Die Ursache der Dekadenz - das Geld kommt von Rechts und die Dummheit von Links

Der Kolibri bringt keine Babys

Der Rausch des Konsums

 

 

Die Ursache der Dekadenz - das Geld kommt von Rechts und die Dummheit von Links

Gheorghe Cionoiu, 22.01.2005, 09:15 Uhr
FAZ FORUM; Thema: „Warum bekommen die Deutschen keine Kinder mehr?“


Die Hauptthese des Buches „Wer die Zeche zahlt…(Der CIA und die Kultur im Kalten Krieg)“ der Journalistin Frances Stonor Saunders ist, dass in den `50-er und `60-er Jahren der CIA ein spezielles Programm, dessen Ziel die Beeinflussung der führenden linken nichtkommunistischen Intellektuellen in Westeuropa war, durchgeführt hat. Meiner Überzeugung nach wurde und wird dieses Programm weiter geführt und die Erscheinung des Postmodernismus als Supraideologie bestätigt das. Ich bitte Sie, zu überlegen, ob eine für das Kapital gefährlichere Arbeiterbewegung sich in einer moralischeren oder in einer dekadenteren Gesellschaft besser organisieren kann. Ich wiederhole – schon die alten Römer wussten, dass man mit dem vom Staat angebotene Zirkus die Plebejer beruhigen kann.

Das Geld für die Finanzierung des Zirkus kommt offensichtlich vom Kapital, aber die Neigung mitzumachen von Links. Dieses scheinbare Paradoxon basiert auf der ungenauen Festlegung der Begriffe „Links“ und „Rechts“. Konventionellerweise werden „der Rechten“ die Neigung des Staates, danach zu streben, das Individuum zu versklaven und „der Linken“ die Neigung des Individuums, nach absoluter Freiheit zu streben, zugeordnet – also auch die Neigung die Grenzen der Moral zu sprengen, die dazu geschaffen wurden, damit die Gesellschaft – und das Individuum selbst – nicht zugrunde gehen. Konventioneller Weise werden die Menschen, die auf dem Gebiet der Erotik alle Grenzen überschreiten wollen „der Linken“ und die Menschen, die an den Grenzen der Moral nicht rütteln wollen, „der Rechten“ zugeordnet. Es offensichtlich, das in diesen Rahmen die Dekadenz der postmodernen Gesellschaft von „Rechts“ und von „Links“ kommt. Genauer gesagt, das Geld kommt von „Rechts“ und die Dummheit von „Links“.

Der Rahmen des politischen Intervalls „Linke“ – Rechte“ wäre nur dann korrekt festgelegt, wenn als Grenzen die Begriffe „bewusster Bürger“ – „totalitärer Staat“ gelten würden. Der Begriff „bewusst“ setzt aber eine transzendente Komponente voraus. Diejenigen, die sich von der Propaganda verführen lassen, behaupten, dass sie im Namen der Freiheit handeln, wenn sie die Grenzen der Scham und der bisher als normal betrachteten Erotik überschreiten. Diejenigen, die im Namen der christlichen Freiheit, dies nicht akzeptieren, befinden sich am entgegengesetzten Pol. Nun wäre offensichtlich welche die „Rechten“ und welche die „Linken“ sind, wenn das Kapital, das durch Mediengewalt die Erotisierung der Gesellschaft durchsetzt, „der Rechten“ zugeordnet wird.

Eine genaue Festlegung des Rahmens des politischen Intervalls „Linke“ – Rechte“ ist aber unerwünscht. Die Halbidioten, die bei der Loveparade mitmachen, würden schwer akzeptieren, dass sie einfache Marionetten des Kapitals sind und „der Rechten“ zugeordnet werden müssen. Man lässt sie Glauben, dass sie „der Linken“ gehören und somit bleibt auf der politisch korrekten Bühne kein Platz mehr frei für die Menschen, die im Namen der unverfälschten Religionsfreiheit an ihren Überzeugungen festhalten.

In der postmodernen Welt werden diejenigen, die eine nicht politisch korrekte Meinung vertreten, zwar nicht ins KZ oder Gulag eingesperrt, aber sie werden ausgegrenzt und als Fundamentalisten, Terroristenhelfer oder Verrückte abgestempelt.
Diese ist die große Errungenschaft der 68er. Respekt!

 

 

Re: Die Ursachen der Dekadenz
Franz-Josef Pfeiffer („TupacAmaru“), 23.01.2005, 00:01 Uhr

Herr Cionoiu,

der "Kongress für kulturelle Freiheit" ein CIA-Projekt? Wen interessiert`s? Der Kalte Krieg ist kalter Kaffee.

Sie aber scheinen etwas gegen die Ami`s zu haben.

"Meiner Überzeugung nach wurde und wird dieses Programm weiter geführt und die Erscheinung des Postmodernismus als Supraideologie bestätigt das."

Das klingt nach Verschwörungstheorie. Das Motiv der postmodernen Nihilisten ist einfacher gestrickt: Es handelt sich um reine Machtvergötzung.

"Ich bitte Sie, zu überlegen, ob eine für das Kapital gefährlichere Arbeiterbewegung sich in einer moralischeren oder in einer dekadenteren Gesellschaft besser organisieren kann."

Die Kapitallogik hat mit Moral nichts im Sinn. Dekadenz ist erstens desorientierend und zweitens das bessere Geschäft.

Ihr Links-Rechts-Schema ist Kappes. Das "vornehmste" der Freiheitsrechte in der kapitalistischen Gesellschaft ist die Freiheit des Eigentums an den Produktionsmitteln. Die anderen Freiheitsrechte sind blutig erstritten und den kleinen Leuten nur widerwillig gewährt worden (-> vgl. Sie das ehemalige Zensus-Wahlrecht).

Das Kapital greift nun gerne auf vormoderne Kulturmotive zurück - u.a. Heroisierung der Vorsokratiker - , um die Rückkehr zum autoritären Staat legitimieren zu können, falls die Situation "brenzlig" wird.

"Der Geist steht links", hieß es in der Weimarer Zeit. Gemeint waren vor allem die neu errungenen demokratischen Freiheiten und sozialen Rechte für das ganze (!) Volk. Die kapitalistische Produktionsweise in Frage zu stellen, hieß nicht, hinter die Errungenschaften von Weimar zurückzufallen (-> Rosa Luxemburg). Aber der Hauptakzent bei der Linken ist nicht Freiheit, sondern Verteilungs- und Bedürfnisgerechtigkeit. Das war damals so und das ist heute so. Libertinage gibt es im ganzen politischen Spektrum.

Dass sich damit erstens ein Riesengeschäft machen läßt und dass das zweitens eine prima Betäubungsqualität hat, erschloß sich der Kapitallogik nach 1945, Traditionelle Legitimationsideologien - Nationalismus, Rassismus und religiöse Kultur - hatten sich verbraucht, so dass sowieso was Neues hermußte.

"Der Rahmen des politischen Intervalls „Linke“ – Rechte“ wäre nur dann korrekt festgelegt, wenn als Grenzen die Begriffe „bewusster Bürger“ – „totalitärer Staat“ gelten würden. Der Begriff „bewusst“ setzt aber eine transzendente Komponente voraus."

Ich merke schon, worauf Sie hinauswollen - auf die Staatsverteufelung - , bin aber nur bereit, Ihnen im Punkt "Bewußtheit" in Verbindung mit einer transzendentalen Komponente zu folgen.

"Diejenigen, die sich von der Propaganda verführen lassen, behaupten, dass sie im Namen der Freiheit (-> staatsfern -> angeblich "links") handeln, wenn sie die Grenzen der Scham und der bisher als normal betrachteten Erotik überschreiten. Diejenigen, die im Namen der christlichen Freiheit, dies nicht akzeptieren, befinden sich am entgegengesetzten Pol (-> staatsnah -> angeblich "rechts")."

Sie übersehen, dass das Kapitalinteresse - einsc. seiner libertär-nekrophilen Komponenten - natürlich die Kommandostellen des Staatsapparates besetzt hält, um seine "Rahmenbedingungen" abzusichern.

"In der postmodernen Welt ... Diese ist die große Errungenschaft der 68er. Respekt!"

Postmodernismus hat sich im Gefolge der 68er eher als Gegenbewegung zum Neomarxismus entwickelt. Die Libertinage eines Teiles der 68er wurde dabei als Anknüpfungspunkt und vorgängige "Drecksarbeit" gern genutzt.



Re: Die Ursache der Dekadenz
Gheorghe Cionoiu, 23.01.2005, 13:03 Uhr

Es freut mich, dass Sie einen Dialog akzeptieren, Herr Pfeiffer.

„der "Kongress für kulturelle Freiheit" ein CIA-Projekt? Wen interessiert`s? Der Kalte Krieg ist kalter Kaffee“
– Aber der Wunsch des Westens sich als Weltmacht zu etablieren ist noch heißer als damals (siehe Alexander Zinoviev - What's Wrong With The West).


„Sie aber scheinen etwas gegen die Ami`s zu haben.“
Was die „Ami’s“ betrifft, stelle ich fest, dass Sie eindeutig einen Propagandaslogan benutzt haben. Es ist allgemein anerkannt, dass die CIA immer wieder „Fehler“ begangen hat, um die Macht der Weltmacht USA zu stärken. Die CIA ist keine Mädchenschule, sondern ein Geheimdienst, der all zu oft bewiesen hat, dass sich nicht scheut, undemokratische Mittel zu benutzen, um weltweit die Interessen der USA durchzusetzen. Falls Sie sich anstatt „TupacAmaru“ den Nahmen „Somoza“ zugefügt hätten, hätte ich vielleicht akzeptiert, dass Sie die CIA mit den Ami’s identifizieren. Ein vernünftiger Mensch - und umso weniger ein echter Linker – würden dies jedoch nicht tun.

„Die Kapitallogik hat mit Moral nichts im Sinn.“
– Diese Aussage ist vollkommen richtig, aber im Kontext leider nur ein billiger Propagandatrick – Sie unterstellen mir das Gegenteil behauptet zu haben, was der Wirklichkeit keineswegs entspricht. Ich habe eindeutig geschrieben, dass der Staat danach strebt, das Individuum zu versklaven und es war ebenfalls eindeutig, dass ich damit den Staat als Werkzeug des Kapitals betrachte. Versklavung hat mit Moral gar nichts im Sinn.

„Das klingt nach Verschwörungstheorie. Das Motiv der postmodernen Nihilisten ist einfacher gestrickt: Es handelt sich um reine Machtvergötzung.“
– Die Verschwörungstheorien sind nicht immer falsch: paradoxerweise bestätigt Ihr eigener Satz „Es handelt sich um reine Machtvergötzung“ meine These. Wenn die Ersatzreligion des Postmodernismus „die reine Machtvergötzung“ ist, spricht alles dafür, dass alle Religionen und Ideologien, die die Menschen dazu motivieren können, sich dieser Ersatzreligion zu widersetzen, zielbewusst bekämpft werden müssen.

„…Dekadenz ist erstens desorientierend… “
– Diese Aussage widerspricht nicht der Botschaft meines von Ihnen zuvor zitierten Satzes, ist aber ungenau. Die genaue Deutung wäre – Dekadenz ist erstens verführerisch – gewesen.

„Ihr Links-Rechts-Schema ist Kappes. Das "vornehmste" der Freiheitsrechte in der kapitalistischen Gesellschaft ist die Freiheit des Eigentums an den Produktionsmitteln.
"Der Geist steht links“... Aber der Hauptakzent bei der Linken ist nicht Freiheit, sondern Verteilungs- und Bedürfnisgerechtigkeit.“
– Sie meinen, dass Ihr Links-Rechts-Schema besser ist, aber nur in der kapitalistischen Gesellschaft gültig. Mitte des achtzehnten Jahrhunderts, als Marx und Engels ihre Klassenkampftheorie erfunden haben, hätte man Ihnen geglaubt. Was war aber los mit den Arbeitern, die diese Theorie ignoriert hatten und Hitler geholfen haben, an die Macht zu kommen? Was ist mit den Streikbrechern, die so dumm waren und Marx Theorie ignorierten? Wie trennen Sie die Linken, die durch Gewalt den totalitären Kommunismus einführen wollen von den Anarchisten, denen die Verteilungs- und Bedürfnisgerechtigkeit ziemlich egal ist aber die absolute Freiheit und die Abschaffung des Staates fordern? Ihr Links-Rechts-Schema war tatsächlich nützlich, um in der kapitalistische Gesellschaft für die Bürger der niedrigen Schichten Freiheitsrechte zu erzielen – sie taugt aber gar nichts wenn man in der postmodernen Gesellschaft Angehörige derselben Klasse, die sich verschieden verhalten, vergleichen will. Auf dem Gebiet der Moral funktioniert auch die Logik des Paares Freiheit – Unterdrückung und das Thema der Freiheit des Individuums verdient auch ein Schema, das den Gegensatz Freiheit – Unterdrückung erklären kann. Mein Schema ist dafür bestens geeignet und in jedem Gesellschaftstyp gültig – Ihr Schema unbrauchbar. Übrigens, zwischen der kapitalistischen Vorkriegsgesellschaft und der postmodernen Gesellschaft besteht ein riesiger Unterschied.

„Das Kapital greift nun gerne auf vormoderne Kulturmotive zurück - u.a. Heroisierung der Vorsokratiker -, um die Rückkehr zum autoritären Staat legitimieren zu können, falls die Situation "brenzlig" wird.“
– Diese Aussage ist vollkommen richtig. Umfassender ist aber Ihr Satz „Die Heroisierung des antiken Griechentums kenne ich als Pflichtprogramm des postmodernen Nihilismus.“ Diese Heroisierung dient auch dazu, den Menschen die antichristliche These der Unerbittlichkeit des Schicksals einzutrichtern. Die fundamentale These des Christentums, die besagt, dass mit Hilfe des Glaubens der Mensch Berge versetzen kann, wird verworfen und dem Menschen eine Sklavenpsychologie induziert.

„Traditionelle Legitimationsideologien – Nationalismus, Rassismus und religiöse Kultur – hatten sich verbraucht, so dass sowieso was Neues hermusste.“
– Diese Aussage ist nicht mehr und nicht weniger als das Hauptdogma des Postmodernismus. Der Postmodernismus wird gerne als Supraideologie dargestellt, ist aber in Wirklichkeit nur eine totalitäre Ideologie, die im Namen der angeblichen Freiheit des Individuums alle traditionellen Legitimationsideologien als „verbraucht“ abstempelt – der Begriff „verbraucht“ bedeutet in Wirklichkeit „unerwünscht“.
Es ist nicht ersichtlich, warum Sie nicht auch den Kommunismus den traditionellen Legitimationsideologien zugeordnet haben. Dafür sind nur zwei Erklärungen möglich – entweder Sie glauben, dass der Kommunismus eine solche Ideologie ist und Sie wollen es nicht sagen, um keine Leser zu enttäuschen oder Sie glauben, dass der Kommunismus wesentlicher Teil des Postmodernismus ist. Meiner Überzeugung nach, ist der zweite Fall richtig – der Postmodernismus hat den Geist des Kommunismus übernommen, verwendet ihn aber nicht auf dem materiellen sondern auf dem geistigen Gebiet. Das offensichtliche aber verschwiegene Ziel des Postmodernismus ist, alle Bürger dazu zu bringen, ein einziges Wertesystem, dass mit Mediengewalt durchgesetzt wird, zu akzeptieren. Die Legitimationsideologie des Postmodernismus ist die Kultur der Medien. Wenn man bedenkt, dass die Medien das Werkzeug des Kapitals sind und dass die Kapitallogik mit Moral nichts zu tun hat, kann man schließen, dass die postmoderne Gesellschaft auch nichts mit Moral zu tun hat. Genauer gesagt, wird die Gesellschaft gezwungen sich immer wieder der dem Kapital gerade eben passenden Moral anzupassen. Gemäß dieser Logik, kann man auch das Gebären von Kindern verbieten, wenn die Technik so weit sein wird, billiger industriell Kinder zu erzeugen – siehe Huxleys „Schöne neue Welt“.

„Ich merke schon, worauf Sie hinauswollen - auf die Staatsverteufelung…“
– Diese Aussage ist eine echte „Emser Depesche“ – laut Lexikon bedeutet das nicht die sinngemäße Wiedergabe einer Aussage, sondern ihre Umdeutung durch Unterlassung wichtiger Informationen. Die Aussage wäre richtig gewesen, wenn Sie „die Verteufelung des Staates als Werkzeug des Kapitals“ geschrieben hätten. Mein Beitrag zeigt eindeutig, dass ich nicht für Anarchie plädiere – ich entpuppe nur die Tatsache, dass der postmoderne Staat und die Medien der postmodernen Gesellschaft die ignoranten Menschen betrügen und die bewussten Bürger verfolgen.

„Libertinage gibt es im ganzen politischen Spektrum“
– wenn man ihre Ursachen mit Hilfe Ihrer Links-Rechts-Schema analysieren will. Ihr Schema ist aber genau so gut geeignet die Ursachen der Libertinage in der postmodernen Gesellschaft zu erklären, wie eine Waage zur Messung der Temperatur geeignet ist.

„Sie übersehen, dass das Kapitalinteresse … natürlich die Kommandostellen des Staatsapparates besetzt hält, um seine "Rahmenbedingungen" abzusichern.“
– Diese Aussage ist ganz falsch. Ich behaupte, dass jeder vernünftige und ehrliche Leser meines Beitrages dies merkt.

„Postmodernismus hat sich im Gefolge der 68er eher als Gegenbewegung zum Neomarxismus entwickelt. Die Libertinage eines Teiles der 68er wurde dabei als Anknüpfungspunkt und vorgängige "Drecksarbeit" gern genutzt.“
– Das ist genau was ich gesagt habe – mit der Ergänzung, dass die CIA eine wesentliche Rolle in der Vorweisung der Richtung dieser Gegenbewegung gespielt hat.

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Der Kolibri bringt keine Babys
Gheorghe Cionoiu, 20.01.2005
FAZ FORUM; Thema: „Warum bekommen die Deutschen keine Kinder mehr?“


Ich glaube, dass sowohl die fundamentale These des Christentums als auch Freuds Sublimierungstheorie richtig sind. Beide besagen, dass durch Glaube bzw. Erziehung der Mensch sich ändern kann. Diese These ist aber nicht mehr politisch korrekt. In den deutschen Gymnasien wird gelehrt, dass bei der Gattung Mensch der Prozentsatz der Homosexuellen konstant geblieben ist – er soll in Deutschland seit hundert Jahren für Männer bei 7,5%, und für Frauen bei 5,5% liegen. Dem Menschen wird eingetrichtert, dass die Zügelung der Sexualität nur negative Folgen haben kann (siehe Elfriede Jelineks „Klavierspielerin“) und dass ihre Befreiung unbedingt zum Glück führt (siehe Catherine Milets autobiografischer Roman „Das sexuelle Leben der Catherine M.“). Diese These wird zwar von der Bibel und vom Atheisten Freud bestritten, aber die Bibel ist ja nur „so ein altes Buch“ dessen fundamentale Aussagen in der westlichen Welt der Vernunft von vielen Theologen in Frage gestellt werden und der Vater der sexuellen Revolution ist „nicht mehr aktuell“. Aus humanitären Gründen übernehmen die Krankenkassen schon heute die Kosten für die Geschlechtsumwandlungsoperation. Ich kann mir vorstellen, dass in der nahen Zukunft die Wissenschaftler zur Erkenntnis kommen werden, dass der Kannibalismus und der Trieb gegessen werden zu wollen (ich kenne den wissenschaftlichen Begriff nicht), nicht krankhafter Natur sind.
Ich bin aber ein christlicher Fundamentalist, der überzeugt ist, dass sowohl gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften als auch kannibalische (Lebens?)gemeinschaften Gottes Segen nicht bekommen können. Weil ich ein Fundamentalist bin, bin ich auch überzeugt, dass nicht alles was möglich ist, als gleichwertig betrachtet werden darf. Ich bin der Meinung dass Homosexualität kein Verbrechen aber Sünde ist und würde ihre zur Schau Stellung verbieten. Kannibalismus und Euthanasie betrachte ich als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Weil ich ein Fundamentalist bin, bin ich überzeugt, dass sich der Mensch durch Erziehung und durch Glauben ändern kann. Letztendlich, bin ich fest davon überzeugt, dass nur eine Lebensgemeinschaft zwischen einem Mann und einer Frau Gottes Segen bekommen und den Titel Ehe beanspruchen kann. Für mich ist der Klapperstorch schwarz-weiß – einerseits gibt es die Erotik der Ehe, andererseits die Erotik der sexuellen Abirrungen, die auch die Ehe zerstören kann, wenn das Ehepaar die Freiheit im Reich der Perversion sucht.
Die Hauptthese meiner bisher im FAZ Forum veröffentlichten Beiträge ist, dass der postmoderne Mensch das Produkt der Medienkultur ist, d.h. dass eine kleine Gruppe von Menschen, die die Möglichkeit der öffentlichen Meinungsäußerung besitzen und ein Monopol auf die Medien haben, die vorherrschende Meinung erschaffen. Die Haltung der Deutschen, die praktisch ausnahmslos den – ohne UNO Mandat geführten Kosovokrieg – gutgeheißen haben ist eine glänzende Bestätigung dieser These. Schon im Alten Rom wusste man, dass man mit dem vom Staat angebotene Zirkus die Plebejer beruhigen kann. Auf dem Gebiet der Sexualität kann man die Indoktrinierung wegen der destruktiven Komponente des Sexualtriebes, die in allen Menschen vorhanden ist, leicht tarnen. Die von den Medien durchgesetzte ständige Lockerung der Zügel der Erziehung und die gleichzeitig steigende Erotisierung der TV-Bilder, werden dann von den Medien als Zeichen der Emanzipierung und als Triumph der Demokratie dargestellt – und das Volk freut sich.
Auf dem Gebiet der Erotik sind die traditionellen Grenzen zwischen moralisch und unmoralisch, zwischen erlaubt und unerlaubt abgeschafft worden. Die „emanzipierten“ Menschen glauben – heute, wie vor zwei Jahrtausenden im alten Rom, dass der schwarz-weiße Klapperstorch verfolgt werden soll, um dem Kolibri Platz zu machen.
Was meinen Sie, sollte man den Klapperstorch schützen, verscheuchen, einsperren oder töten? (Die Option „ignorieren“ habe ich absichtlich ausgelassen, weil ich sie für unmöglich halte.)

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Der Rausch des Konsums
Gheorghe Cionoiu, 15.01.2005
FAZ FORUM; Thema: „Warum bekommen die Deutschen keine Kinder mehr?“


Die westliche Propaganda verwirrt den durchschnittlichen Menschen von überall mit dem Köder des Konsums, aber der Endzweck ist nicht der Abbau des Unterschiedes zwischen reichen und armen Ländern, sondern seine Verewigung, weil nur dieser Unterschied den sozialen Frieden innerhalb der Konsumgesellschaft garantiert. In einer Welt, in der, der Materialismus dominiert, ist das Aufkommen marxistischer Ideen unumgänglich und der Westen hat es geschafft, diskret den Kern der marxistischen Ideologie - den Klassenkampf - zu übernehmen und ihn extrem wirkungsvoll in den Dienst des liberalen Kapitalismus zu setzen. Die Plebs der westlichen Länder hat zum Vergleich nicht nur den Luxus der Eliten aus dem eigenen Land, sondern auch die Misere in den unterentwickelten Ländern. „Die Wilden bedrohen uns!“ ist die zeitgenössische marxistische Replik zur traditionellen marxistischen Replik „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“ Der deutsche Arbeiter weiß, dass ein Arbeiter aus der dritten Welt einen zehn Mal niedrigeren Lohn für die gleiche Arbeit erhält, ist aber keinesfalls deswegen empört.
In den reichen Ländern Westeuropas – und besonders in Deutschland – betreibt die Propaganda eine besonders erfolgreiche Hirnwäsche im Bereich der Familien- und Migrationspolitik. Die Einheimischen werden dazu gebracht wenige Kinder großzuziehen. Damit angeblich in Zukunft ihre Renten gesichert werden können, müssen sie dafür aber die Einwanderung integrationswilliger Menschen aus den ärmeren Ländern (die den Westen als Paradies betrachten, und für wesentlich niedrigere Löhne als die Einheimischen schmutzige Arbeiten gerne verrichten würden) akzeptieren, obwohl diese als„weniger zivilisierter“ angesehen werden.
Die Aussage, dass in Deutschland die Kinder für ihre Eltern ein Armutsfaktor sind, ist eine unverschämte, aber besonders erfolgreiche Propagandalüge. Tatsächlich sind die Kinder, die von den deutschen Bürgern gezeugt werden können, kein Armutsfaktor für die eigene Familie, sondern für den Staat, der die Regel der Globalisierung in die Praxis umsetzt, denn ein aus der dritten Welt stammender Einwanderer ist viel billiger und hat wesentlich weniger Ansprüche als ein Bürger, der aus der reichen Welt stammt. Wenn man Aldous Huxleys „Schöne neue Welt” liest, kann man leichter verstehen warum es im modernen Deutschland zu wenig Kinder gibt: der Rausch des Konsums hat den Fortpflanzungsinstinkt der Menschen gelähmt – aber sie fühlen sich wohl so.

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