versucht zu verhindern, dass unnatürliche Vorstellungen Wirklichkeit werden.

Ich glaube, dass sich die deutschen Bürger über die Art des Umgangs mit dem Begriff säkularer Staat Gedanken machen sollten. Heißt es, dass im säkularen Staat die Bürger im Namen ihrer moralischen und religiösen Überzeugungen sich grundsätzlich nicht politisch engagieren dürfen oder heißt es, daß sie sich nicht engagieren dürfen, wenn diese Überzeugungen nicht politisch korrekt sind? Wer bestimmt was politisch korrekt ist und was nicht? (Diejenigen, die die Ablehnung der Gleichstellung als Angriff auf die Liebe bezeichnen, müssten erklären, ob und warum die Polygamie weiterhin verboten bleiben sollte.)

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Offener Brief zum Thema Schulpsychologie

7.07.2003

Weil ich fest davon überzeugt bin, daß auch während der Pubertät die Eltern das Psychosoziale Verhalten ihrer Kinder beobachten müssen und beeinflussen können, führe ich oft mit meinem Sohn Diskussionen über Gott und die Welt...

Der Junge, der nun die achte Klasse eines Coburger Gymnasiums besucht, hatte mir vor ein paar Monaten berichtet, daß einige seiner Klassenkollegen angeben, Satanisten zu sein. Er betonte, daß diese vier Jungs gar nicht so verschieden waren – sie prahlten sich bloß, daß sie Satan anbeten und ihre größte Heldentat war, das Kreuz vom Klassenzimmer mit Spuckegeschossen (durchgekautes Löschpapier) zu beschießen. Er berichtete mir auch, daß wahrscheinlich nur einer von den vieren – ein kommunikationsunwilliger Junge, der immer schwarz bekleidet war – den Satanismus ernst nimmt. Dieser hatte einen älteren Bruder, der angeblich überzeugter Satanist war.

Am 4. Juni 2003 machte die Klasse meines Sohnes einen Ausflug nach Weißenburg. Als mein Sohn abends Heim kam, berichtete er über das Ereignis des Tages. Während er zusammen mit anderen Schülern durch die Stadt schlenderte, wurden sie von zwei Mitgliedern einer christlichen Sekte aus der USA angesprochen. Diese erzählten ihnen irgend etwas über die Bibel und forderten sie auf, gemeinsam ein Gebet zu sprechen. Fast alle Schüler machten mit – es kostete sie ja nichts. Nur der blasse Satanist widersetzte sich. Nach dem Gebet, als die Mitglieder der Sekte sich bemühten, ihn zum Glauben an Gott (im Sinne der Bibel) zu bekehren, erwiderte er überzeugt, daß der Glaube an Satan günstiger ist und nannte auch Vorteile – der wichtigste war, daß angeblich in der Hölle die Satanisten über jede menge Frauen (als Sexualobjekte) verfügen werden: „...You can fuck all the girls!“. Die Diskussion wurde durch die Ankunft eines Lehrers beendet.

Einen Monat später, am 2. Juli, erhielt ein Klassenkollege meines Sohnes während der Musikstunde eine SMS von einem Freund. Am Anfang der Pause wurde der schwarz gekleidete Satanist ins Direktorat gerufen. Währenddessen erfuhren die anderen Schüler den Inhalt der SMS: BEI UNS IN DER SCHULE HAT SICH EINER ERSCHOSSEN. Nach der Pause kam eine zur Psychologin ausgebildete Referendarin in die Klasse. Sie berichtete über die Ereignisse aus der Realschule Coburg II und informierte die Klasse, daß der Tote der Bruder des Jungen, der ins Direktorat gerufen wurde, ist. Danach forderte sie die Schüler auf, auf das Kreuz vom Klassenzimmer zu blicken und gemeinsam zu beten. Mein Sohn bemerkte, daß die drei Hobbysatanisten am bittersten geweint und am lauteste gebetet haben. Einige Spuckegeschosse waren noch auf der Wand neben dem Kreuz, das ihnen als Zielscheibe gedient hatte, sichtbar.

Ich weiß nicht, wie der gewaltsame Tod des Schülers der Realschule Coburg II auf seinen Bruder wirken wird. Ich hoffe, daß dieser merken wird, daß sein älterer Bruder, der ihm als Vorbild gedient hatte, gar kein echter Satanist war, da sein Glaube an Satan nicht stark genug war, um ihn dazu zu bringen, auch andere Menschen mit in den Tod zu nehmen – das Spiel mit dem Teufel hat letztendlich nur sein Leben als Opfer gefordert.

Politiker aller Parteien beeilten sich, das tragische Geschehnis festlich zu bedauern und die Staatsanwaltschaft sucht eifrig Hinweise, die den Selbstmord klären sollen.

Ich glaube, daß die zivile Gesellschaft die Familie des verstorbenen Schülers nicht kriminalisieren darf, sondern über die Hintergründe nachdenken soll.

Im heutigen Deutschland wo der Chor der Propaganda tagtäglich betont, daß man den Kindern keine moralischen Richtlinien vorschreiben darf und diejenigen, die diese These bestreiten, als Reaktionäre abstempelt, darf man sich nicht wundern, daß sehr viele Eltern die Zügel der Erziehung vielleicht zu locker lassen. Wenn die Gesellschaft die Unterhaltung als oberstes Ziel betrachtet, wenn Politiker verschiedener Parteien wirkungsvolle Slogans vom Typ SELBSTBEWUSSTE FRAUEN STATT HEIMCHEM AM HERDCHEN hemmungslos als politische Waffe einsetzen und wenn prominente Medienvertreter behaupten, daß staatliche Einrichtungen die Last der Erziehung übernehmen müssen, damit die Eltern Geld verdienen können, darf man sich nicht wundern, wenn viele Eltern guten Gewissens die Erziehungsberechtigung vollständig der Schule, dem Fernseher, den illustrierten Zeitschriften und dem Bekanntenkreis der Kinder übertragen.

Wenn die Loveparade als erwünschte politische Veranstaltung – die Jahre lang mit Staatsgeldern unterstützt wurde – betrachtet wird (sogar von vielen Lehrern und Geistlichen, die für Minderjährige Ausflüge dorthin organisieren); wenn der Prostitution der Status eines ganz normalen Berufs anerkannt wird; wenn das staatliche Fernsehen die Teilnahme an Ravepartys – wo junge Leute hingehen, um Spaß zu haben und zu vögeln – als moralisch unbedenkliche Freizeitbeschäftigung darstellt, darf man sich nicht wundern, daß ein Vierzehnjähriger (der ganz tolerante Eltern hat) zum Schluss kommen kann, daß das Ficken aller Weiber ein moralisch lobenswertes Ziel ist.

Wenn die Psychothriller sogar für das wöchentliche (fast tägliche) Programm des staatlichen Fernsehens unverzichtbar sind, darf man sich nicht wundern, daß ab und zu ein solcher Junge Selbstmord begeht oder Amok läuft.

Die BILD Zeitung – die wahrscheinlich als Krönung ihres Geistes fast täglich das Photo einer nackten knackigen Frau auf der Titelseite veröffentlicht – dürfte auf keinen Fall als moralische Instanz gelten, die in der Familie des toten Jugendlichen die Schuld für die Untat findet.

Ich schlage der Stadt Coburg vor, eine Diskussion mit folgenden Themen zu organisieren:

VORTEILE UND NACHTEILE DER ANTIAUTORITÄREN ERZIEHUNG

IST DER SATANISMUS EINE MODERNE SUBKULTUR?

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Ein billiges Theater

15. 01. 2003

Der seit geraumer Zeit andauernden deutsch – amerikanischen Kontroverse bezüglich der Haltung, die gegenüber dem Irak eingenommen werden sollte, wird von manchen Prominenten die Wichtigkeit einer Weltkrise beigemessen. Mitglieder der amerikanischen Regierung prangerten die Verantwortungslosigkeit und den Verrat der Deutschen – denen sich auch die Franzosen angeschlossen haben – an. Diese Anschuldigungen und die aggressive Haltung der USA in der Irakfrage wurde in den deutschen Medien scharf kritisiert, man bescheinigte der Regierung Bush Wildwestmanieren. Seit einigen Tagen ist es bekannt, daß nicht nur Großbritannien die amerikanische Haltung bedingungslos unterstützt – zusammen mit den Insulanern rasseln nun noch sieben europäische Staaten mit den Säbeln. Gibt es jetzt neben oder anstatt der angeblichen transatlantischen Krise eine Krise zwischen dem wahren und dem alten Europa?

Es ist offensichtlich, daß kein Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien sich trauen würde, den USA (und ihren Unterstützern) mit politischen Sanktionen zu drohen, für den Fall, daß diese ohne UNO Mandat den Krieg beginnen würden. Es ist ebenfalls undenkbar, daß deutsche Politiker behaupten könnten, daß die amerikanischen Politiker und Militärs, die die Verantwortung für einen solchen Krieg tragen würden, vor einem Gericht wegen Verletzung des internationalen Rechtes und wegen Kriegsverbrechen gebracht werden müssten. Es ist viel wahrscheinlicher, daß nach dem amerikanischen Sieg die Herren des „alten Europa“ sich bemühen werden den Streit zu begraben – z. B. indem sie der in Bagdad von den Amerikanern eingesetzten Marionetteregierung massive humanitäre Hilfe anbieten werden. Und sie werden sich bestimmt nicht scheuen, ein paar Krümel vom Kuchen der Ausbeutung der riesigen Erdölreserven und des Wiederaufbaus der durch den Krieg zerstörten Infrastruktur des Iraks für die eigene Wirtschaft zu beanspruchen.

Die nach den Anschlägen vom 11. September neurotisch gewordene Öffentlichkeit der USA konnte relativ leicht überzeugt werden, daß der Krieg gegen den Irak als konsequenter und unausweichlicher Schritt im Kampf gegen den internationalen Terrorismus verstanden werden soll. Die meisten Deutschen deuten diesen beabsichtigten Krieg viel eher als Absicht der USA, sich durch Anwendung von Gewalt Zugang zu den irakischen Erdölreserven zu verschaffen und bewundern die angeblich mutige Haltung der Regierung Schröder, obwohl es offensichtlich ist, daß sie einen rein symbolischen Charakter hat. Die selbstbewusste deutsch – französische Haltung dient aber nicht nur dazu, den eigenen Völkern die Treue zu beweisen. Gleichzeitig signalisiert man der Öffentlichkeit der islamischen Länder, daß der Krieg gegen den Irak weder als Kreuzzug noch als rein materialistisch imperialistischer Krieg des gesamten Westens verstanden werden darf. Damit dämpft man die Bereitschaft eines Teils der Moslems, die dazu neigen, sich im Namen des Djihads unter der Fahne des Terrors zu scharren. Ein anderer Teil dieser gewaltbereiten Moslems wird aber im Falle eines Krieges der USA gegen den Irak die angeblich bewundernswerte deutsch – französische Haltung ignorieren. Diese Menschen werden sich als Kämpfer für den heiligen Krieg gegen den gesamten Westen melden. Und einen Festlandeuropäer – unabhängig von seiner Volksangehörigkeit – werden sie viel leichter ins Visier nehmen können als einen Briten oder einen US Amerikaner. Deswegen möchte ich, daß auch folgende Meinung veröffentlicht wird:

Die angebliche tiefe Krise zwischen der USA und den Staaten des wahren Europa, die bereit sind den Krieg gegen den Irak auch ohne UNO Mandat zu führen oder zumindest zu unterstützen, einerseits und Alteuropa andererseits, ist viel mehr ein billiges Theater, das weltweit als Beruhigungspille dienen soll. Beruhigungspillen heilen aber die Krankheit nicht.

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Über Ehe und andere Lebensgemeinschaften

26. 07. 2002

Das Bundesverfassungsgericht erklärte in seinem Urteil vom 17. Juli 2002 das Lebenspartnerschaftsgesetz für verfassungsgemäß – nach Auffassung der Senatsmehrheit von 5:3 verstößt das Gesetz nicht gegen Art. 6 Abs. 1 GG, der die Ehe unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung stellt. Die führenden Politiker der im Bundestag vertretenen Parteien reagierten sofort. Die SPD, die Grünen, die FDP und die PDS begrüßten das Urteil und kündigten an, weitere Rechte für die gleichgeschlechtlichen Paare durchsetzen zu wollen. Die Union bedauerte das Urteil und unterstrich, daß sie entschlossen gegen jeden Gesetzentwurf stimmen wird, der gleichgeschlechtlichen Paaren weitere Rechte zuspricht.

Weil ich der Meinung bin, daß jeder Bürger überlegen sollte, inwieweit die Lebenspartnerschaften mit der Ehe gleichgestellt werden sollten, beschloß ich, meine eigene Meinung niederzuschreiben.

*

Im Alten Testament (3. Mose 18) verbietet Gott den Menschen mit Blutsverwandten oder Tieren geschlechtlich zu verkehren; dem Mann wird verboten, mit einer Frau, die ihre monatliche Blutung hat, oder mit der Frau eines anderes Mannes zu schlafen. Dasselbe Kapitel beinhaltet aber auch folgenden Satz: Kein Mann darf mit einem anderen Mann geschlechtlich verkehren; denn das verabscheue ich (3. Mose 18. 22). Die selbe Ansicht wird vom Apostel Paulus im Neuen Testament vertreten: Menschen, die... mit Partnern aus dem eigenen Geschlecht verkehren, ... werden nicht in Gottes neue Welt kommen (I. Korinther 6. 9,10). Die Bibel warnt also den Menschen davor, seinen homosexuellen Neigungen die Zügel schießen zu lassen.

Die meisten Bürger der westlichen Welt bekennen sich zwar noch zum Christentum, aber eine sich auf die Bibel stützende unbequeme Begründung, die einer von den Medien für fortschrittlich erklärte Weltanschauung widerspricht, wird sofort als altmodisch und primitiv abgestempelt. Diejenigen, die sich trauen, die in der Bibel empfohlene Moral als noch gültige und gesunde Grundlage für die heutige Gesellschaft zu bezeichnen, werden als ewig gestrig oder sogar als religiöse Fanatiker – die nicht begreifen wollen, daß in den modernen Staaten die Kirche vom Staat getrennt ist – beschimpft. Es wird sofort gemahnt, daß ein moderner und gebildeter Mensch nicht die Schöpfungstheorie, sondern die Evolutionstheorie ernst nehmen sollte und somit unterstrichen, daß der in der Bibel empfohlenen Moral die Glaubwürdigkeit fehlt und heutzutage eine andere Moral herrschen sollte. Mich beunruhigt aber die Tatsache, daß diese neue moderne Moral nicht nur der Botschaft, die von allen Weltreligionen vermittelt wird, sondern auch der Evolutionstheorie selbst, widerspricht.

Der Geist der Evolutionstheorie ist der Überlebenskampf. In der westlichen Welt werden die Kirchen immer wieder aufgefordert die Drohbotschaft mit einer Frohbotschaft zu ersetzen. Gott soll die Menschen lieben, so wie sie sind. Er soll sie akzeptieren, so wie sie sein wollen. Wie kann man aber mit Hilfe der Evolutionstheorie erklären, daß die entwickeltste Gattung (deren Individuen sich auf natürliche Weise nur heterosexuell fortpflanzen können) zum Schluß kommen konnte, daß ein Teil ihrer Mitglieder, die sich nicht heterosexuell paaren wollen und somit ihren Beitrag zum Erhalt der Gattung nicht leisten, mit denjenigen, die sich fortpflanzen, gleichwertig sind?

Der bekannte Spruch des Bürgermeisters von Berlin (... das ist gut so!) fand ein riesiges Echo in der deutschen Gesellschaft. Kann aber ein Berliner Bürger, der den SPD Politiker trotz seiner Bekennung zur Homosexualität als Bürgermeister der Hauptstadt gewählt hatte, als primitiv denkend abgestempelt werden, wenn er sich traut, öffentlich zu behaupten, daß die homosexuellen Paare weniger Vorteile genießen sollten als die verheirateten Paare?

Die homosexuellen Paare können auf natürliche Weise keine Kinder zeugen. Fruchtbare Menschen, die in einer heterosexuellen Beziehung Kinder zeugen könnten, können sich für die Homosexualität entscheiden. Man kann sagen, daß das gut ist. Darunter verstehe ich allerdings, daß diese Menschen ehrlich sein können und sie keine Kriminelle sind. Ein intelligenter und ehrlicher Homosexueller kann ein viel besserer Verwalter einer Stadt sein als ein dummer und korrupter Heterosexueller. Wenn man aber akzeptiert, daß der Mensch – wie alle anderen Wesen – verpflichtet ist, durch Einsatz seiner Sexualität zum Erhalt der eigenen Gattung beizutragen, und wenn es darum geht, ein beliebiges homosexuelles Paar mit einem beliebigen heterosexuellen Paar (das willig und fähig ist, gemeinsam Kinder zu zeugen) zu vergleichen, ist es offensichtlich, daß das homosexuelle Paar sich auf einer Stufe befindet, die viel näher dem Individuum als der Ehe steht.

Es gibt Menschen, die es vorziehen, als Ledige und Menschen, die es vorziehen, mit einem Lebensgefährten zusammen zu leben. Es gibt aber auch Menschen, die ein gleichzeitiges Zusammenleben mit mehreren Lebensgefährten für möglich und wünschenswert halten.

Es gibt Ledige, die sich keine Kinder wünschen. Alleine kann der Mensch auf natürlicher Weise keine Kinder zeugen, aber es gibt auch Ledige, die ledig leben wollen und sich Kinder wünschen. Für eine ledige Frau ist es nicht schwer, sich ein eigenes Kind, das in der Geburtsurkunde keinen Vater haben soll, zu schenken – sie braucht nur einen Samenspender. Sie muß nur einmal mit einem Mann ins Bett gehen, oder sie kann sich künstlich befruchten lassen – beide Prozeduren sind machbar und erlaubt. Wenn ein Mann sich ebenfalls ein eigenes Kind wünscht, das in der Geburtsurkunde keine Mutter haben soll, muß er eine Frau finden, die bereit ist, als Leihmutter (genauer gesagt als Kindererzeugungsmaschine) die Schwangerschaft zu übernehmen. Das ist auch machbar – in der Dritten Welt kann man sich jede Menge Frauen aussuchen, die diese Aufgabe willig übernehmen würden.. Ich weiß allerdings nicht, ob das in Deutschland erlaubt ist, oder bald erlaubt werden wird. Sollten die Menschen, die auf natürliche Weise keine Kinder zeugen können und die Menschen die auf natürliche Weise keine Kinder zeugen wollen, das Recht erhalten, sich eine Klone herstellen zu lassen, damit auch sie eigene Kinder haben können?

Es kann eine sehr feste sexlose Freundschaft zwischen zwei ledigen Männern oder zwei ledigen Frauen geben. Ich glaube nicht, daß eine solche Freundschaft mit einer homosexuellen Beziehung vergleichbar ist und weiß nicht, ob solche Menschen (ich Frage mich, ob man sie als Paar bezeichnen kann) von den Vorteilen des Gesetzes zur Beendigung der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Gemeinschaften: Lebenspartnerschaften Gebrauch machen sollten – das Gesetz verpflichtet die Partner zur gegenseitigen materiellen Unterstützung, verpflichtet sie aber nicht, miteinander geschlechtlich zu verkehren.

Es gibt homosexuelle Paare. Es gibt heterosexuelle Paare, die keine Kinder haben wollen, heterosexuelle Paare, die gerne eigene Kinder hätten, aber keine zeugen können und heterosexuelle Paare, die Kinder zeugen. Es gibt aber auch die Polygamie der Frau, die Polygamie des Mannes, die Heteropolygamie und heterosexuelle Gemeinschaften von mehreren Frauen und mehreren Männern, deren Mitglieder untereinander nicht geschlechtlich verkehren. Jeder vernünftige Mensch wird einsehen, daß heutzutage in der EU die Polygamie nur als Eintragung der Ehe zwischen einem Menschen und mehreren Menschen, die dem anderen Geschlecht angehören, verboten ist. Als Lebensweise ist die Polygamie keineswegs verboten. Elton John steht zu seiner Bisexualität und ist ein angesehener Künstler. Man könnte sagen: Das ist gut so! Man hört oft die Nachricht, daß nicht nur Homosexuelle, sondern auch Bisexuelle in den Metropolen Europas für mehr Rechte demonstrieren. In den Bekanntschaftsannoncen kann man oft lesen: Mann sucht Paar... Paar sucht Paar... Für eine bisexuelle Beziehung werden mindestens drei Personen benötigt. Gruppensex wird nicht mehr als Schande, sondern als Zeichen der Freiheit angesehen – von manchen sogar als Merkmal der Modernität bezeichnet. Soll alles, was möglich ist, auch gefördert werden? Kann mir jemand vernünftig erklären, warum es normal wäre, daß nur die gleichgeschlechtliche Gemeinschaften, die aus zwei Personen bestehen nicht mehr diskriminiert werden sollten? Wenn Politiker postulieren, daß altmodische moralische Vorurteile abgeschafft werden müssen, müssten sie begründen, warum vergleichbare Situationen weiterhin nicht gleichgestellt werden sollen. Ich akzeptiere, daß eine beliebige Polygamie etwas anderes als eine Beziehung zwischen zwei Personen gleichen Geschlechts ist, möchte aber gerne erfahren, warum aus Sicht des Gesetzgebers und des Bundesverfassungsgerichtes Menschen, die in solchen Verhältnissen leben wollen, weiterhin diskriminiert werden müssen. Ich behaupte, daß es eine einzige vernünftige Erklärung geben kann: auch in dieser Gesellschaft, die sich rühmt, die Toleranz als oberstes Gebot einführen zu wollen, gibt es moralisch unerwünschte Handlungen, die akzeptiert, aber nicht gefördert werden müssen. Darf man aber noch heutzutage eine Handlung, die nicht als kriminell eingestuft wird, nur auf Grund von moralischen Vorstellungen diskriminieren?

In der Bibel wird der Mensch aufgefordert, mit Geschwistern und Verwandten gerader Linie nicht geschlechtlich zu verkehren. Die Wissenschaft hat bewiesen, daß dann, wenn nahe Verwandte ein Kind zeugen, die Zusammenkunft der blutsverwandten Gene der Eltern eine große Gefahr beinhaltet – es ist sehr wahrscheinlich, daß ein schwer kranker Mensch auf die Welt kommt. Die Bibel ist vielleicht altmodisch, aber eine durch Beobachtungen seit Jahrhunderten bekannte und von der Wissenschaft bestätigte Gefahr ist ein seriöser Grund, nahen Verwandten den Zugang zur Ehe zu verbieten. Warum dürfen aber gleichgeschlechtliche Geschwister und Verwandte gerader Linie keine Lebenspartnerschaft begründen? Sie, genau wie die anderen gleichgeschlechtlichen Paare, können doch gar keine Kinder zeugen. Weder gesunde noch kranke. Ein Gesetz, daß sich vornimmt eine angebliche Diskriminierung abzuschaffen, darf nicht willkürlich Diskriminierung schaffen, nur weil der Gesetzgeber zwei Situationen, die grundsätzlich verschieden sind, als gleichwertig darstellen möchte. Das Gesetz schreibt vor:

§1 (2) Eine Lebenspartnerschaft kann nicht wirksam begründet werden

2. zwischen Personen, die in gerader Linie miteinander verwandt sind;

3. zwischen vollblütigen und halbblütigen Geschwistern;

Ich möchte gerne erfahren, wie die Mehrheit des Bundestages, die das Gesetz verabschiedet hatte, diese Diskriminierung begründet und frage mich, warum nur einer der acht Richter des Bundesverfassungsgerichtes (die Richterin Haas) diesen Unsinn als verfassungswidrig eingestuft hat.

Ist es normal, Menschen, die sich auf natürliche Weise nicht fortpflanzen wollen, Kinder anzuvertrauen? Wie lange wird es noch dauern, bis die homosexuellen Paare das Recht erhalten werden, Kinder zu adoptieren? Kann man überhaupt diese Fragen noch in der Öffentlichkeit stellen, ohne zu befürchten, daß man Gefahr läuft, als primitiv denkender Mensch beschimpft zu werden?

Um ein Kind zeugen zu können, müssen ein Mann und eine Frau miteinander geschlechtlich verkehren. Damit auf natürliche Weise neues Leben überhaupt entstehen kann, muß eine reife männliche Keimzelle eine weibliche Keimzelle befruchten – Gott oder die Evolution haben es bei der Gattung Mensch so geregelt. Damit die Gattung sich fortpflanzen kann, wird ein heterosexuelles fruchtbares Paar gebraucht – dieses ist das Geheimnis der Ehe. Zwei, drei oder mehrere fruchtbare Männer, die miteinander geschlechtlich verkehren, werden auf natürliche Weise nie ein Kind zeugen können – das selbe gilt auch für Frauen, die nur mit Frauen das Bett teilen wollen. Das Klonen von Menschen ist noch verboten. Vorläufig können die Wissenschaftler das Klonen von Säugetieren nur mit Hilfe einer Leihmutter durchführen. Die präparierte Zelle kann sich bisher nur in der Gebärmutter der Leihmutter zum geklonten Tier entwickeln. Es ist aber denkbar, daß es irgendwann technisch möglich sein wird, eine künstliche Gebärmutter zu schaffen. Der Mensch hätte dann die Möglichkeit, sich ohne Leihmutter, nur mit Hilfe der Gebärmaschine, zu klonen. Wie wird die Gesellschaft reagieren, wenn dann fortschrittlich denkende Politiker im Namen der Gleichberechtigung für die Homosexuellen (die auf natürliche Weise keine Kinder zeugen können) das Recht, sich klonen zu dürfen, verlangen werden, damit diese auch eigene Kinder haben können? Wird die Mehrheit der Menschen entsetzt sein, oder werden diejenigen, die sich diesem Antrag widersetzen werden, als ewig gestrig oder religiöse Fanatiker abgestempelt werden? Das Grundgesetz muß dafür gar nicht geändert werden, denn die Mehrheit der Richter des Bundesverfassungsgerichtes könnte beschließen, daß dadurch der besondere Schutz der Ehe nicht verletzt sein wird, weil die heterosexuelle Paare noch immer das Privileg besitzen werden auf natürliche Weise Kinder zu zeugen. Es könnte eher vorkommen, daß die altmodische Fortpflanzungsart als unwürdig und unwirtschaftlich angesehen werden wird, denn eine schwangere Frau muß für einige Monate ihre Karriere aufgeben (der Leser wird gebeten, Aldous Huxleys Schöne neue Welt zu lesen und über die Lektüre nachzudenken). Allerdings, wenn es so weit kommen sollte, wird man die Verfassung ändern müssen und die Gesellschaft wird im Namen des Fortschrittes und der Gleichberechtigung bestimmt einverstanden sein. Wenn es möglich sein wird, Kinder mit Hilfe einer Maschine zu klonen, warum sollte die Ehe noch einen besonderen Schutz genießen? Wenn homosexuelle Paare auf natürliche Weise keine Kinder zeugen können, warum sollten heterosexuelle Paare das Recht haben, dies zu tun? Wie lange kann die moderne Gesellschaft diese Diskriminierung noch dulden?

*

Richter, Politiker und Journalisten sollten die ehrlichsten und objektivsten Menschen sein. Oft erweisen sich aber viele von ihnen nur als ausgezeichnete Rhetoriker, die die Wirklichkeit verfälschen oder den Unsinn unter einer glaubwürdigen Maske verstecken können.

Ich glaube, daß ich überzeugend gezeigt habe, daß sowohl das Gesetz zur Beendigung der Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Gemeinschaften: Lebenspartnerschaften als auch das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, das das Gesetz für verfassungsgemäß erklärt hat, zahlreiche wichtige Aspekte nicht ernsthaft berücksichtigen. Einer dieser Aspekte scheint mir (wie auch den drei Richtern, die der Meinung waren, daß das Gesetz gegen Art. 6 Abs. 1 GG, verstößt) besonders wichtig: sowohl die Mehrheit des Bundestages, die das Gesetz erlassen hatte, als auch die Mehrheit der Richter des Bundesverfassungsgerichtes, mißbrauchen ein Wort, das im heutigen Deutschland ein besonderes Echo hat: DISKRIMINIEREN. Man braucht nur ein bisschen gesunden Menschenverstand, um einsehen zu können, daß der Sinn mancher Wörter sehr leicht verdreht werden kann.

Es reicht nicht aus zu postulieren, daß der Staat der Ehe einen besonderen Schutz gewährt, wenn in Wirklichkeit im Namen des Schutzes der Minderheiten und der Gleichberechtigung alle Vorteile, die der Staat den Ehepaaren den Ledigen gegenüber geschaffen hat, auch den homosexuellen Paaren zugesprochen werden. Die Aussage, daß Menschen, die in allen verschiedenen möglichen Situationen sich verschieden verhalten, das Recht haben, gleich behandelt zu werden, ist eine falsche und gefährliche postmoderne These. Richtig ist, daß die Menschen vor dem Gesetz gleich behandelt werden müssen, wenn sie sich gleich verhalten.

Weil nur heterosexuelle Paare Kinder, die den Fortbestand der Gesellschaft sichern, zeugen können, befindet sich die Ehe auf einer qualitativ höheren Ebene als alle anderen möglichen Lebenspartnerschaften. Wenn der Staat die Ehe als einzige Institution, die gleichzeitig Kinder zeugt und die die soziale Verantwortung der biologischen Eltern für das gemeinsame Kind unterstreicht, gegenüber den Ledigen privilegiert, wird keine andere mögliche Lebenspartnerschaft diskriminiert, weil keine andere mögliche Lebenspartnerschaft diese Aufgaben erfüllen kann. Es ist mehr als bedauerlich, daß diese Meinung nur von drei Richtern des Bundesverfassungsgerichtes vertreten wurde und es ist besonders schlimm, daß die Mehrheit eine gefährliche Rechtslage geschaffen hat. Die Senatsmehrheit setzt keinerlei Grenzen für eine substantielle Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften mit der Ehe (Schluß der abweichenden Meinung des Richters Papier).

Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes beinhaltet den richtigen Vermerk, daß nur ein Mann und eine Frau eine Ehe schließen können. Somit wird unterstrichen, daß der in den Medien all zu oft benützte Begriff Homo-Ehe unsinnig ist. Das Recht als Ehe bezeichnet zu werden, ist das einzige Privileg, das das Bundesverfassungsgericht der Lebenspartnerschaft zwischen einem Mann und einer Frau zuerkennt. Niemand kann aber den Medien verbieten, den Begriff Homo-Ehe zu benützen, denn das Verhängen dieses Verbotes würde als grobe Verletzung der Meinungs- und Pressefreiheit angesehen werden. Es ist offensichtlich, daß die überwiegende Mehrheit der Bürger, die am meisten von den Medien wiederholte Meinung unkritisch als eigene Meinung übernehmen. Durch die Einführung und Wiederholung des Begriffes Homo-Ehe wird der Ehe das einzige vom Bundesverfassungsgericht anerkannte Privileg (als Ehe bezeichnet zu werden), willkürlich abgeschafft. Ich scheue mich nicht zu behaupten, daß die Benützung des Begriffes Homo-Ehe von Seiten derer, die ihn benützen, entweder grobe Ignoranz oder die böse Absicht die Öffentlichkeit falsch zu informieren und zu manipulieren, beweist.

*

Meiner Meinung nach beinhaltet das Gesetz, in dem in seiner Gesamtheit unseriösen Geist, auch einen brauchbaren Grundgedanken. Dieser besagt, daß man Ledigen, die nicht heiraten wollen, die Möglichkeit geben kann, sich zu verpflichten, gegenseitige soziale Verantwortung zu übernehmen. Man kann eine solche Absicht akzeptieren als Grund, um einem gleichgeschlechtlichen Paar (aber auch einer anderen beliebigen Lebensgemeinschaft) alle Rechte, die im Gesetz benannt werden, zuzusprechen. Das Gesetz soll aber umbenannt werden. Der Spruch Beendigung der Diskriminierung soll verschwinden und vermerkt werden, daß keine weiteren Rechte zugefügt werden können. Um zu unterstreichen, daß die Schließung einer Ehe symbolisch eine grundsätzlich höhere Bedeutung als die Begründung einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft hat, sollten Ehe und gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften von verschiedenen Behörden eingetragen werden. Weil aber Ehe nur dann, wenn Mann und Frau Kinder zeugen, der Gesellschaft einen besonderen Dienst leistet, sollten der Ehe nur dann materielle Vorteile gegenüber den gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften zugesprochen werden, wenn es deutlich wird, daß die Ehegatten wünschen und sich bemühen Kinder zu haben. Kinderlosen Ehegatten soll das Recht Kinder zu adoptieren zugesprochen werden, nur wenn sie beweisen können, daß sie aus biologischen Gründen keine eigenen Kinder zeugen können. Das Recht auf materielle Vorteile soll von der Geburt des ersten lebenden Kindes (oder von der Adoption eines Kindes für Ehegatten, die beweisen können, daß sie aus biologischen Gründen keine eigenen Kinder zeugen können) gelten. Die Eltern sollen diese materiellen Vorteile auch im unglücklichen Fall, daß das einzige Kind stirbt, nicht verlieren (damit sind steuerliche Vorteile und nicht Kindergeld gemeint). Diese Rechte sollen den Eltern aber entzogen werden, falls diesen die Erziehungsberechtigung entzogen wird. Witwen und Witwer, die aus Ehen stammen, die bis zum Tode eines der Ehegatten solche Rechte genossen haben, sollen besondere Rechte genießen.

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Gedanken zur Notwendigkeit der Gründung der Initiative gegen die Schändung der Ehe

21. 07. 2002

Die Politiker der rot-grünen Koalition feierten das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, das das Lebenspartnerschaftsgesetz für verfassungsgemäß erklärt hatte, als eine schallende Ohrfeige für die Union. Diese Aussage ist eine Halbwahrheit. Die ganze Wahrheit ist, daß diese Ohrfeige jedem Menschen, der ein bisschen gesunden Menschenverstand besitzt, verabreicht wurde. Ich empfinde dieses Urteil auch als eine schallende Ohrfeige. Ich bin aber nicht gewöhnt, unverdiente Ohrfeigen demütig anzunehmen und ich bezeichne meinen Kommentar Über Ehe und andere Lebensgemeinschaften als eine überzeugende Antwort, die auch als schallende berechtigte Ohrfeige angesehen werden kann.

Das lächerliche Urteil stützt sich auf den Vermerk, daß das Lebenspartnerschaftsgesetz sich an Personen wendet, die miteinander keine Ehe eingehen können. Die Süddeutsche Zeitung ist eine wichtige Zeitung, die als seriös gilt. Die Redaktion scheute sich aber nicht in der Ausgabe vom 18. Juli auf der ersten Seite einen Artikel mit dem Titel Es bleibt dabei: Schwule und Lesben dürfen heiraten und auf der zweiten Seite einen Artikel mit dem Titel Ehe ohne Grenzen herauszugeben. Ich scheue mich auch nicht zu behaupten, daß das Urteil selbst und um so mehr der unseriöse Umgang vieler Medienvertreter und Politiker mit diesem Urteil eine schallende Ohrfeige für die Demokratie in Deutschland bedeutet. Um die beabsichtigte vollständige Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften mit der Ehe zu rechtfertigen, erlauben sich diese Anführer, die Wahrheit mit den Füßen zu treten. Sie gehen davon aus, daß, während die Farce der Abschaffung der angeblichen Diskriminierung vervollständigt wird, die Bürger sich wie brave Zuschauer, die die Darsteller nie auspfeifen, verhalten werden.

Die Demokratie kann aber nur in einem Land, in dem die Bürger den nackten Kaiser aus Andersens Geschichte auslachen, wirksam sein. Wenn nur die Stimmen des Hofes, die die Schönheit der neuen Kleider des Kaisers loben, zu hören sind, ist die Demokratie in Gefahr. Die Demokratie ist in Gefahr, wenn sich kein Kind traut, aber der Kaiser ist ganz nackt! zu rufen, oder wenn kein beachtlicher Teil der Bürger bereit ist, diesen Ausruf zu übernehmen und laut zu wiederholen, um den lauten Chor der Propaganda zu übertönen.

Ich definiere die Initiative gegen die Schändung der Ehe als eine übernationale, überkonfessionelle und überparteiliche Bewegung, die sich für den Erhalt der ethischen Werte der Menschheit – im Sinne der Botschaft, die von allen großen Weltreligionen vermittelt wird, einsetzt.

Die Botschaft aller Weltreligionen ist mit der Botschaft des Dekalogs gleich und wird von der Evolutionstheorie nicht widersprochen. Diese Botschaft versucht dem Menschen klarzumachen, daß er verpflichtet ist, seine Instinkttriebe: Egozentrismus, Egoismus und Sexualtrieb zu bremsen. Wenn man diese Botschaft aus sozialer Sicht betrachtet, behaupte ich, daß die Gesellschaft das öffentliche zur Schau tragen der Pornografie, des Sexismus, und der Homosexualität nicht unterstützen sollte.

Wie die einzelnen Menschen im privaten Bereich mit ihren sexuellen Phantasien umgehen, ist kein gesellschaftliches Problem, solange diese keine kriminellen Neigungen entfalten. Die privaten homosexuellen Beziehungen müssen geduldet werden. Eine solche Beziehung darf nicht als kriminell, sollte aber nicht als sozial wünschenswert angesehen werden.

Wenn die Ehe als Institutionalisierung der Familie als Kern der Gesellschaft betrachtet wird, erkennt man, daß die Gleichstellung der homosexuellen Beziehungen mit der traditionellen Ehe zwischen einem Mann und einer Frau, die gemeinsam Kinder zeugen und erziehen, einen riesigen Angriff gegen die Würde des Menschen bedeutet. Das lächerliche Urteil des Bundesverfassungsgerichtes kann akzeptiert werden. Man muß aber deutlich auf seine schwachen Punkte aufmerksam machen und deutlich erklären, warum man weitergehenden Plänen, Lebenspartnerschaften an die Ehe anzugleichen, eine deutliche Absage erteilen sollte.

Ich bin fest davon überzeugt, daß die Grundsätze der Erziehung und der Bildung in einer Familie, die sich zur christlichen Moral bekennt, viel besser vermittelt werden können als in den Krippen, Horten und Ganztagesschulen einer Gesellschaft, die die gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit der Ehe gleichstellt und den Konsum und die Unterhaltung als oberste Werte betrachtet..

Ich glaube, daß jeder vernünftige Mensch – unabhängig von seiner Volksangehörigkeit, Konfession und Parteiangehörigkeit – sich den gefährlichen Plänen der Gleichstellung der homosexuellen Beziehungen mit der Ehe widersetzen sollte.

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Familie oder Ganztagsschulen?

20.04.2002

Angeblich sollten die moralischen Instanzen einer Demokratie die Meinungsverschiedenheit achten, aber manchmal tun diese leider das Gegenteil. Ein glänzendes Beispiel der Schwarzweißmalerei wird von der Journalistin Cornelie Barthelme in dem Leitartikel „Familie als Wahlgag“ geliefert. Der aufgeklärteTeil der Bevölkerung – personifiziert durch den Berliner Taxifahrer X., mittleren Alters und kritischer Grundeinstellung – meint zum Thema „Familienpolitik“ folgendes: Liebe Regierung, bitte streichen Sie doch das Kindergeld. Komplett. Finanzieren Sie statt dessen lieber so viele Krippen, Horte und Ganztagesschulen, dass jedes Kind so lange rundum betreut ist, bis seine Eltern genügend Geld für Lebensunterhalt und Freizeit verdient haben, die die Familie dann miteinander verbringen kann. Die Journalistin hält die Meinung des Herrn X für sehr richtig, weil diese Anschauung das Leitmotiv des Leitartikels bildet. Die Journalistin wiederholt ganz deutlich: Wer auch immer nach dem 22. September regiert, wird sich kümmern müssen um all das, was Eltern nicht leisten können, selbst wenn sie es wollten: von der Babybetreuung bis zur Hilfe bei den Hausaufgaben. Es geht nicht um Haushaltsposten, sondern um eine Änderung des gesellschaftlichen Klimas. Der Schluß des Artikels ist, daß die Politiker diese Offenkundigkeit nicht wahr haben wollen.

Es gibt zweifellos Themen, bei denen die Politiker die Meinung der Mehrheit der Bevölkerung ignorieren. Es gibt bestimmt Themen, bei denen die Meinung der Aufgeklärten ignoriert wird. Ich frage mich aber, welche moralische Instanz das Recht hat, irgendeine Anschauung als aufgeklärt und gleichzeitig eine andere als dumm und veraltet abzustempeln. Ich glaube nicht, daß bezüglich der Familienpolitik das ganze Volk die Meinung von Taxifahrer X vertritt, also müsste man das Problem der Aufgeklärten klären, um die Politiker des bösen Willens beschuldigen zu können. Wie aufgeklärt sind die Aufgeklärten?

Ich bin ziemlich sicher, daß es nicht nur eine Familie Y gibt, die noch überzeugt ist, daß das Kind – zumindest bis es drei Jahre alt wird – zu Hause besser versorgt werden kann als in irgendeiner staatlichen Einrichtung. Ich bin sicher, daß es viele Familien gibt, die gerne mehr Zeit für die eigene Haushaltsführung und das gemeinsame Familienleben verwenden würden. Im Gegensatz zu Frau Barthelme bin ich sicher, daß es nicht wenige Familien gibt, die sowohl mit der Babybetreuung als auch mit der Hilfe bei den Hausaufgaben alleine zurecht kommen wollen und können. Ich bin überzeugt, daß diese Menschen das Recht haben, daß man ihre Anschauung in der Politik vertritt. Absoluter Konsens wird angeblich nur von den Diktaturen verlangt.

Zum umstrittenen Thema „Familienpolitik“ kann man auch anders als Herr X. denken: Die erfolgreichen Familien haben ihre teure Zeit nie mit dem Haushalt verschwendet. In der Dienstleistungsgesellschaft sollen verstärkt Haushaltshilfskräfte eingesetzt werden – das schafft Arbeitsplätze. Kann sich aber in der Zukunft jede Familie eine Putzfrau und eine Köchin leisten? Wer soll den Haushalt der Putzfrau machen? Sollen diejenigen, die sich keine Haushaltshilfe leisten können, Dauerkunden der Imbissbuden werden oder soll man für sie Kantinen einrichten? Welches Modell würde mehr Arbeitsplätze bringen? Wenn die Kinder gleich nach der Geburt in staatliche Einrichtungen eingeliefert werden sollen und die Eltern in der Kantine versorgt werden können, was bedeutet dann noch die Familie? Soll die Familie zusammenkommen, nur um die Freizeit gemeisam zu verbringen? Will überhaupt eine solche Familie die Freizeit noch gemeinsam verbringen, oder ist jeder mit seinem eigenen Universum dermaßen beschäftigt, daß er die Anwesenheit der anderen gar nicht mehr braucht? Braucht man überhaupt noch die Familie auch für etwas anderes, als nur Kinder auf die Welt zu bringen? Wäre es nicht vernünftiger die Kinder in staatlichen Einrichtungen auch zu erzeugen, damit der Mensch noch freier wird, damit er noch mehr Zeit hat seine Persönlichkeit zu entwickeln? Was meint der Taxifahrer X wohl dazu?

Zum Thema “Familienpolitik” sollte man vielleicht Aldous Huxleys Schöne neue Welt lesen. Man könnte dann leichter verstehen, warum es im modernen Deutschland zu wenig Kinder gibt: der Rausch des Konsums hat den Fortpflanzungsinstinkt der Menschen gelähmt – aber sie fühlen sich wohl so.

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Offener Brief an den deutschen Außenminister

28.02.2002 (Anmerkung: 2002 war Joschka Fischer deutscher Außenminister)

Sehr geehrter Herr Minister,

ich bin sicher, daß Ihnen, als feinem Intellektuellen und ehemaligem linken Aktivisten, die Erzählung ”Die verlorene Ehre der Katharina Blum” bekannt ist. Es ist bekannt, daß Sie einer der beliebtesten deutschen Politiker sind. Ich hoffe aber, daß Sie zugeben, daß die Sympathie der Deutschen für Sie in nicht geringem Maße Ihrem Bild, so wie dieses von den Medien vermittelt wird, zu verdanken ist. Nun kann ich mir sehr gut vorstellen, daß Sie mir einen Vortrag über die Objektivität der Medien in einer reifen Demokratie halten könnten, bin aber ebenfalls überzeugt, daß Sie vor zwanzig Jahren im Sinne Bölls genau das Gegenteil behauptet hätten. Es stellt sich nun die Frage ob die ”Bild” und die deutschen Medien insgesamt in den letzten zwanzig Jahren objektiver wurden, oder ob sich Ihre Weltanschauung oder vielleicht nur ihre Interessen geändert haben.

Mich veranlassen drei Ereignisse der letzten Wochen, mich an Sie zu wenden: der Beginn des Prozesses gegen Slobodan Milosevic, Ihr Besuch in Israel und die Verkündung der saudiarabischen Friedensinitiative für den Nahen Osten.

Der Prozess gegen den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten wurde nur durch den sogenannten Befreiungskrieg der NATO möglich, denn der böse Mann wurde nicht mehr gewählt, weil er den Krieg verloren hatte. Am 14 Februar 2002, während Sie in Israel waren, verglich Milosevic sein Vorgehen in Kosovo mit dem Krieg der USA gegen den Terrorismus in Afghanistan. Es ist bekannt, daß während dieses Krieges Bundeskanzler Schröder gesagt hatte, daß die Ereignisse vom 11 September 2001, den Westen dazu drängen den Krieg in Tschetschenien neu zu bewerten. Wenn ich richtig verstanden habe, war damit gemeint, daß die ehemaligen tschetschenischen Freiheitskämpfer sich über Nacht in islamistische Terroristen verwandelt hatten, denn vieles spricht dafür, daß die Anführer der zivilisierten Welt sich nicht irren können, oder zumindest, daß sie das glauben. Als die NATO Jugoslawien zerbombte, fragte ich mich, ob es nicht merkwürdig ist, daß dasselbe Bündnis mit militärischen Maßnahmen Sadam Hussein hindert, gegen die Kurden im Norden Iraks vorzugehen, aber gleichzeitig nichts unternimmt, wenn die Türkei nicht nur ihre eigenen Kurden, sondern auch die vom benachbarten Irak bekämpft.

Die deutschen Medien berichteten, daß Sie am 14. Februar vor den Studenten der Universität von Tel Aviv und am 15. während Ihres Treffens mit dem israelischen Außenminister betont hatten, daß der Terror der Palästinenser aufhören soll, ohne das brutale Vorgehen der israelischen Armee in den besetzten Territorien zu erwähnen.

Ich möchte gerne wissen, was Sie von dem Vergleich des serbischen Vorgangs in Kosovo (vor dem NATO Angriff) mit dem amerikanischen Krieg in Afghanistan halten; um so mehr bin ich aber neugierig wie Sie den Vergleich der Lage der Albaner im damaligen Kosovo mit der Lage der Palästinenser in den besetzten Territorien beurteilen. Ich wage nämlich zu behaupten, daß es kaum einen Unterschied gibt. In Kosovo wurden von Albanern serbische Polizisten, serbische Einwohner und albanische Verräter getötet. In Israel werden von Palästinensern jüdische Bürger und palästinensische Verräter getötet. Oder ist aus palästinensischer Sicht ein Landsmann, der für den israelischen Geheimdienst arbeitet etwa kein Spitzel? Im autonomen Kosovo ging die serbische Armee brutal gegen die Albaner vor. Geht die israelische Armee etwa sanfter gegen die Palästinenser vor? Fast täglich werden Zivilisten getötet; fast täglich werden Einrichtungen der palästinensischen Autonomiebehörde, Wohnungen und zivile Einrichtungen, die sogar mit EU-Geldern finanziert wurden, absichtlich zerstört. Der israelische Ministerpräsident bedauert, daß er vor Jahren den Palästinenserführer nicht getötet hatte. Gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen Sharon und Milosevic? Sollte auch Sharon dem Gericht in Den Haag ausgeliefert werden, oder ist es vernünftiger Milosevic frei zu lassen?

Es ist bekannt, daß in Afghanistan El Kaida Männer, die auch in Tschetschenien und Kosovo gekämpft hatten, gefangen genommen wurden. Bis zum 11. September waren sie Freiheitskämpfer, seither sind sie Terroristen, auch wenn sie nicht an den Anschlägen von New York beteiligt waren – merkwürdige Verwandlung.

Ich bin auch sehr neugierig wie der deutsche Außenminister die saudiarabische Friedensinitiative – die ich für sehr vernünftig halte – beurteilt. Ich bin überzeugt, daß Sie in sterilen Erklärungen die Initiative begrüßen werden, mich interessiert aber, ob Sie es für möglich halten, daß man Israel dazu zwingen kann deren Bedingungen zu akzeptieren. Genauer gesagt, frage ich mich, ob man die israelische Regierung mit Gewalt – wie damals in Jugoslawien – zwingen dürfte ihre Armee aus dem im Jahr 1967 besetzten Gebiet zurückzuziehen. Nach dem Angriff auf Jugoslawien erklärte die NATO, daß in Zukunft die Verteidigung der Menschenrechte – um so mehr der Rechte der Minderheiten – wichtiger sei, als die Achtung der Souveränität der Staaten. Ich bin bereit diesen Grundsatz zu akzeptieren, mit der Bedingung, daß er weltweit verwendet wird. Leider glaube ich aber, daß in der Politik der Mächtigen allzuoft ein anderer Grundsatz verwendet wird: ”Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher als die anderen!”(George Orwell – ”Die Farm der Tiere”). Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn sie mir beweisen würden, daß ich mich irre.

Zum Schluß möchte ich Ihnen nur über ein merkwürdiges Ereignis berichten. Wie in der ganzen Welt, wurde auch in Rumänien, kurz nach den Anschlägen von 11. September, der Opfer gedacht. Auch die rumänische Fußballliga beschloß, vor den Spielen der folgenden Etappe in den Arenen, der Opfer zu gedenken. Das rumänische Fernsehen übertrug ein wichtiges Spiel zwischen zwei rumänischen Mannschaften der ersten Liga. Wie beschlossen, standen alle Zuschauer vor dem Spiel auf, aber, anstatt Ruhe zu bewahren, fingen einige Menschen an ”Jugoslawien, Jugoslawien!” zu rufen und viele andere schlossen sich ihnen an und skandierten Minuten langt ”Jugoslawien, Jugoslawien!”. Es war ganz offensichtlich, daß die überwiegende Mehrheit der Zuschauer im Stadion den unvorhergesehenen Störfall nicht missbilligten, sondern Sympathie dafür empfanden. Das Ereignis, das zufällig im ganzen Land übertragen wurde, spielte sich in Bukarest, weit weg von der serbischen Grenze, ab und es waren bestimmt keine Serben dabei. Was sagen Sie dazu?

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