Anmerkungen zum Zölibat der römisch-katholischen Priester

von Pater Matei Boila

 

Die Schwere der Verbrechen der Pädophilie und Homosexualität, die von römisch-katholischen Priestern begangen wurden und welche die gesamte Kirche, besonders ihre Hierarchen und vor allem seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI, zutiefst betrübt und besorgt, wird durch die Groteskheit der Anschuldigungen vervielfacht, welche von einigen Ungläubigen gegen die Kirche und den Papst erhoben werden.

Diese Ungläubigen, welche die Schwere der Situation nicht verstehen können, weil sie sich jeglicher moralischer und spiritueller Zwänge entbunden haben, und keine Vorstellung von der Sünde und ihren ewigen Folgen haben, machen es sich mit ihrem tief sitzenden Hass zur Aufgabe, vor allem Seine Heiligkeit Papst Benedikt XVI einiger Taten, die er nicht begangen hat, die er aus der Position seines Glaubens gar nicht hätte begehen können, zu beschuldigen.

Die zutiefst schädlichen sozialen Folgen für die Kirche Christi, wie es die Folgen aller Sünden der Priester sind, vor allem aber der Sünden, welche gegen einige der Kleinsten Christi begangen werden, sind für die Gläubigen der Kirche nur ein geringes Übel, im Gegensatz zu dem ewigen. Und im Angesicht dieses tiefen Leides für alle Gläubigen unserer Kirche, werden von einigen spirituell Verarmten unserer ungläubigen Gesellschaft Anschuldigungen erhoben, die, wie gesagt, nicht nur erlogen, sondern geradezu grotesk sind. Gott verzeih ihnen!

Unter den von diesen Ungläubigen verbreiten Irrmeinungen, die aus der Unkenntnis der spirituellen Phänomene entspringen, ist auch die, dass all diese Sünden als Hauptursache die kanonische Regel des Zölibats für Priester haben, welche in der römisch-katholischen Kirche festgelegt ist. Wieder eine grundlegende Unkenntnis des Phänomens.

Christlicher Glaube, sei es der der Laien, sei es der geweihter Personen, sei es der derer, die durch den Kanon der katholischen Kirche die Regeln des Zölibats festgelegt haben, besteht darin, ihr ganzes Leben Christus hinzugeben, indem sie, aufgrund des Glaubens, ihr gesamtes Dasein dem göttlichen Gebot unterordnen. Diese Unterordnung bedeutet im irdischen Leben immer Verzicht, das Bringen von Opfern.

Die kanonischen Regeln der katholische Priester werden durch die Kirche erlassen, welche die Macht hat, auf Erden zu binden und zu lösen und umso mehr das Verhalten derer zu bestimmen, die sich in ihren Dienst gestellt haben.

Die Sünden der Pädophilie und Homosexualität einiger Priester, welche unter anderem auch die Regel des Zölibats brechen, sind offensichtlich nicht durch diese Regel verursacht, sondern folgen, wie jede Sünde, daraus, die eigenen Wünsche vor das Gesetz der großen Liebe zu stellen. Sie sind ein Bruch mit dem Weg, der Wahrheit und dem Leben, das Jesus ist.

Ich bitte um Verzeihung für die Wagnis, aber meine dennoch, bei aller gegebenen Bescheidenheit, dass es im Zusammenhang mit der Regel des Zölibats der römisch-katholischen Priester – vollkommen ungeachtet der Einwände dieser Ungläubigen, Ignoranten des spirituellen Lebens, welche nicht die geringste Grundlage haben – auch Aspekte gibt, die zu negativen Situationen führen, welche die Kirche vermeiden  könnte. Zuerst müssen wir uns daran erinnern, dass die kanonische Regel des Zölibats der römisch-katholischen Priester, unabhängig davon, für wie angebracht wir sie halten, ihre Grundlage in der freiwilligen Einschränkung des sexuellen Lebens hat (welches für einen Christen nur durch das Sakrament der Ehe möglich ist), ein Opfer, dessen Wert explizit durch Jesus bestimmt wird: "Denn es ist so: Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig (Eunuchen), manche sind von den Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es." (Matthäus 19-12). Was könnte ausgezeichneter und moralisch wertvoller sein, als etwas für das Himmelreich zu opfern. Daher tut die römisch-katholische Kirche, durch die Festlegung der kanonischen Regel des Zölibats für römisch-katholische Priester, nichts anderes, als in einem bestimmten Fall, dem des Priesters der sich der Predigt von Christus widmet, die Art und Weise zu erläutern, durch welche er das Himmelreich - unter der freiwilligen Annahme der Prämisse des Eunuchentums – erreichen kann. Vor der Erörterung der Regel des Zölibats in der römisch-katholischen Kirche, sollten wir bei einer Wahrheit, auf welcher die ganze Angelegenheit beruht, anfangen.

Das Zölibat der römisch-katholischen Priester ist eine Möglichkeit das Leben für das Himmelreich zu leben, wie Jesus es uns sagt. Es geht nicht um die Festlegung von Regeln für alle Menschen und nicht einmal um die Beschreibung eines noch perfekteren Weges (Entschuldigen Sie bitte den Pleonasmus), der zu einer Identifikation unseres Lebens mit dem Christi führt. Daher ist das Zölibat ein besonderer Weg, ein wirklich ausgezeichneter, für den es eine besondere Berufung geben muss. Es kann, außerhalb dieser Berufung, die eine besondere Verbindung zwischen einer Person und Christus darstellt, keine Verpflichtung aufgestellt werden, welche das Leben als Eunuch für das Himmelreich vorschreibt.

Indem die Kirche die herausragende Stellung des Zölibats der Priester unterstreicht, kann sie einige kanonische Vorschriften für dieses festlegen und hervorheben, dass sobald man dem Ruf des Zölibats gefolgt ist und gleichzeitig ein Priester dieser Kirche sein will, dies durch einen besonderen und feierlichen Dienst Gott und seiner Kirche gegenüber begangen wird (es ist selbstverständlich, dass einem zölibatär lebenden Priester, entbunden von seinen Pflichten und Handlungen, die mit dem Sakrament der Ehe einhergingen, eher zugesprochen wird, sich den Angelegenheiten der Kirche hinzugeben und sie auszuführen).

Angesichts dieser Tatsachen können wir festlegen, was die kanonische Vorschrift des Zölibats in der römisch-katholischen Kirche ist, und vor allem was sie nicht ist.

Vor allen Dingen ist es klar, dass es kein Dogma gibt, welches die Bedingung aufstellt, dass es keinen Priester außer dem zölibatär lebenden geben kann. Die Geschichte der Kirche und vor allem die Existenz von eigenständigen, dennoch vollständig zur katholischen Kirche gehörenden Kirchen, in denen es verheiratete Priester gibt, beseitigt alle Zweifel in dieser Hinsicht.

Die Regel des Zölibats der Priester ist also eine kanonische Vorschrift der römisch-katholischen Kirche, die mit dem Gedanken der Optimierung der Führung und Verwaltung der kirchlichen Angelegenheiten geschaffen wurde. In der Tat ist das Zölibat in der römisch-katholischen Kirche nichts anderes, als das Verbot der Weihe verheirateter Christen. Das Grundprinzip ist die unleugbare Wahrheit, dass die Verkündigung Christi, vor allem aber die Führung und Verwaltung der menschlichen Institution der Kirche, die totale Hingabe aller verlangt, die sich dieser widmen. Daraus ergibt sich, dass jene, die sich, wie Jesus sagt, zu Eunuchen für das Himmelreich gemacht haben, eher in der Lage sind, die Aufgaben erfolgreich zu bewältigen.

Daher kann die Förderung des Zölibats der Priester und die Festlegung einiger kanonischer Regeln, welche die Berufung zum Zölibat für Priester schützen, nicht grundlegend in Frage gestellt werden.

Auch in den unierten, griechisch-katholischen Kirchen, in denen die Weihe von verheirateten Christen erlaubt ist, stehen allein zölibatäre Priester in Führungsämtern und wichtigen Positionen.

Was zu Recht in Frage gestellt werden kann, ist, ob es gut ist, nur zölibatär Lebende zu weihen (obwohl, wie wir gesehen haben, dies der Kern des Zölibats in der römisch-katholischen Kirche ist).

Zur korrekten Lösung des Problems muss von dem ausgegangen werden, was ich bereits sagte, nämlich, dass das Zölibat, der freiwillige Zustand des Eunuchen für das Himmelreich, eine besondere Berufung ist und somit nur für jene, welche diese Berufung haben, gut ist und zu einem Leben näher an der Vollkommenheit führt. Jede Ausweitung ist nicht nur gegen, sondern sogar schädlich für das Leben in Christus. Wie Paulus uns sagt, ist es kein Schritt zur Vollkommenheit, zu brennen.

Zweitens gibt es keinerlei Unvereinbarkeit zwischen dem Sakrament der Priesterweihe und dem Sakrament der Ehe. In Jesus haben wir das Versprechen der Gnade um Gnade. Alle Christen, besonders diejenigen, die schwere Zeiten der Verfolgung erlebt haben, konnten feststellen, dass das Sakrament der Ehe oft die Gnade der Kraft, Leidensfähigkeit und Aufopferungsbereitschaft, im Leben für Christus, mit sich bringt. Natürlich erhöht jede Bereicherung des irdischen Lebens die Verletzbarkeit desselben, aber zugleich erhöht sich auch der Segen, der notwendig ist, um das Übel der Welt zu besiegen.

Wenn wir auch mit Nachdruck feststellen können, dass die Ehelosigkeit die Fähigkeit verbessert, das Leben den kirchlichen Pflichten zu widmen, wodurch ihre besondere Berücksichtigung durch die kanonischen Normen gerechtfertigt ist, kann doch niemand die Berufung verheirateter Christen zum Priestertum leugnen. Die Kirche sollte die Möglichkeiten in allen Umständen Christus zu dienen, auch in den schwersten, nicht einschränken. Zur Frage zurückkehrend, ob die Regel des Zölibats angemessen ist, ist festzustellen, dass sie auf folgenden zentralen Aspekt reduziert ist: In Anbetracht der Tatsache, dass es zwei verschiedene Berufungen gibt, die Berufung zum Priestertum und die zum Zölibat, stellt sich die Frage: Wenn es nun weniger zum Zölibat Berufene gibt, als jene die zum Priestertum berufen sind, wie handelt die Kirche dann richtig?

Soll sie Verheirateten das Priestertum vorenthalten und somit in gewisser Weise den Willen Gottes forcieren und unvermeidlich den Weg zu falschen Berufungen bereiten, welche das Leben der Priester ohne wahre Berufung zum Zölibat von vornherein der Sünde zugänglich machen. Oder soll sie die Weihe Verheirateter erlauben, wenn sie feststellt, dass es eine wahre Berufung zum Priestertum gibt? Natürlich kann sich die Kirche, wie groß ihre Kompetenz und wie gut ihre Absichten auch sein mögen, dennoch bei der Beurteilung von Berufungen zum Priestertum irren, seien es nun Zölibatäre oder verheiratete Christen. Das aber rechtfertigt in keiner Weise, Bedingungen für die Liebe Christi aufzustellen, indem einigen Christen der Weg zum Priestertum anmaßend eingeengt wird, da sie keine Berufung zum Zölibat haben. Letztlich ist das ganze Problem, für oder wider das Zölibat zu stimmen, auf die Entscheidung reduziert, Priester ohne eine wahre Berufung zur Ehelosigkeit zu weihen, womit sie dazu verdammt sind zu "brennen", ob sie nun sündigen werden oder nicht, oder auch aus den Reihen der verheirateten Christen Priester zu weihen, die nach Einschätzung der Kirche eine wahre Berufung zum Priestertum haben. Diesen können bescheidenere Stellen in der administrativen Hierarchie der Kirche zugeteilt werden.

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Ich selbst bin verheirateter Priester der griechisch-katholischen Kirche und spreche daher, in der Frage der Regel der Ehelosigkeit, nicht "pro domo", aber auch ich bin über den Sturm, der in der Welt ausgebrochen ist beunruhigt (welcher an die heidnische Zeit vor 2000 Jahren erinnert, nun aber mit den Besonderheiten unserer Zeit). Auch weiß ich, dass jeder Schritt eines Teils Seiner Kirche ein Schritt für die ganze Kirche ist und jeder Schritt zurück eines Teils der Kirche das Leiden aller Christen bedeutet.

Deshalb erlaube ich mir, neben der ganzen Kirche des Westens und des Ostens, zusammen mit allen Gläubigen im Norden und Süden, zu beten und zu sprechen:

Dein Wille geschehe! Hilf uns, Vorurteile, Eitelkeit und Mangel an heiligem Mut zu überwinden und den besten Wegen zu folgen, um wahre Berufungen zum Priester zu fördern, welche die heutige, moderne, umherirrende und ziellose Gesellschaft so dringend braucht.

 

Pater Matei Boila